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Snow Crash

Titel: Snow Crash Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Stephenson Neal
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er möchte nicht, daß jemand in die Nähe seines Samens kommt.«
    Â»Warum nicht?«
    Â»Das sagt der Mythos nicht.«
    Â»Dann«, sagt Hiro, »muß er gedacht haben, daß der Samen wertvoll ist, aber gefährlich, oder beides.«
    Â»In Dilmun ist es nun besser als vorher. Die Felder tragen Früchte im Überfluß und so weiter.«
    Â»Entschuldigung, aber wie hat die sumerische Landwirtschaft funktioniert? Haben sie viel bewässert?«
    Â»Sie waren vollkommen darauf angewiesen.«
    Â»Also war Enki diesem Mythos zufolge dafür verantwortlich, daß die Felder mit dem >Wasser seines Herzens< bewässert wurden.«
    Â»Enki war der Wassergott, ja.«
    Â»Okay, weiter.«
    Â»Aber Ninhursag – Aschera – übertrat sein Gebot, nahm Enkis Samen und schwängerte sich damit. Nach neun Tagen Schwangerschaft gebar sie schmerzlos eine Tochter, Ninmu. Ninmu geht am Ufer spazieren. Enki sieht sie, entflammt in Leidenschaft, überquert den Fluß und hat Sex mit ihr.«
    Â»Mit seiner eigenen Tochter.«
    Â»Ja. Neun Tage später bekommt diese wieder eine Tochter, die Ninkurra getauft wird, und dann wiederholt sich das Muster.«
    Â»Enki hat auch Sex mit Ninkurra?«
    Â»Ja, und sie bekommt eine Tochter namens Uttu. Mittlerweile
hat Ninhursag offenbar ein Muster in Enkis Verhalten erkannt, daher rät sie Uttu, im Haus zu bleiben, und sagt vorher, daß Enki dann mit Geschenken zu ihr kommen und versuchen wird, sie zu verführen.«
    Â»Und macht er das?«
    Â»Enki füllt die Gräben wieder mit dem >Wasser seines Herzens<, das alles wachsen und gedeihen läßt. Der Gärtner jubelt und umarmt Enki.«
    Â»Wer ist der Gärtner?«
    Â»Nur eine Nebenfigur in der Geschichte«, sagt der Bibliothekar. »Enki verkleidet sich als der Gärtner, geht zu Uttu und verführt sie. Aber diesesmal gelingt es Ninhursag, eine Probe seines Samens von Uttus Schenkeln zu bekommen.«
    Â»Mein Gott. Das nennt man eine böse Schwiegermutter.«
    Â»Ninhursag verteilt den Samen auf dem Boden, wo dieser acht Pflanzen wachsen läßt.«
    Â»Hat Enki dann Sex mit den Pflanzen?«
    Â»Nein, er ißt sie – in gewisser Hinsicht erfährt er damit ihre Geheimnisse.
    Â»Damit hätten wir also das Adam-und-Eva-Motiv.«
    Â»Ninhursag verflucht Enki und sagt: >Bis du tot bist, werde ich dich nicht mehr mit dem »Auge des Lebens« ansehen.< Dann verschwindet sie, und Enki wird schwer krank. Acht seiner Organe werden krank, eines für jede Pflanze. Schließlich wird Ninhursag überredet, wieder zurückzukommen. Sie gebiert acht Gottheiten, eine für jeden kranken Körperteil von Enki, und Enki wird geheilt. Diese Gottheiten bilden das Pantheon von Dilmun; d. h. diese Tat unterbricht den Zyklus des Inzests und erschafft eine neue Rasse männlicher und weiblicher Götter, die sich normal vermehren können.«
    Â»Allmählich verstehe ich, was Lagos mit dem fiebernden Zweijährigen gemeint hat.«
    Â»Alster interpretiert den Myhtos als >Exposition eines logischen Problems: Angenommen, es gab ursprünglich nur einen einzigen Schöpfer, wie kann es dann zu normalen binären geschlechtlichen Beziehungen kommen
    Â»Und da haben wir wieder das Wort >binär<.«
    Â»Sie erinnern sich vielleicht an eine nicht weiter verfolgte Abzweigung unseres Gesprächs an einer früheren Stelle, die uns auf einem anderen Weg an dieselbe Stelle gebracht hätte. Man kann diesen Mythos mit dem sumerischen Schöpfungsmythos vergleichen, in dem Himmel und Erde am Anfang vereint sind, die Welt aber erst durch die Trennung der beiden richtig erschaffen wird. Die meisten Schöpfungsmythen beginnen mit einer >paradoxen Einheit von allem, die entweder als Chaos oder Paradies dargestellt wird<, und die Welt, die wir kennen, beginnt ihre Existenz erst, wenn eine Trennung stattfindet. Ich sollte vielleicht noch darauf hinweisen, daß Enkis ursprünglicher Name En-Kur lautete, Herr von Kur. Kur war der urzeitliche Ozean – das Chaos -, den Enki eroberte.«
    Â»Damit kann sich jeder Hacker identifizieren.«
    Â»Aber Aschera besitzt einen vergleichbaren Hintergrund. Ihr Name im Ugaritischen, >atiratu yammi<, bedeutet, >die auf dem Meer(Drachen) schreitet<.«
    Â»Okay, also waren sowohl Enki als auch Aschera Gestalten, die irgendwann einmal das Chaos besiegt hatten. Und Sie wollen darauf

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