Stadtgeschichten - 03 - Noch mehr Stadtgeschichten
Ann einen schelmischen Blick zu. »Aber das braucht dich im Moment ja nicht zu kümmern, was?«
Mary Ann machte ein finsteres Gesicht. »Warum reibst du mir das dauernd hin?«
Brian zuckte mit den Schultern. »Warum mußt du damit auch so geheimnisvoll tun? Wem soll ich’s denn erzählen, hm? Eine alte, mit Gin abgefüllte Dame aus der feinen Gesellschaft setzt dich auf ihre Gehaltsliste, und du tust so, als würd ich eine Unbedenklichkeitsbescheinigung von der Staatsschutzabteilung brauchen, damit ich auch nur mit dir reden darf.«
»Ach, Brian. Du fängst doch dauernd damit an.«
»Gib mir einen Hinweis, und ich bin sofort ruhig.«
Mary Ann zögerte. »Wenn ich’s dir erzähle …«
Brian strahlte vor Freude über seinen Triumph.
»Wenn ich’s dir erzähle, Brian, dann mußt du mir versprechen, daß du’s niemand weitersagst. Aber wirklich, Brian. Es ist mir verdammt ernst damit.«
Brian setzte ein Pokerface auf und hielt die Hand hoch. »Ich schwöre feierlich. Ein Pakt unter Liebenden!«
»Ich hab’s noch nicht mal Michael erzählt.«
Brian verneigte sich. »Ich fühle mich geehrt.«
»DeDe ist wieder da«, sagte Mary Ann.
»Moment mal …«
Mary Ann nickte. »Mrs. Halcyons Tochter. Die aus Guyana verschwunden ist.«
Brian pfiff durch die Zähne. »Heiliger Strohsack.«
»Sie hat die letzten zweieinhalb Jahre in Kuba gelebt.«
»Was ist mit … wie hieß sie noch … Monas alte Freundin?«
»D’orothea. Die beiden haben zusammengelebt … mit den Zwillingen, die DeDe von dem Botenjungen von Jiffy’s hat. D’orothea ist noch in Kuba. Und DeDe versteckt sich in Hillsborough. Ihre Mutter hat mich angestellt, damit ich mich um die Presse kümmere, sobald DeDe mit der Geschichte an die Öffentlichkeit geht.«
Brian zog die Augenbrauen hoch. »Sobald sie es tut? Es ist Wochen her, daß du in Hillsborough warst. Warum hat sie’s immer noch nicht publik gemacht? Wozu versteckt sie sich?«
»Das krieg ich auch nicht auf die Reihe. Sie behauptet, daß sie erst noch mit ein paar Tempelmitgliedern über was reden muß. Sie will mir noch nicht sagen, worum’s dabei geht.«
Brian grinste boshaft. »Wahrscheinlich ist sie auf der Suche nach einem guten Verlag. Die Hälfte von der Jonestown-Sippe schreibt grade ein Buch.«
Mary Ann schüttelte den Kopf. »Es geht um was sehr viel Ernsteres. Außerdem schreib ich das Buch, sobald die Zeit dafür reif ist.«
»Gut.«
»Ich weiß nur nicht, was ich schreiben werde.«
»Nicht so gut.«
»Wem sagst du das! Aber es fehlt noch was ganz Entscheidendes, Brian … etwas, das sie Tag und Nacht verfolgt. Ich kann’s fast greifen, wenn wir miteinander reden.«
»Was?«
»Keine Ahnung.« Mary Ann fröstelte plötzlich. »Mensch, ich krieg richtig Gänsehaut davon. Ich hab zugesagt, daß ich bis nächste Woche nichts verrate. Aber dann kann ich mit dem Sender verhandeln. Sie hat mir versprochen, daß sie mich informiert, sobald sie rausgefunden hat … na ja, was sie eben rausfinden will.«
»Es hört sich an, als hätte sie Angst vor Gegenbeschuldigungen.«
»Daran hab ich auch gedacht«, sagte Mary Ann, »aber das ergibt keinen rechten Sinn. Wenn schon die anderen Überlebenden auf dem Talkshowkarussell mitfahren, wie du gesagt hast, was hat DeDe dann zu befürchten?«
»Vielleicht spinnt sie ganz einfach.«
»Das glaub ich nicht«, sagte Mary Ann. »Sie ist eine ziemlich gestandene Person.«
»Diese beschränkte Göre …?«
»Sie hat sich sehr verändert, Brian. Das machen wahrscheinlich die Kinder. Sie lebt jetzt für sie. Kann sein, daß sie eine kleine Paranoia hat, was die Sicherheit der beiden angeht, aber nach dem, was sie durchgemacht hat, ist das wohl normal.«
»Vielleicht solltest du ja die Paranoia haben«, sagte Brian.
»Warum?«
»Wie willst du ausschließen, daß andere Reporter was spitzkriegen, bevor du an die Öffentlichkeit gehst?«
Mary Ann zuckte zusammen. »Ja, klar, aber sie ist so vorsichtig, wie’s nur geht. Wenn Besuch kommt, versteckt sie sich jedesmal in einem der Gästezimmer. Und außer Haus geht sie auch kaum.«
»Nur, um andere Tempelmitglieder zu besuchen, hm?«
Sie wußte nur zu gut, was er meinte.
Sie lagen im Bett und sahen sich Tom Snyder an, als das Telefon klingelte.
Mary Ann ging ran. »Ja?«
»Mary Ann … hier ist DeDe.« Ihre Stimme klang dünn und verängstigt. Mary Ann schaute zur Digitaluhr auf der Kommode. Sie zeigte 1:23.
»Hallo«, sagte Mary Ann. »Wie geht’s Ihnen?« Sie nahm an,
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