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Wehrlos: Thriller

Wehrlos: Thriller

Titel: Wehrlos: Thriller Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elena Sender
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trotzdem verdammt weh.
    Kirsten verjagte diese störenden Gedanken und sagte sich, dass es ihr allein ohnehin besser ging. Und was die Kinder betraf, so hatte sie jeden Monat rund zehn zu betreuen, die auf sie zählten. Unter anderem den kleinen Sacha. Ein quicklebendiges Kerlchen, das lediglich seine Behinderung vergessen und wie andere Kinder leben wollte. Seine Mutter war ängstlich und wenig selbstsicher. Der Bursche brauchte ihre Behandlung. Nur das zählte.
    An ihn dachte sie, als sie das Sprechzimmer von Hansen betrat. Der grauhaarige Professor war in seine Lektüre vertieft, wahrscheinlich saß er seit dem Morgengrauen an seinem Schreibtisch. Er kam als Erster in die Abteilung und verließ sie als Letzter. Er erhob sich, ging um den Bürotisch herum und setzte sich, wobei er Kirsten mit einem Handzeichen aufforderte, im Sessel ihm gegenüber Platz zu nehmen.
    »Kirsten, Sie sind eine der besten Physiotherapeuten der Klinik«, begann er ohne Umschweife.
    Kirsten senkte stumm den Blick, das Kompliment überraschte sie.
    »Sind Sie immer noch nicht an einer festen Anstellung im Riget interessiert?«
    »Nein, ich liebe meine Unabhängigkeit.«
    »Das habe ich befürchtet, aber ich habe mein Glück versucht. Ich werde es sicher erneut probieren. Gut, wie geht die Arbeit mit dem kleinen Sacha Karlsen voran?«
    Kirsten erwiderte lebhaft: »Die Fortschritte sind beeindruckend. Ich habe noch nie bei einer Spina bifida eine solche Besserung gesehen.«
    Hansen presste die Lippen zusammen.« Das ist perfekt. Genau deshalb habe ich Sie auch hergebeten. Ich möchte, dass Sie das Programm noch intensivieren.«
    »Noch mehr? Wir sind bereits bei fünf Behandlungen pro Woche.«
    »Ja. Wie ich Ihnen bereits sagte, sind Sie die Beste, und ich zähle darauf, dass Sie im kommenden Monat Wunder vollbringen. Sie arbeiten ab sofort auch am Wochenende mit ihm.«
    »Okay.«
    »Bitten Sie jemanden aus dem Team, Sie an Ihren freien Tagen zu vertreten. Ich lasse Ihnen bei der Organisation freie Hand.«
    »Okay.«
    »Und ab sofort bitte ich Sie, mir über jede Behandlung einen detaillierten Bericht zukommen zu lassen, in dem die Entwicklung jeder einzelnen Muskelgruppe aufgeführt ist.«
    »Okay.«
    »Wie geht es mit der Mutter?«
    »Die Eltern sind nicht so mein Ding, wissen Sie«, gab Kirsten zu. »Sie ist sehr nervös und defensiv, aber sie ist kooperativ und zu allem bereit, damit es ihrem Sohn besser geht.«
    »Der Tod ihrer Schwiegermutter ist eine Tragödie.« Hansen seufzte.
    »Ja, das ist wirklich bedauerlich.«
    »Ich hatte ihr eine klinische Studie vorgeschlagen, bevor Christa Kohler gestorben ist. Sie hat mir bisher keine Antwort gegeben. Hat sie das Ihnen gegenüber angesprochen?«
    »Nein.«
    »Könnten Sie bitte mit ihr darüber reden und sie vielleicht sogar überzeugen?«
    Kirsten hob die Augenbrauen. »Warum ich? Damit habe ich nichts zu tun.«
    »Ich weiß, aber ich bitte Sie in Sachas Interesse darum.«
    »Es ist ohnehin nicht sicher, dass es Ihnen gelingen wird. Sie ist medikamentösen Behandlungen gegenüber sehr ablehnend.«
    »Das weiß ich. Genau deshalb brauche ich Sie, da Sie am häufigsten mit ihr zu tun haben.«
    Kirsten war unentschlossen. Je weniger sie sich in die Geschichte ihrer Patienten einmischte, desto besser ging es ihr. Gleichzeitig war Hansen der Arzt, den sie in dieser Klinik am meisten respektierte. »Hat der Kleine eine echte Chance?«, fragte sie.
    »Ja, eine echte.«
    Die Physiotherapeutin nickte. »In diesem Fall will ich es versuchen.«
    ■ ■ ■
    An den Griffen des Rollstuhls hingen zwei Stoffbeutel mit dem blauen Logo des Supermarktes Irma . Es war sechzehn Uhr, als Rachel durch die Allee am Rand der Ø restadsiedlung ging. Sie schob Sachas Rollstuhl, und Sacha sang aus vollem Hals Jingle Bells . Rachel und ihr Sohn hatten gemeinsam eingekauft. Nach langem Zögern hatte sie in ihren Einkaufswagen zwei Stücke Lachs, vakuumverpackte grüne Bohnen, ein Stück Gouda und eine Schachtel Schokoladenkuchen geladen. Sie hatte noch einen Becher Crème fraîche, Kräuter und Schwarzbrot hinzugefügt. Außerdem eine Packung vorgekochter Bratkartoffeln, eine sichere Sache, falls Sacha das Übrige nicht mögen würde.
    Die Allee führte über die Grünfläche, die nach Schulschluss von Kindergruppen bevölkert war. Das Ø restad Café an der Ecke des Häuserblocks hatte seine wenigen Holztische nach draußen gestellt, was der Siedlung eine sommerliche Atmosphäre verlieh. Rachel bog zu dem

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