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Und der Herr sei ihnen gnädig

Und der Herr sei ihnen gnädig

Titel: Und der Herr sei ihnen gnädig Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Faye Kellerman
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Schwarzen. Die leben nicht mehr hier. Aber es sind mehr als vier... vielleicht zwölf. Nachts ballern sie im Park herum. Ich passe auf, dass ich ihnen nicht zu nahe komme.«
    »Die Typen, die ich suche, könnten ein Teil dieser Bande sein. Erzählen Sie mir von ihnen.«
    »Sie gehören zu den BBs.«
    Blood Bullets. Ich hatte nicht gewusst, dass sie auch so weit westlich ihr Unwesen trieben. Anscheinend eine neuere Entwicklung. »Ich kenne einen von den Jungen. Sie nennen ihn Hermano.«
    » >Hermano< bedeutet >Bruder< auf Spanisch, Alice Anne. Vielleicht ist das bloß eine kumpelhafte Anrede.« Sie starrte mich fragend an.
    »>Hermano< ist nicht unbedingt ein Name, Alice Anne.« »Vielleicht war es auch Hermando.«
    Der englische Name Herman. Die spanische Version lautete Germando, wobei das G wie ein weiches, kehliges H ausgesprochen wurde. Das war nicht viel, aber immerhin ein Anfang. »Danke.«
    »Er hat eine« - sie verzog das Gesicht - »eine große Tigertätowierung am Hals. Der Tiger hat das Maul aufgerissen... man sieht die Zähne. Es ist nicht zu übersehen.« »Gut.« Ich nickte. »Das ist sehr gut, Alice Anne. Sonst noch was?«
    Sie nickte hektisch. »Ich habe ihn in letzter Zeit öfter gesehen.« »Wo? Im MacFerren Park?«
    »Im Park, ja, aber auch im Cafe. Spätabends. Manchmal um zwölf, manchmal um eins. Oder sogar noch später. Ich sehe ihn, weil ich dort den Müll durchwühle. Sie haben rund um die Uhr auf und deswegen immer frischen Müll.«
    »Verstehe. Welches Cafe meinen Sie?«
    »Boss's.«
    »Boss's... das ist ungefähr fünf Häuserblöcke vom Park entfernt, oder?«
    »Genau. Da habe ich Germando gesehen. Schon oft. Er mag die Bananenpfannkuchen.«

26
    Jemand schlug mich auf den Kopf, verwandelte mein Gehirn in Brei. Voller Entsetzen sah ich das blutige Gewebe durch die Luft fliegen und auf den Boden spritzen, aber das Schlagen hörte deswegen nicht auf. Es dauerte mehrere Minuten, bis es mir gelang, den schrecklichen Albtraum als ein Geräusch zu erkennen... und ich begriff, dass jemand an meine Tür klopfte. Ich schlug die Augen auf. Mein Herz raste, außerdem bibberte ich vor Kälte. Mein ganzer Körper war klatschnass. Ich wusste, dass ich mit Hayley Marx zum Frühstück verabredet war, und fragte mich, ob ich vielleicht verschlafen hatte und sie schon vor der Tür stand, aber ein Blick auf meinen Wecker sagte mir, dass noch eine halbe Stunde Zeit war. Normalerweise wäre ich wütend darüber gewesen, zu früh geweckt zu werden, aber jetzt empfand ich es als große Erleichterung, aus dem schlimmen Traum gerissen worden zu sein.
    Wir bei der Polizei nennen dieses Phänomen »Straßenträume«, und es ist ganz normal, dass man in der Anfangszeit davon geplagt wird. Medizinstudenten träumten im ersten Jahr davon, an Ebola zu verbluten, junge Anwälte davon, in Unterwäsche vor Gericht zu erscheinen. Soweit ich wusste, träumten nur Polizisten davon, den Kopf weggeblasen zu bekommen. Mit einem Kloß im Magen stand ich auf und warf mir den Bademantel über.
    Dann fiel mir ein, dass es Koby sein könnte, und für diesen unwahrscheinlichen Fall vertauschte ich den Frotteemantel mit einem aus Seide. Ich warf einen raschen Blick in den Spiegel, putzte mir schnell die Zähne und spülte mir den Mund mit einem desinfizierenden Mittel. Obwohl ich immer noch sauer auf ihn war, wollte ich einigermaßen aussehen und gut riechen.
    Ich spähte durch den Spion.
    Es war Oliver.
    Bemüht, mir meine Enttäuschung nicht anmerken zu lassen, öffnete ich die Tür. Er trug einen blauen Anzug, ein weißes Hemd und eine goldfarbene Krawatte. Außerdem war er frisch rasiert und roch sehr gut - nach einem herben Duft, der nichts von der widerwärtigen Süße der meisten Herrenparfüms besaß. Sein mit Silber durchsetztes schwarzes Haar war nach hinten gegelt, nur eine einzelne, widerspenstige Strähne fiel ihm in die Stirn. »Ich treffe mich mit Hayley Marx zum Frühstück, Scott.«
    »Es dauert nur eine Minute.«
    Zögernd ließ ich ihn eintreten. Er blickte sich in meinem Wohnzimmer um, als hätte er es noch nie gesehen, was natürlich nicht stimmte. Allerdings wirkte es inzwischen viel kahler. Ich hatte alle meine persönlichen Sachen entfernt, weil ich eigentlich vorgehabt hatte, mir etwas Neues zu suchen, auch wenn ich es bis jetzt noch nicht geschafft hatte. Die Atmosphäre im Raum war ungefähr so gemütlich wie in einem Motel.
    »Ziehst du gerade um?«
    »Nein.«
    »Seit wann stehst du auf diesen

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