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Vergeben, nicht vergessen

Titel: Vergeben, nicht vergessen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Catherine Coulter
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kommen, weiß nur der Herrgott allein, was passieren wird.«
    »Das ist nicht zu ändern«, erwiderte Ramsey. »Meiner Ansicht nach sollten wir mit dir anfangen, Molly. Detektiv O’Connor will die ganze Geschichte hören. Wer auch immer Louey Santera in die Luft gesprengt hat, hatte eigentlich uns drei damit treffen wollen.«
    »Ja«, erwiderte sie. Ihre Stimme war nur noch ein Flüstern. Sie trank noch etwas Brandy, dann stellte sie das leere Glas auf den Tisch zurück und räusperte sich. »Es fing alles mit Emmas Entführung an. Mein Gott, Ramsey, das ist erst dreieinhalb Wochen her.«
    »Ist Emma aus Ihrem Haus entführt worden, Frau Santera?«
    »Nein, aus einem kleinen Park unmittelbar hinter unserem Haus. Ich hatte dort fotografiert.« Sie hielt abrupt inne. Ihre Hände lagen in ihrem Schoß gefaltet, ihre Knochen stachen weiß hervor.
    Ramsey bemerkte mit schneidender Stimme: »Es ist nicht deine Schuld, Molly. Erzähl Detektiv O’Connor einfach nur, was vorgefallen ist.«
    In diesem Moment ging die Tür auf.
    Sonderagent Dillon Savich und Sonderagent Lacey Sherlock Savich, beide vom FBI, traten ins Zimmer.
    Savich sagte: »Hallo, Ramsey. Ich bin über die Maßen froh, dich heil und in einem Stück wieder zu sehen. Die Sache hat sich ja wirklich zugespitzt. Wir haben von der Explosion auf der Fahrt hierher gehört. Du erinnerst dich doch noch an Sherlock, nicht wahr? Alle erinnern sich an Sherlock.«
    Dillon Savich warf Riley O’Connor ein Lächeln zu und streckte die Hand aus. »Wir sind vom FBI, aber machen Sie sich keine Sorgen. Wir wollen Ihnen keinerlei Vorschriften machen. Wir sind Freunde von Richter Hunt und möchten lediglich behilflich sein.«
    Dr. Loo betrachtete Emmas neues Klavier, das sie gerade erst ausgepackt hatte. Sie drückte auf ein paar Tasten und lächelte. »Kannst du >Twinkle, Twinkle, Little Star< spielen?«
    »Ja, das kann ich, Dr. Loo. Es ist aber schon eine Weile her.«
    Ramsey lächelte Emma zu. »Warum spielst du nicht das Thema mit ein paar Variationen, Emma?«
    Emma lächelte kurz, dann betrachtete sie ihr neues Klavier. Die Oberfläche glänzte so sehr, dass sie ihr Gesicht darin gespiegelt sah. Sie schluckte, dann legte sie einen Finger auf die Taste F. Langsam wandte sie sich Dr. Loo zu. »Tut mir Leid, aber ich kann das jetzt nicht spielen. Es ist irgendwie nicht richtig. Mein altes Klavier ist gerade gestorben.«
    Ramsey schnürte sich die Kehle zusammen. Verdammte Scheiße. Er war schneller als Molly, hob Emma in seine Arme und presste sie an sich. »Da hast du Recht, Liebling. Du musst dein altes Klavier erst eine Weile lang betrauern. Dr. Loo kann dich dann beim nächsten Mal spielen hören.«
    Dr. Loo, die von Molly über den Vorfall genau informiert worden war, hatte Emma gegenüber den gewaltsamen Tod ihres Vaters nicht erwähnt. Vielmehr sagte sie: »Mason Lord hat einen Künstler vorbeigeschickt, Emma. Würdest du ihm beschreiben, wie der Mann ausgesehen hat, der dich entführt hat? Derselbe Mann, den du auch bei deinem Opa im Haus am Schlafzimmerfenster gesehen hast? Kannst du das tun?«
    Emma machte einen besorgten Eindruck, dann nickte sie bedächtig. »Ich kann es versuchen, Dr. Loo.«
    Ein älterer Mann mit Glatze wurde von der Empfangsdame ins Zimmer geführt. Sein Name war Raymond Block, und er hatte seit siebenundzwanzig Jahren für die Polizei als Zeichner gearbeitet. »Machen Sie sich keine Sorgen«, wandte er sich an die Runde. »Ich habe bereits häufig mit Kindern gearbeitet.« Dann setzte er sich neben Emma und schlug seinen Zeichenblock auf.
    »Bist du so weit, Emma? Oh, warten Sie noch eine Sekunde, Herr Block. Ich muss mich kurz in meinem Gips kratzen.«
    Dr. Loo ging nicht von ihrer Seite, bis es alles fertig war. Herr Block brauchte eine Dreiviertelstunde, um zu zeichnen, wieder wegzuradieren, zu verbreitern, zu verlängen, wieder zu zeichnen, wieder zu radieren. Schließlich sagte Emma: »Das ist er.«
    Herr Block drehte die Zeichnung so, dass Dr. Loo, Ramsey und Molly sie sehen konnten.
    »O mein Gott«, sagte Molly und starrte die ausgefeilte Zeichnung an. »Bist du dir sicher, dass das der Mann ist, den du am Fenster gesehen hast, Emma? Der Mann, der dich entführt hat?«
    »Ja, er war es, der mich weggenommen hat. Und dann ist er wieder gekommen und hat mich durch die Fensterscheibe hindurch angegrinst.«
    Ramsey schüttelte lediglich den Kopf von einer Seite zur anderen und bemühte sich, das merkwürdige Verlangen zu unterdrücken,

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