Werke
dich hinweg, Nacerat«, sagte der Herzog, »doch halt. Wenn du nicht auf dem höchsten Baume hängst, so dankst du es meinem Wunsche, Blutvergießen zu vermeiden, weshalb ich die Unterhandlung zuließ. Dein Geschick wird dich ereilen. Meinst du, durch die Wahl allein wird der Herzog? Mich hat auch Sobeslaw anerkannt. Du bist nie an der Spitze eines Volkes gestanden, das dir traut, das sein Wohl in deine Hände legt, und dem dein Gewissen entgegen schlägt, du weißt daher nicht, was in das Herz kömmt, wenn man diese Pflicht übernimmt. Du kennst nur dein Gelüste und die Macht, die du gegen das Volk ausüben möchtest. Du bist nicht das Land, Nacerat, und wenn ich jetzt, um das Blut zu schonen, das fließen wird, nachgäbe, so hättet ihr, die ihr Herzoge macht, den Erfolg für euch, der Fürstenstuhl würde in eurer Hand ein Spielzeug, mit dem ihr handeltet, und das Land würde in unabsehliche Verwirrung und Blutvergießung gestürzt werden. Ja, ich will das Land schützen und schirmen, wie ich es geschworen habe, aber gegen euch und euren Übermut. Und wenn mein Vorgänger der ehrwürdige Sobeslaw euren Willen nicht tat, und wenn dessen Vorgänger mein gütiger und milder Vater euren Willen nicht tat, und wenn ich bisher deinen Willen nicht tat, Nacerat, so werde ich diesen Willen und den Willen derer, die gegen mich in den Waffen stehen, jetzt noch weniger tun. Ihr habt die Zeit gewählt, in welcher der Markgraf Leopold von Österreich tot und sein Bruder Heinrich in die neuen Wirrsale mit Baiern verwickelt ist; aber wenn mir der allmächtige Gott das Leben schenkt, so werde ich die Mittel gegen euch erstreben,bis ich den letzten Zug meines Atems getan habe, und auf euren Seelen liegt das Elend, das entstehen wird. Jetzt gehe.«
»Möge immer Segen und Heil auf deinem Haupte ruhen, erlauchter Herr«, entgegnete Nacerat, »ich verabschiede mich, und gehe zu dem Herzoge.«
Nacerat erhob sich bei diesen Worten von seinem Sitze, neigte sich in seinem rotsammetnen Kleide vor dem Herzoge, und wendete sich zum Gehen. Die um ihn waren, wendeten sich gleichfalls, setzten wie er ihre Hauben, die sie zum Abschiedsgruße gelüftet hatten, wieder auf das Haupt, gingen zu ihren Pferden, bestiegen sie, vereinigten sich mit ihrer Begleiterschar, und ritten mit dieser davon.
»Jetzt rüstet die Schlacht«, riefen zahlreiche Stimmen um den Herzog.
»Es ist noch nicht genug«, sagte der Herzog, »Otto, Bischof von Prag, tritt her zu mir, Daniel, du Priester des Herrn, und tretet hervor Chotimir, Jurik, Nemoy und Ctibor, besteigt schnelle Rosse, nehmt die hundert Reiter meiner Gezelte zur Begleitung, und reitet in Hast mit dem Friedensfähnlein zu Konrad von Znaim und den andern Fürsten des Stammes Premysl. Wir wissen nicht, ob Nacerat ihnen das Rechte von uns sagen wird, und ob er uns das Rechte von ihnen gesagt hat, ihr aber sprecht: Wladislaw der Herzog von Böhmen und Mähren verzeiht jedem Menschen, der an diesem Tage gegen ihn in den Waffen steht, er läßt einem jeden Ämter Würden Besitzungen Rechte, die er hat, und es soll alles sein, wie es zuvor gewesen ist, wenn die Waffen niedergelegt werden, und man zu seiner Pflicht zurückkehrt. Der Herzog tut dieses darum, daß nicht Menschen, welche dieselbe Sprache reden, dieselben Kleider haben, dieselben Fluren bewohnen, dieselben Voreltern zählen, dieselben Gesichtszüge tragen, sich zerfleischen. Ist aber einmal das Blut unseres Landes geflossen, dann muß es gesühnt werden, und die Strafe muß folgen, so hart sie verdient wird. Zu Otto von Olmütz aber sagt: Der Herzog Wladislaw hat dir, den er aus der Verbannung durch eigene Boten zurück geholt hat, das Herzogtum Olmütz gegeben: was kann dir zu Teil werden, Otto, wenn du betest, daß dir gemessen werde, wie du andern gemessen hast? Wenn ihr gesprochen habt, erwartet die Antwort. Unterwerfen sie sich, so reitet mit gehobenen Friedensfähnlein in dieses Lager; verweigern sie es, so senket die Fähnlein, daß wir es von weitem sehen, und uns richten können.«
»Wir werden deine Sendung vollbringen, hoher Herr«, sagte der Bischof von Prag.
Dann entfernten sich die Männer, um ihren Weg anzutreten.
Im späten Nachmittage kamen sie mit gesenkten Fähnlein.
Als sie vor dem Herzoge standen, sagte Otto der Bischof von Prag: »Hoher Herr, sie haben deinen Antrag verworfen, und verlangen, daß du kommest, und Konrad huldigest.«
Chotimir warf sein Friedensfähnlein von dem Pferde in das Gras, und sagte: »Daniel hat zu
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