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Was aus den Menschen wurde: Meisterwerke der Science Fiction - Mit einem Vorwort von John J. Pierce (German Edition)

Was aus den Menschen wurde: Meisterwerke der Science Fiction - Mit einem Vorwort von John J. Pierce (German Edition)

Titel: Was aus den Menschen wurde: Meisterwerke der Science Fiction - Mit einem Vorwort von John J. Pierce (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Cordwainer Smith
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aber die unversehrte Hälfte seines Gesichtes verriet nicht, ob ihr Schlag ihm ebenfalls Schmerzen zugefügt hatte. Sie verriet lediglich Stärke, Wachsamkeit und eine Erwartung, die gänzlich unangebracht war.
    Schließlich antwortete er ihr, und es war, als ob er die Wunder seiner eigenen Seele durchforschte.
    »Ich werde tun, wonach es mich verlangt. Wonach es mich verlangt! Hast du mich verstanden?«
    »Warum bittest du uns nicht einfach darum?«, stieß sie hervor. »Trece und ich werden alles tun, was du willst. Wir sind ganz allein auf diesem kleinen Schiff, Millionen von Meilen draußen im Nichts. Warum sollten wir nicht deine Bitten erfüllen? Binde ihn los. Lass uns über alles reden. Wir werden tun, was du willst. Alles. Auch du hast Rechte.«
    Sein Gelächter war eher das Kreischen eines Verrückten.
    Er schob sein Gesicht ganz nahe an ihres heran und sprach so heftig, dass sein Speichel ihr Wange und Ohr benetzte.
    »Ich will keine Rechte!«, rief er ihr zu. »Ich will nicht das, was mir zusteht. Ich will nicht das Richtige tun. Glaubst du, ich habe euch beide nicht gehört, Nacht für Nacht, eure leisen Liebeslaute, sobald es dunkel in der Kabine wurde? Warum, meinst du, habe ich die Würfel aus dem Schiff geworfen? Warum, meinst du, verlangt es mich nach Macht?«
    »Ich weiß es nicht«, gestand sie traurig und sanft. Sie hatte die Hoffnung noch nicht aufgegeben. Solange er redete, war es möglich, dass sich seine Gedanken klärten und er wieder vernünftig wurde. Sie hatte von Robotern gehört, deren Schaltkreise durchgebrannt waren, so dass sie von anderen Robotern zur Strecke gebracht werden mussten. Aber nie hatte sie geglaubt, dass Derartiges auch Menschen zustoßen konnte.
    Talatashar stöhnte. Die ganze Geschichte der Menschheit lag in seinem Stöhnen – der Zorn über das Leben, das so viel versprach und so wenig hielt, und die Verzweiflung über die Zeit, die den Menschen überlistete, während sie ihn formte. Er lehnte sich in der Luft zurück und sank hinunter auf den Kabinenboden, dessen magnetischer Belag die feinen Eisenfäden in ihrer Kleidung anzog.
    »Du glaubst, er wird darüber hinwegkommen, nicht wahr?«, fragte er und meinte damit sich selbst.
    Sie nickte.
    »Du glaubst, er wird vernünftig werden und uns beide in Ruhe lassen, nicht wahr?«
    Sie nickte erneut.
    »Du denkst dir – dieser Talatashar, er wird wieder in Ordnung kommen, wenn wir Wereld Schemering erreichen, und die Ärzte werden sein Gesicht richten, und wir werden dann wieder glücklich sein. Das denkst du doch, nicht wahr?«
    Sie nickte. Hinter ihr stieß Trece trotz seines Knebels ein lautes Ächzen aus, aber sie wagte nicht, ihren Blick von Talatashar und seinem entstellten, Angst einflößenden Gesicht zu wenden.
    »Nun, so wird es aber nicht sein, Veesey«, fuhr er fort. Die Endgültigkeit im Klang seiner Stimme war fast sanft. »Denn du wirst nicht dorthin gelangen. Ich werde tun, was ich tun muss. Ich werde dir Dinge antun, die nie zuvor im All geschehen sind, und dann werde ich deinen Leichnam durch die Abfallklappe werfen. Und ich werde Trece bei alldem zuschauen lassen, bevor ich auch ihn töte. Und dann – weißt du, was ich dann tun werde?«
    Ein merkwürdiges Gefühl – wahrscheinlich war es Furcht – begann ihr die Kehle zuzuschnüren. Ihr Mund war trocken geworden. »Nein, ich weiß nicht, was du dann tun wirst …«
    Talatashar sah aus, als ob er in sich hineinlauschte. »Ich weiß es auch nicht«, sagte er, »ich weiß nur, dass ich es in Wirklichkeit gar nicht möchte. Ich möchte es tatsächlich nicht. Es ist grausam und schmutzig, und wenn ich damit fertig bin, wird keiner von euch beiden mehr da sein, und ich werde nicht mehr mit euch sprechen können. Aber ich muss es tun. Auf eine sonderbare Art ist es gerecht. Du musst sterben, weil du schlecht bist. Und ich bin ebenfalls schlecht. Aber wenn du stirbst, werde ich nicht mehr so schlecht sein.« Er sah sie offen an und schien in diesem Moment fast normal zu sein. »Weißt du überhaupt, wovon ich spreche? Begreifst du auch nur ein bisschen davon?«
    »Nein. Nein. Nein«, stammelte Veesey.
    Talatashar sah nicht mehr ihr, sondern seinem unsichtbaren Verbrechen ins Gesicht, das er bald begehen würde, und fast glücklich erklärte er: »Du musst es aber verstehen. Du bist es, die deswegen sterben wird, und dann er. Vor langer Zeit hast du mir ein Leid zugefügt, ein gemeines, unverzeihliches Leid. Es war nicht dein Selbst, das jetzt vor

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