Wanderungen durch die Mark Brandenburg
Der Verlust des Christenheeres betrug 7300 Mann, darunter 1000 Brandenburger.
Der Sieg bei Slankamen, seiner allgemeinen Bedeutung zu geschweigen, war auch von einer sonderlichen Bedeutung für das Haus Brandenburg. Markgraf Ludwig schrieb an den Kurfürsten und drückte sich über die Mitwirkung der brandenburgischen Hilfsvölker in folgenden Worten aus: »Ich kann Euer Kurfürstlichen Durchlaucht den außerordentlichen Valor und das gute Benehmen von Dero Generallieutenant Barfus so wie Ihrer braven Truppen nicht genug rühmen und ihnen allein hat der Kaiser den Sieg und die Vernichtung der Türken zu danken.«
Eine ähnliche komplimentenreiche Sprache war zwar damals an der Tagesordnung und verfolgte den leicht begreiflichen Zweck, durch freigebig gespendetes Lob die verschiedenen Reichsfürsten und ihre Truppenbefehlshaber bei guter Laune zu erhalten. Im vorliegenden Fall indes drückten diese Worte mehr als ein bloßes Kompliment und in der Tat eine wohlverdiente Anerkennung aus. Dies ergibt sich zum Teil aus der Schlachtbeschreibung selbst, am meisten aber aus der nachfolgenden, überaus gnädigen Haltung des Wiener Hofes. Brandenburg, als es nach der Königswürde zu streben begann, verabsäumte nicht auf seine siegreiche Mitwirkung am Tage von Slankamen immer wieder und wieder zurückzukommen, und so mögen denn die Barfuse nicht ganz unrecht haben, wenn sie später noch den stolzen Ausspruch wagten: »ihr Ahnherr, Hans Albrecht, habe, auf dem Felde von Slankamen, die preußische Königskrone mit erobern helfen«.
Im Jahre 1692 kehrte Barfus mit seinem Hilfskorps nach Berlin zurück. Hier häuften sich jetzt die Ehren auf seinem Haupt. Ohne hofmännische Schulung, ja vielleicht selbst ohne den Ehrgeiz sie haben zu wollen, trat er nichtsdestoweniger in das Parteigetriebe des Hofes ein. Was eigenes Verdienst ihm nicht erwarb, erwarb ihm die Koterie, der er angehörte. »Eine Hand wusch die andere«, wie nicht zum zweiten Male in unserer Geschichte. Er hielt sich von Anfang an zur »Fraktion Dohna-Dönhoff« und es gereicht ihm zur Ehre, in einer Zeit voll zynisch-egoistischen Undanks, in Treue bei der einmal erwählten Partei ausgehalten zu haben. Es kam freilich hinzu, daß er seit 1693 mit Gräfin Eleonore von Dönhoff vermählt und dadurch an die Interessen dieser Familie gefesselt war. 1695, ohne daß inzwischen neue Kriegstaten ihm neuen Kriegsruhm erworben hätten ward er Feldmarschall-Leutnant und das Jahr darauf Feldmarschall. Wie sein Rang und sein Ansehen, so wuchs sein Vermögen. Er erstand die Quittaineschen Güter in Ostpreußen, die bis dahin dem Feldmarschall Derfflinger gehört hatten, und endlich auch »Schloß Kossenblatt an der Spree«, seinen Lieblingsbesitz, von dem wir in dem nächsten Kapitel ausführlicher zu sprechen haben werden.
Aber erst das Jahr 1697 bezeichnet den Höhepunkt seines Ruhms. Im November dieses Jahres ward Eberhard von Danckelmann, der bis dahin allmächtig geglaubte Minister, durch die Dohna-Dönhoffsche Fraktion gestürzt und unserem Hans Albrecht fiel der Gewinn eines Spieles zu, daran sein persönlicher Einsatz, aller Wahrscheinlichkeit nach, ein nur geringer gewesen war. Seine Hand war zu schwer zur Einfädelung einer Intrige. Er gab das Gewicht seines Namens her und ließ dann die andern machen.
Danckelmann war gestürzt und Barfus übernahm die Leitung der Geschäfte. War es doch eine Zeit, in der sich jeder zu jedem fähig glaubte, wenigstens bei Hofe. Das bekannte Wort Oxenstiernas wurde wahr an jedem neuen Tag und was als das Erstaunlichste gelten mag: die Dinge gingen auch so, gingen zum Teil sogar gut.
Barfus war Premierminister, noch richtiger Universalminister. Er war alles, er tat alles. Auswärtiges, Finanzen, Krieg – jegliches fiel ihm zu. Dazu war er Gouverneur von Berlin, Kommandeur der Garde, Landeshauptmann der Grafschaft Ruppin, und so viel Stellen sich ihm auftaten, so viel Quellen flossen in seinen Schatz. Er wurde sehr reich. Als Gouverneur von Berlin bezog er ein palastartiges Gebäude, das vor ihm der Obermarschall von Grumbkow (der Vater des bekannten) besessen hatte. Barfus ließ es umbauen, erweitern und einen Garten nach der Spree hin anlegen. Es ist dies dasselbe Gebäude, das wir jetzt als »Stadtvogtei« kennen und das, als solches, eine so hervorragende, wenn auch freilich wenig poetische Rolle in unserer Stadt- und Staatsgeschichte gespielt hat.
Hans Albrecht war Universalminister, aber er war es nur durch Zulassung und
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