Weltenfresser - Die Tränen der Medusa (German Edition)
Hintergrund war die Klinge kaum zu sehen. Tyark zuckte zurück, als die Klinge dicht vor seiner Nase durch die Luft fuhr.
»Sie ist wirklich extrem leicht...«
Er nahm sein eigenes Schwert aus der Scheide und wog beide Klingen gegeneinander ab. Er lächelte fast zärtlich und überlegte einen Augenblick. Dann verzog er bedauernd das Gesicht und reichte die Klinge an den überraschten Tyark weiter.
»Hier, nimm du sie. Sie ist leider viel zu leicht und klein für mich. Ich habe mein ganzes Leben mit einem Anderthalbhänder gekämpft. Das hier ist eher ein Kurzschwert, wenn überhaupt. Mir scheint fast, dass sie mehr Schmuck als Waffe ist. Aber ein tödliches Meisterwerk, daran brauchst du nicht zu zweifeln.«
Etwas unsicher nahm Tyark die ihm gereichte Klinge in die Hand.
Die ganze Waffe war aus einem Metall gefertigt, das ihm gänzlich unbekannt war. Erstaunlich leicht lag das Schwert in seiner Hand, es schien perfekt für ihn ausbalanciert zu sein. Es war auch sehr viel leichter, als es bei seiner Größe hätte sein dürfen und glänzte matt im Schein der Lampen. Feine Muster schimmerten im Metall der Schneide, die entfernt an Fischschuppen erinnerten.
Tyark fiel auf, dass trotz des Falls auf den harten Steinboden keinerlei Spuren an der dünnen Klinge zu sehen waren. Die Schneide war vollkommen glatt, kein Kratzer, keine Delle war zu sehen. Einen Moment lang hatte er den Eindruck, als sei die Waffe erst vor wenigen Tagen geschmiedet worden – dabei lag sie sicherlich bereits viele Jahrhunderte in dieser dunklen Felsengruft!
Unwillkürlich fragte er sich, welche Geschichte dieses Schwert wohl haben mochte. Was hatte es erlebt? Wer hatte es bereits geführt? Sein Vater hatte ihm oft erzählt, dass alte Dinge oft eine lange Geschichte hatten, von denen ein normaler Sterblicher freilich höchstens ahnen konnte.
Zaja klopfte ihm grinsend auf die Schulter: »Na, da hast du ja was Schönes erhalten! Eine wirkliche beeindruckende Waffe! Ich sollte mir ebenfalls überlegen, etwas Schärferes als meinen Kampfstab zu verwenden. Leider ist es Brüdern und Schwestern des Ordens nur in Ausnahmefällen gestattet, etwas anderes als eine stumpfte Waffe zur Selbstverteidigung mit sich zu führen.«
Mit einem dunklen Blick in Richtung der Statue ergänzte sie: »Allerdings denke ich, dass unsere Erlebnisse durchaus in diese Ausnahmefälle passen dürften. Wir...«
Zaja verstummte, als Jobdan einen seiner Pfeile zischend ins Dunkle hinter der Flügeltür abschoss.
»Verfluchtes Biest! Es konnte sich fast an mich heranschleichen! Ich dachte zuerst, der Boden bewege sich... bei den Göttern!«
Hastig lud Jobdan einen weiteren Pfeil nach. Pereo war mit unheimlicher Geschwindigkeit zur Flügeltür geeilt und hatte bereits Schild und Schwert in den Händen. Bis auf das Geklapper ihrer Waffen und Jobdans Fluchen konnte Tyark nichts hören. Er fragte sich bereits, ob Jobdan vielleicht einer Sinnestäuschung auferlegen sei, als er endlich sah, worauf der Jäger geschossen hatte.
Im Dunkel vor der Tür schienen sich Boden und die Wände zu bewegen! Erst auf den zweiten Blick konnte Tyark erkennen, was er dort sah. Überall auf dem Boden der Vorhalle bewegten sich fast vollkommen lautlos große, flache Geschöpfe, die Tyark entfernt an übergroße Käfer erinnerten. Nur dass diese hier bis an sein Knie reichen und sicherlich so lang waren wie er groß war. Ihre breiten Rücken schienen stetig die Wand und den Bodens zu imitieren: Wenn sie bewegungslos verharrten, waren sie nur aus absoluter Nähe vom natürlichen Untergrund zu unterscheiden.
Im Vorraum waren sicherlich mehr als zehn dieser Tiere versammelt, leisen raschelnd bewegten sie sich in Richtung der Tür, wo Pereo sich vor Jobdan gestellt hatte und sich bereit mache, das erste dieser Monster mit seinem Schwert zu erledigen.
Unvermittelt löste sich aus dem Dunkel der Halle ein Exemplar und sprang Pereo mit einem mächtigen Satz an. Das Metallschild Pereos dröhnte, als das Tier dagegen prallte, Pereo hatte Mühe, auf den Beinen zu bleiben und wurde gegen Jobdan geschleudert.
Als hätten die anderen auf dieses Signal gewartet, begannen sie nun alle, in Richtung der Gefährten zu strömen – ein bösartig klingendes Brummen erfüllte nun die Halle.
Pereo wurde von der schieren Masse der Tiere in den Raum zurückgetrieben. Jobdan schoss den nächsten Pfeil ab, der in den Panzer einer der Kreaturen eindrang. Dunkles Blut sickerte aus der Wunde.
Jobdan hatte keine Zeit,
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