Silberband 106 - Laire
Misstrauen«, fuhr Langur ungerührt fort. »Warum lassen Sie die Solaner nicht in Ruhe? Warum benehmen Sie sich nicht so, wie man es von einem Gast erwarten darf? Hören Sie endlich auf herumzusuchen.«
»Ich habe noch gar nicht richtig angefangen.« Rhodan lächelte amüsiert. »Sie meinen es gut, Douc, aber glauben Sie wirklich, dass Sie jemandem auf diese Weise helfen?«
Der Forscher zögerte. »Ich verstehe das nicht«, sagte er dann bedrückt. »Man könnte fast auf den Gedanken kommen, dass Sie sich eher in die Gefühle eines der ehemaligen Mächtigen als in die eines Menschen hineinversetzen können.«
Der Terraner seufzte. »Die SOL-Geborenen werden früh genug auf sich gestellt sein«, erklärte er geduldig. »Sie werden in Zukunft ihre eigenen Wege gehen, und ich habe gewiss nicht die Absicht, das zu verhindern. Die Solaner sind weder dumm noch undankbar, sondern sie sind Menschen, und ob es diesen Leuten passt oder nicht, sie stammen letzten Endes von der Erde. Darum musste es so kommen, wie es jetzt ist. Sie sind Menschen, Douc, sie können gar nicht anders, als sich das zu nehmen, was sie für die Art von Freiheit halten, die ihnen angemessen ist.«
»Sie sprachen von Ihresgleichen, Perry«, sagte Langur überrascht.
Rhodan winkte ärgerlich ab. »Gehören Sie neuerdings zu denen, die jedes Wort auf die Goldwaage legen?«
»Sie sehen also ein, dass sich sowieso nichts mehr verändern lässt?«
»Das habe ich nicht gesagt. Ich bin bereit, die SOL zu übergeben.«
»Unter welchen Bedingungen?«
»Ich werde den SOL-Geborenen keine Auflagen machen, wenn Sie das meinen.«
»Warum dann noch dieses Misstrauen?«
»Etwas stimmt nicht in diesem Schiff.« Rhodan seufzte. »Ja, ich habe Ihnen zugehört, Douc, aber was Sie sagten, überzeugt mich nicht. Vielleicht lasse ich mich nur von Gefühlen leiten. Es gibt keinen einzigen konkreten Hinweis darauf, dass mein Verdacht berechtigt wäre.«
Langur schwieg lange, dann hob er in einer hilflosen Geste eine Greifklaue. »Sie befinden sich mitten in dem lang gesuchten Beweis«, behauptete er trocken.
Rhodan sah ihn verwundert an.
»Dieser abgesperrte Sektor scheint an allem schuld zu sein«, erklärte der Forscher widerwillig. »Nein, kein Widerspruch. Lassen Sie mich bitte erklären. Ich hatte gehofft, dass es mir gelingen würde, Ihnen diesen seltsamen Verdacht auszureden. Das wollte ich wenigstens versucht haben. Aber nachdem es mir nicht gelungen ist und Sie die SOL erst freigeben werden, wenn Ihr Verdacht ausgeräumt wurde, bleibt mir nur eine Möglichkeit. Mir liegt viel daran, dass nicht noch mehr Spannungen erzeugt werden.«
Der Forscher schwieg, als erwarte er, dass Rhodan Stellung bezog. Aber der Terraner stellte eine Frage, die Douc Langur offenbar nicht einkalkuliert hatte.
»Warum bleiben Sie in der SOL? Ich hatte gehofft, Sie würden uns begleiten. Interessiert es Sie nicht, was wir am Ende der Suche finden werden?«
»Doch«, erwiderte der Forscher. »Aber die Menschen in der SOL gehen ebenfalls auf die Suche – und das interessiert mich persönlich sehr stark.«
Rhodan verstand in dem Moment. Anfangs hatte Douc Langur verzweifelt nach einer Antwort gesucht, wer oder was er eigentlich war. Diese Suche hatte bisweilen groteske Züge angenommen. Douc hatte alle Anstrengungen in dieser Richtung aufgegeben, und nicht nur Alaska Saedelaere, der den Forscher besser als alle anderen kannte, hegte den Verdacht, Langur wisse mittlerweile über seine Identität Bescheid. Douc Langur schwieg sich zu diesem Thema aus. Er hütete das Ganze wie ein schlimmes Geheimnis.
Für einige Zeit machte der Forscher den Eindruck, als habe er nicht nur sein Ziel, sondern zugleich alle Hoffnung verloren.
Rhodan wunderte sich, dass er nicht eher darauf gekommen war. Die SOL-Geborenen mussten noch einmal von vorne anfangen – hatte Langur das nicht sogar selbst einmal gesagt? Was es an Bord an Traditionen geben mochte, alles stand mit den Terranern in Verbindung. Die Übergabe würde deshalb die Stunde null für die Solaner sein. Gab es eine bessere Chance für Langur? Er, der aus eigener Erfahrung nur eine Art zu leben kannte, nämlich die Gemeinschaft der Forscher im MODUL, konnte von Anfang an dabei sein und verfolgen, wie diese neue Gesellschaft wuchs und sich entwickelte!
Rhodan glaubte keine Sekunde lang daran, dass Douc Langur etwa versuchen werde, sich daraus Vorteile zu verschaffen. Das hätte dem Wesen des Forschers widersprochen. Was ihn
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