Tom Thorne 03 - Die Blumen des Todes
Fahrwasser zu kommen …«
Sie flüsterte so leise, er konnte sie nicht verstehen.
»Kannst du es noch mal sagen, Schatz?«
»Das Aftershave von diesem Polizisten. Zuerst dachte ich, es war das gleiche wie das von Franklin. Ich hatte schon Angst, mir wird schlecht. Es war so stark …«
Sie schrie in dem Moment los, als er sie am Nacken berührte. Sie fuhr herum und schrie lauter und lauter, spritzte alles mit Wasser voll, als sie instinktiv kräftig ausholte und ihm, noch mit der Tasse in der Hand, auf die Nase drosch.
Dann schrie sie wegen dem, was sie angerichtet hatte, und streckte die Hand nach ihm aus. Zusammen sanken sie auf den Linoleumboden, der von Blut und Abspülwasser glitschig war.
Währenddessen erfüllten Knabenstimmen die Küche, sangen von Weihnachten und Schnee.
Viertes Kapitel
Früher, als im Peel Centre Polizeischüler ausgebildet wurden, waren im Becke House die Schlafsäle untergebracht gewesen. Thorne hätte schwören können, dass er, wenn er um eine Ecke bog oder die Tür zu einem Büro aufstieß, gelegentlich noch den Schweiß und das Heimweh riechen konnte …
Kein Wunder also, dass alle im Team 3 ganz aus dem Häuschen waren, als es vor etwa einem Monat hieß, es solle renoviert und zusätzlicher Büroraum geschaffen werden. Was in Wirklichkeit auf nicht mehr hinauslief als auf eine Erhöhung des Budgets für Schreibutensilien, eine Reparatur der Kaffeemaschine und ein weiteres stickiges Bürokabuff, das sich sofort Brigstocke unter den Nagel gerissen hatte. Jetzt lagen drei Büros an dem engen Gang, der zur Einsatzzentrale führte. Brigstocke saß im neuen, während Thorne sich seines mit Yvonne Kitson teilte. Holland und Stone mussten sich mit dem kleinsten der drei begnügen und sich einigen, wer den Papierkorb benutzte und wer den Stuhl mit dem Kissen bekam.
Thorne hasste das Becke House. Es deprimierte ihn regelrecht, raubte ihm jede Energie, bis ihm zu wenig blieb, um es so zu hassen, wie es das verdiente. Er hatte mal jemanden über das Sick-Building-Syndrom witzeln gehört. Was ihn betraf, machte dieses Gebäude die Leute darin nicht krank, es brachte sie um.
Er hatte den Vormittag mit Aktenstudium verbracht. Hatte an seinem revolvergrauen Schreibtisch gesessen, hatte geschwitzt wie ein Schwein und jedes Fitzelchen gelesen, das es über diesen Fall gab. Er hatte den Autopsiebericht gelesen, den forensischen Bericht, seinen eigenen Bericht über den Besuch im Derby-Gefängnis. Er hatte sich Hollands Bericht über die Durchsuchung von Remfrys Haus zu Gemüte geführt, die Befragung der Verwandten von Remfrys Vergewaltigungsopfern sowie die Aussagen einiger Häftlinge, mit denen sich dieser in drei verschiedenen Gefängnissen die Zelle geteilt hatte.
Bereits ein dicker Packen und nur eine Spur. Ein ehemaliger Zellengenosse Remfrys hatte einen Häftling namens Gribbin erwähnt, von dem Remfry erzählt habe, er wäre mit ihm aneinander geraten, als sie beide in Untersuchungshaft in Brixton einsaßen. Gribbin war vier Monate vor Remfry entlassen worden, und er war seinen Bewährungsauflagen nicht nachgekommen. Es war bereits ein Haftbefehl ergangen …
Nachdem Thorne seine Lektüre beendet hatte, verbrachte er einige Zeit damit, sich mit einem leeren Hefter frische Luft zuzufächeln. Er betrachtete die mysteriösen Brandflecken auf den Styroporfliesen an der Decke. Dann las er noch einmal alles von vorne durch.
Als Yvonne Kitson hereinkam, sah er auf, legte seine Unterlagen auf den Schreibtisch und blickte zum offenen Fenster.
»Ich hab mir schon überlegt, ob ich nicht springen soll«, sagte er. »Selbstmord hat was. Und auf dem Weg nach unten bekäme ich wenigstens eine kühlende Brise ab. Was meinen Sie?«
Sie lachte. »Wir sind hier nur im zweiten Stock.« Thorne zuckte mit den Schultern. »Wo steckt der Ventilator?«
»Hat sich Brigstocke geschnappt.«
»Typisch …« Sie nahm auf einem Stuhl an der Wand Platz und griff in eine große Handtasche. Thorne grinste, als sie die vertraute Tupperwarebox herausholte.
»Mittwoch, also ein Thunfischsandwich«, sagte er.
Sie zog den Deckel herunter und nahm ein Sandwich heraus. »Ein Thunfischsalatsandwich, um genau zu sein, Sie Klugschwätzer. Mein Alter hatte heute Morgen einen kleinen Anfall und steckte ein Blatt Salat rein Thorne lehnte sich zurück und fuhr sich mit dem Plastiklineal über den Arm. »Wie machen Sie das eigentlich, Yvonne?«
Sie blickte mit vollem Mund auf. »Was?«
Das Lineal noch immer in der
Weitere Kostenlose Bücher