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Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (German Edition)

Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (German Edition)

Titel: Warum Nationen scheitern: Die Ursprünge von Macht, Wohlstand und Armut (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Daron Acemoglu , James A. Robinson
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Fortschritt blockieren und die Stagnation der Wirtschaft bewirken.
    Die Erklärung, warum die Mächtigen nicht unbedingt Wirtschaftsinstitutionen einrichten wollen, die dem ökonomischen Erfolg dienen, lässt sich ebenso auf die Wahl politischer Institutionen anwenden. In einem absolutistischen Regime vermögen die Herrschenden ihre Macht zu nutzen, um die von ihnen bevorzugten Wirtschaftsinstitutionen zu gründen. Können sie ein Interesse daran haben, die politischen Institutionen zu ändern und sie pluralistischer zu gestalten? Im Allgemeinen nicht, denn dadurch würde sich ihre politische Macht verringern, und es könnte schwierig, wenn nicht unmöglich, für sie werden, die Wirtschaftsinstitutionen ihren eigenen Interessen gemäß zu gestalten. Hier haben wir es wieder mit einer offenkundigen Konfliktquelle zu tun. Die Menschen, die unter extraktiven Wirtschaftsinstitutionen leiden, können nicht darauf hoffen, dass absolutistische Herrscher die politischen Institutionen und das Umverteilungsverfahren in der Gesellschaft freiwillig ändern. Der einzige Weg zum Wandel der politischen Institutionen besteht darin, dass man die Machthaber zwingt, ein pluralistischeres System zu schaffen.
    Wie es keinen Grund dafür gibt, dass politische Institutionen automatisch pluralistisch werden, so existiert auch kein natürlicher Hang zur politischen Zentralisierung. Gewiss bestehen in jeder Gesellschaft Anreize, stärker zentralisierte Staatsinstitutionen aufzubauen, besonders in Ländern ohne jegliche Spur davon. Wenn zum Beispiel in Somalia ein Clan einen zentralisierten Staat gründen und im Land Ordnung schaffen würde, könnte dies von wirtschaftlichem Nutzen sein und den Clan bereichern. Warum ist das nicht der Fall? Das Haupthindernis für die politische Zentralisierung ist wieder eine Form der Angst vor dem Wandel: Jeder Clan, jede Gruppe und jeder Politiker, die versuchen, die Macht im Staat zu zentralisieren, werden auch selbst an Macht gewinnen, was den Zorn anderer Clans, Gruppen und Individuen weckt. Das Fehlen einer politischen Zentralisierung bewirkt nicht nur das Fehlen von Recht und Ordnung auf einem großen Teil des Territoriums, sondern hat auch zur Folge, dass es viele Akteure gibt, die genug Macht besitzen, um Pläne zu blockieren oder zu durchkreuzen. Die Furcht vor ihrem Widerstand und ihrer gewalttätigen Reaktion schreckt potentielle Zentralisierer häufig ab. Eine Zentralisierung wird nur dann wahrscheinlich, wenn eine Gruppe hinreichend mehr Macht hat als andere, um einen Staat aufzubauen. Doch in Somalia ist die Macht gleichmäßig verteilt, und kein Clan kann einem anderen seinen Willen aufzwingen. Deshalb bleibt die politische Dezentralisierung dort bestehen.

Die lange Agonie des Kongo
    Es gibt kaum bessere – oder deprimierendere – Beispiele als den Kongo, um die Kräfte zu veranschaulichen, die bewirken, dass wirtschaftlicher Wohlstand unter extraktiven Institutionen so durchgehend selten ist, oder um die Synergie zwischen extraktiven wirtschaftlichen und extraktiven politischen Institutionen zu illustrieren. Bereits im 15. und 16. Jahrhundert äußerten sich portugiesische und niederländische Reisende über die »elende Armut« des Landes. Dessen Entwicklung war nach europäischen Maßstäben rudimentär, denn die Kongolesen besaßen weder eine Schrift noch das Rad, noch den Pflug. Der Grund für diese Armut und der Widerwille der kongolesischen Bauern, sich effizienteren Möglichkeiten des Landbaus zuzuwenden, gehen aus den überlieferten historischen Quellen hervor. Sie zeigen die entscheidende Bedeutung der extraktiven Wirtschaftsinstitutionen des Landes auf.
    Wie erwähnt, wurde das Reich vom König in Mbanza, später São Salvador, regiert. Die Gebiete außerhalb der Hauptstadt beherrschte eine Elite, deren Mitglieder Gouverneursämter ausübten. Ihr Vermögen beruhte auf von Sklaven bestellten Plantagen um São Salvador und der Einziehung von Steuern im übrigen Land. Die Sklaverei stand im Mittelpunkt der Wirtschaft und wurde nicht nur von der Elite auf ihren eigenen Plantagen, sondern auch von Europäern an der Küste genutzt. Die Steuern waren willkürlich – eine wurde sogar jedes Mal erhoben, wenn das Barett des Königs hinunterfiel.
    Um wohlhabender zu werden, hätte das kongolesische Volk sparen und investieren müssen, zum Beispiel in den Kauf von Pflügen. Aber dies hätte sich nicht gelohnt, denn jeder zusätzliche Ertrag, den man mit Hilfe besserer Gerätschaften

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