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Wehrlos: Thriller

Wehrlos: Thriller

Titel: Wehrlos: Thriller Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elena Sender
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Sofie, »es ist total nett von dir anzunehmen!«
    »Bleib doch heute Abend zum Essen bei uns«, meinte Jesper.
    »Leider habe ich noch sehr viel zu tun. Morgen oder an einem anderen Tag mit Vergnügen, wenn ihr wollt.«

KAPITEL NEUN
    Um einundzwanzig Uhr räumte Rachel den Tisch ab. Sacha hatte mit Genuss den im Ofen gegarten Lachs gegessen. Etwas trocken, aber mit der Crème fraîche durchaus genießbar. Die grünen Bohnen hatte er jedoch verschmäht, sich über die in der Mikrowelle aufgewärmten Bratkartoffeln hergemacht und nicht eine einzige auf seinem Teller übrig gelassen. Genauso wenig wie sein Stück Käse und den Schokoladenkuchen. Während sie den Tisch mit einem Schwamm abwischte, dachte Rachel, dass sie sich bei diesem ersten Versuch ganz gut aus der Affäre gezogen hatte. Das nächste Mal würde sie sich an ein komplizierteres Gericht wagen, ein Gratin oder ein französisches Rezept aus ihrer Kinderzeit – beispielsweise ein Kalbsfrikassee, wie meine Mutter es gemacht hat . Dieser Gedanke brachte sie aus dem Gleichgewicht. Das erste Mal seit Sachas Geburt hatte sie, wenn auch nur in Gedanken, die Formulierung »wie meine Mutter« benutzt. Das war verwirrend.
    Sie hatte inzwischen die Küche fertig aufgeräumt und hätte sich gerne ein Glas Aquavit genehmigt, das ihr eine sanfte Entspannung verschaffen und den lastenden Kummer mildern würde. Die Erinnerung an ihren Brummschädel hielt sie jedoch davon ab. So wirst du deine Sorgen nicht los . Wie hatte Christa das gemacht? Sie hatte gebetet und Kitschromane gelesen. Rachel holte das Buch Der Traum vom Glück aus der Tasche, das sie bei ihrer Schwiegermutter mitgenommen hatte. Auf dem lachsfarbenen Einband war eine blonde, schlicht gekleidete junge Frau zu sehen, die von einem braunhaarigen jungen Mann mit breiten Schultern umarmt wurde. Zweifelnd betrachtete sie die beiden Turteltäubchen und legte das Buch auf die Theke ihrer Küche, ein zugleich kurioser und beruhigender Gegenstand, denn, wie Christa zu sagen pflegte, »wenn du dich in ein solches Buch vertiefst, weißt du, dass dir nichts passieren kann«.
    Nun, da die Küche aufgeräumt war, stellte sie fest, dass der Wohnraum wieder einmal Sachas Zusatzzimmer geworden war. Rachel empfand das Bedürfnis, ihre Wohnung in Ordnung zu bringen. Sie sammelte das auf dem Boden verstreute Spielzeug, die Plüschtiere und Bücher ein und packte den ganzen Plunder in eine große Plastikkiste auf Rollen, die rasch voll war. Dann schob sie diese in Sachas Zimmer. Ein leichtes Schnarchen war unter der Bettdecke zu hören. Rachel lauschte ihrem schlafenden Sohn einige Sekunden und passte ihre Atmung der seinen an, um so zur Ruhe zu kommen. Das Läuten der Türglocke ließ sie zusammenfahren. Ihr Herz begann heftig zu schlagen. Sie erwartete niemanden.
    Leise schloss sie Sachas Zimmertür und ging zur Tür.
    »Wer ist da?«, fragte sie.
    »Niels.«

KAPITEL ZEHN
    Rachel war wie vom Schlag getroffen. Das musste ja irgendwann kommen, aber doch nicht jetzt, nicht sofort! Sie hatte nicht einmal Gelegenheit gehabt, mit Sacha darüber zu sprechen. Die Versuchung, nicht aufzumachen, war groß. Sie konnte dem Vater ihres Sohnes sagen, er habe sich telefonisch nicht angekündigt und solle deshalb morgen wiederkommen. Sie würde jedoch die ganze Nacht kein Auge zutun, sondern ständig an den bevorstehenden Besuch denken müssen, den sie fürchtete. Besser es gleich hinter sich bringen. Unvermittelt öffnete sie die Tür und stand dem Phantom gegenüber, das sie seit vier Jahren zu vergessen suchte. Breitschultrig füllte Niels den Türrahmen aus. Unter dem schwarzen Kapuzensweatshirt mit dem Totenkopf der Sea Shepherd erahnte man seinen kräftigen Oberkörper und seine muskulösen Arme. Haare und Bart waren üppig, die hellblauen Augen lebhaft. Schweigend schauten sie sich an.
    Genau in diesem Moment trat ihre Nachbarin Sofie auf den Gang. »Alles in Ordnung, Rachel?«, fragte sie angesichts der verstörten Miene ihrer Freundin argwöhnisch.
    Rachel fand die Sprache wieder. »Ja, ja, alles in Ordnung. Darf ich dir Niels vorstellen?«
    Den Vater von Sacha , hätte sie hinzufügen können, aber sie brachte die Worte nicht über die Lippen. Es war ohnehin überflüssig. Sofie wusste sehr gut, wer Niels war. Sie hatten diese Geschichte mehr als einmal gemeinsam durchgekaut.
    Sofies Blick wurde unmerklich härter. Kühl begrüßte sie den Seemann. »Gut, dann bis morgen. Bringst du uns den Kleinen gegen zehn

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