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Sternenlaeufer

Sternenlaeufer

Titel: Sternenlaeufer Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Melanie Rawn
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und auch nie einen Fuß in den Palast gesetzt hat. Pandsala hatte es verboten, und Ostvel lässt sie auf einhundert Längen nicht heran. Aber sie will die Burg und würde ihr Leben darum geben, sie auch nur einen Tag lang zu besitzen. Für sie ist das Schloss das Symbol für den Herrscher.«
    Mireva nickte langsam. »Nach sechs Wintern in der Schule der Göttin und fünfzehn weiteren, die sie abwechselnd bei ihren verschiedenen Halbschwestern verbrachte, solange die sie gerade ertragen konnten, und nachdem schließlich ihre Geburt öffentlich angezweifelt worden ist, kann ich sie fast verstehen. Es ist hilfreich, Marron. Aber wir können nicht zulassen, dass sie unserem Recht auf die Prinzenmark im Wege steht.«
    »Wir brauchen sie. Wir müssen ihr etwas geben.«
    »Miyon allein ist nicht genug«, murmelte sie. »Er ist hinter der Wüste her, aber ich brauche Chianas Armeen, um die Prinzenmark zu bekommen.«
    »Soll das heißen, du hast dich mit dieser Schlange aus Cunaxa zusammengetan?«, stöhnte er.
    »Erinnere mich später mal daran, dass ich dir davon erzähle.« Sie grinste ihn an und wurde dann wieder ernst. »Die Felsenburg ist also der Schlüssel zu Chianas Herzen. Ich danke dir dafür, Marron.« Sie stand auf und strich ihre Röcke glatt. »Ich treffe dich später draußen vor den Toren. Ich kann es kaum erwarten, die Prinzessin von Meadowlord kennenzulernen.«
    »Ich bin mir nicht sicher, ob ich das arrangieren kann …«
    Ihr Blick und ihre Finger hielten ihn fest. »Wenn du lange genug leben willst, um mit deinem Bruder um die Prinzenmark und die Wüste zu kämpfen, dann würde ich vorschlagen, dass du eine Möglichkeit findest. Eigentlich brauche ich nur Ruval, weißt du.«
    »Und er braucht mich«, erklärte Marron und versuchte seine Furcht zu verbergen.
    Sie lachte nur.
    Der junge Mann achtete darauf, dass seine Schritte fest und gleichmäßig klangen, als er den umzäunten Garten verließ. Als er jedoch in seine Kammer im Schloss zurückgekehrt war, zitterte er. Doch selbst als er allein war, wagte er nicht, schwach zu werden – es war, als könnte er zwei Augenpaare fühlen, das eine stechend und graugrün, das andere strahlend blau, die ihn beobachteten. Und ihm war, als könnte er Gelächter hören, das ihm galt.
    Ein großer Kelch mit Wein und ein bestimmter Gedanke beruhigten ihn. Das Dranath war weniger für sein neuerliches Zutrauen verantwortlich als die Erinnerung daran, dass Mireva ihn nicht bei seiner Beinahelüge ertappt hatte. Es stimmte zwar, dass Ruvals Vater tot war, aber nicht aufgrund einer zehrenden Krankheit, es sei denn, man reihte schleichendes Gift auch in diese Kategorie ein. Marron kannte vielleicht nicht alle Diarmadhi -Verwünschungen, aber er wusste sehr wohl, wie man den Tod in einer Flasche Wein kredenzte.
    »Es ist spät. Ich bin müde.«
    »Ich dachte, ihr Geplapper könnte Eure Hoheit vielleicht erfreuen«, erklärte Marron. Chiana zuckte nur mit den Achseln. »Im Veresch, wo ich aufgewachsen bin, gibt es viele derartige Weiber. Harmlos natürlich, sonst hätte ich sie nicht hierhergebracht. Aber manchmal sind ihre Tricks sehr unterhaltsam.«
    Stirnrunzelnd klopfte die Prinzessin mit den Fingern auf die Armlehne ihres Stuhles. Nach dem, was Marron gehört hatte, war es kein besonders erfolgreicher Abend gewesen. In der kühlen Nachtluft waren immer wieder die Saiten gerissen und hatten der Musik ein frühes Ende gemacht. So war Chiana gezwungen gewesen, mit ihren niedrigen Gästen ein Gespräch zu führen.
    Er wartete auf ihre Entscheidung und spielte den bescheidenen und verängstigten Diener. Endlich zuckte sie erneut mit den Schultern und nickte. »Also schön dann, Mirris. Bring sie zu mir. Warte – ist sie sauber?«
    »Ich habe mir die Freiheit genommen, Hoheit …« Zartfühlend brach er ab.
    »Dann hol sie. Wenn sie mich erheitert, lass ihr anschließend etwas Essen und Geld geben.«
    »Sehr wohl, Hoheit.«
    Er trat aus dem Zimmer. Der weiß-goldene Korridor in seiner kühlen Länge war eine Erholung für seine Augen. Eine Erleichterung nach den Hunderten von verschiedenen Grüntönen in Chianas privaten Räumen, Farben, mit denen sie sich umgab, weil sie glaubte, dass alle Arten und Schattierungen von Grün ihr ständen. Die Diarmadh’im waren Farben gegenüber ebenso empfindlich wie Lichtläufer; die Vermischung von Farben, wie sie weder Wald und Wiese kannten, war für sie ebenso schmerzhaft, als wenn eine Reihe von Flöten gleichzeitig verschiedene

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