Träume wie Gold: Roman (German Edition)
völlig falsch eingeschätzt. Vielleicht berührte ihn überhaupt nichts, konnte nichts diese sorgfältig aufgebaute Mauer durchdringen.
Er erledigte ganz einfach seinen Job, setzte die Teile des jeweiligen Puzzles zusammen, die ihm nicht mehr bedeuteten als einen weiteren Schritt hin zur Lösung des Problems.
Sie blieb so lange in der Wanne liegen, bis das Wasser unangenehm kalt wurde. Um den Augenblick herauszögern, Jed ins Gesicht sehen zu müssen, trocknete Dora sich ganz langsam ab und cremte sich dann sorgfältig von Kopf bis Fuß ein. Sie ließ das Handtuch fallen und griff nach ihrem Morgenrock. Nach kurzem Zögern strich sie über den grünen Frotteestoff. Diese Seite von Jed hatte sie bewusst verdrängt, das merkte sie jetzt. Sie erwartete immer zu viel, und war stets gekränkt, wenn diese Erwartungen nicht erfüllt wurden. Aber es war so schwer, sich damit zufrieden zu geben, dachte sie, und knotete energisch den Gürtel fest. So verdammt schwer.
Dora öffnete die Tür. Jed stand am Fenster und starrte hinaus in den Regen. Der für zwei gedeckte Servierwagen wartete bereits auf sie. Jed trank gerade einen Schluck Kaffee, als er sich zu Dora umdrehte.
Sie ins Zimmer kommen zu sehen, traf ihn wie ein Faustschlag auf den Solarplexus. Das heiße Bad hatte ihre Wangen gerötet, ihr Haar, das sie achtlos zu einem Dutt hochgesteckt hatte, schimmerte feucht. Und plötzlich roch das ganze Zimmer nur noch nach ihr.
Er hatte das Licht der Lampen abgeschwächt, nicht der Romantik wegen, sondern weil er dachte, das sanftere Licht würde ihr gut tun. In dieser Beleuchtung wirkte sie sehr zerbrechlich.
Jed musste sich zwingen, seinen Kaffee auszutrinken. »Das Abendessen ist da«, bemerkte er. »Setz dich hin und iss, bevor es kalt wird.«
Seine Augen hatten ihren leeren Ausdruck verloren. Was sie darin sah, war mehr als nur Begehren. Es war das ungezügelte Verlangen nach ihr.
»Du versuchst, es mir leichter zu machen.« Warum hatte sie das nicht schon früher kapiert?
»Ich hab dir nur etwas Treibstoff besorgt.« Er wollte einen Stuhl an den Tisch schieben, aber sie schnitt ihm den Weg ab, schlang die Arme um seinen Nacken und drückte ihr Gesicht an seine Halsbeuge. Sie machte es ihm unmöglich, ihr nicht all die Zärtlichkeit zu geben, zu der er fähig war. Er hielt sie im Arm und sah versonnen den Regentropfen hinterher, die an der Fensterscheibe herunterliefen.
»Ich hatte Angst«, murmelte sie leise.
»Du brauchst keine Angst zu haben.« Sein Griff verstärkte sich kaum merklich, um gleich wieder nachzulassen. »Dir wird nichts geschehen.«
»Ich hatte vor etwas anderem Angst. Ich fürchtete, du könntest nicht hier sein, um mich in den Arm zu nehmen. Oder dass deine Anwesenheit nur Teil des Jobs ist, den du erledigen musst und vor dem du dich nicht elegant drücken kannst.«
»Du redest Unsinn. Ich halte mich nie damit auf, mich vor etwas elegant zu drücken.«
Sie ließ ein kleines Lachen hören, war überrascht, dass ihr das gelang. »Ich weiß. Ja, das weiß ich. Aber ich bin dir zu nahe getreten.« Sie beugte den Kopf zurück, um in seinem Gesicht lesen zu können. »Wollte dich dazu bringen, Dinge zu fühlen, die zu fühlen du dir nicht leisten kannst, wenn du dein gestecktes Ziel erreichen willst. Wollte, dass du Gefühle für mich aufbringst, die du nicht aufbringen willst.«
»Ich weiß nicht, was ich für dich empfinde.«
»Auch das weiß ich.« Sie berührte seine Wange, streichelte über die verspannten Muskeln. »Im Moment willst du mich, und damit sollten wir es gut sein lassen.« Sie gab ihm einen zärtlichen Kuss. »Schlaf mit mir.«
Er spürte, wie sich die Lust in seinem Innern zu regen begann. »Das ist es aber nicht, was du im Augenblick brauchst.«
»Doch, es ist genau das, was ich brauche.« Sie zog ihn zum Bett. »Genau das Richtige.«
Später kuschelte sie sich zufrieden und schläfrig an ihn. Er war so zärtlich gewesen, so geduldig. Und er hatte sich gehen lassen. Auch er hatte alles um sich herum vergessen. Er hatte ihr alles gegeben, worum sie gebeten hatte, und hatte sich alles genommen, was sie ihm hatte geben wollen. Jetzt lauschte sie wohlig entspannt dem Regen.
»Die Steaks sind jetzt bestimmt schon kalt«, meinte Jed. »Aber du musst etwas essen. Als wir hier reinkamen, befürchtete ich schon, du würdest jeden Moment umkippen.«
»Jetzt geht es mir schon wieder viel besser.« Sie lächelte, als er mit ihren Fingern spielte. Solche Dinge tat er jetzt
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