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Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Titel: Zigeunerstern: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
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angelegt zu haben, mich herauszufordern. Er stierte mich lange an, als versuche er, in meinen Gedanken zu lesen. Schließlich sagte er: »Du hast das Königreich verlassen und den Titel aufgegeben. Darin sind sich alle einig. Du hast deinen Verzicht auf den Thron erklärt, du bist verschwunden und hast uns alle im Stich gelassen. Fünf Jahre lang hatten wir keinen König. Und das ganze Volk der Roma verlangte heftig nach einem neuen König. Sogar das Imperium forderte einen. Du hättest hören sollen, wie Sunteil herumquengelte und jammerte. Der Kaiser ist ein Zombie, ein lebender Leichnam, sagte er, und jetzt haben auch die Roma keinen König mehr. Die gesamte Herrschaftsstruktur löst sich in dem Machtvakuum auf. Was ist bloß mit euch Leuten los, fragte der Lord Sunteil. Warum wählt ihr euch nicht einen neuen König? Also haben wir das schließlich getan.«
    »Aber die Königswahl ist ungültig«, sagte ich sanft.
    Seine Augen blitzten, doch er behielt sich zwanghaft unter Kontrolle. »Inwiefern?«
    »Weil die Krisatoren meine Abdankung niemals ratifizierten. Ein König der Roma kann nämlich gar nicht abdanken. Es gibt keinen historischen Präzedenzfall eines Thronsverzichts.«
    »Und ich sage dir, sie haben das Gesetz ratifiziert. Ich war dabei, als sie es taten.«
    »War das am Tage deiner Wahl?«
    »Ja«, sagte Shandor.
    »Du bist der Sohn eines Königs. Und der Sohn eines Königs kann bei uns nicht König sein.«
    »Ach, bloß weil das nie so war, das heißt doch nicht, dass es nie so sein kann.«
    »Wir haben auch noch nie einen überführten und verurteilten Kriminellen zum König gemacht.«
    In Shandors Wange zuckte ein Muskel. Aber immer noch bewahrte er Ruhe. Er hielt sich sehr gut, dieser Shandor.
    »Ein Krimineller, Vater?«
    »Die Sache mit Djebel Abdullah.«
    »Die erste Gerichtsverhandlung war eine Farce. Falschaussagen und Meineide von Anfang an. Später konnte ich nachweisen, dass ich alles Menschenmögliche getan hatte, um meine Passagiere zu retten, und im zweiten Verfahren wurde ich in allen Punkten freigesprochen.«
    »Aber es hat keiner deiner Passagiere bei diesen Verfahren ausgesagt.«
    »Das ist nicht wahr.«
    »Jedenfalls keiner von denen, die ihr geschlachtet und verspeist habt, Junge.«
    »Nenn mich nicht Junge! Ich bin dein König!«
    »Nein, Shandor, meiner nicht.«
    »Der zweite Urteilsspruch …«
    »… war ebenso gesetzwidrig wie die Sitzung des Großen Kris, bei der du zum König der Roma gewählt wurdest.«
    »Ich bin aber der König, Vater. Ob es dir nun passt oder nicht. Die krisatora haben mich gewählt, und die große kumpania der Roma auf allen Welten hat mich eine nach der anderen akzeptiert. Ich war in der Imperialen Hauptstadt, und der Kaiser überreichte mir höchstpersönlich das Zepter der Herrschaft in Anerkennung meiner Macht.«
    »Ach – hat er? Wirklich?«
    »Mit eigener Hand. Und Sunteil und Naria und Periandros standen direkt daneben. Und hier lebe ich im Hause der Macht des Königs, und meine Dekrete werden in der ganzen Welt erfüllt. Sieh endlich der Realität ins Auge, Alter. Deine Abdankung ist nun einmal wirklich schlüssig und bindend. Und du kannst sie nicht einfach jetzt wieder zurücknehmen.«
    »Du hast gesagt, du bist hergekommen, um mir ein Geschäft anzubieten«, erinnerte ich ihn.
    »Ja.«
    »Na, dann schieß mal los! Was ist denn nun das ganze quid pro quo? Was willst du dabei herausschlagen?«
    »Ich verlange, dass du mich segnest. Ich fordere, dass du mich in aller Öffentlichkeit als König der Roma erklärst und auf jeglichen persönlichen Anspruch auf den Thron verzichtest. Und man hat mir gesagt, dass du unser Zepter mitgenommen hast, als du dich von hier verdrücktest. Dieses Zepter gehört mir.«
    »Aha. Das sind also deine Wünsche, ja? Mein Segen und mein Zepter.«
    »Als Gegenleistung«, sagte er, »will ich dich hier herauslassen. Ich gestatte dir, nach Xamur zurückzukehren, nach Kamaviben, deinen Besitz, auf dass du dort den Rest deiner Tage in Wohlstand, ja in Luxus leben kannst.«
    »Meine Freiheit gehört mir als mein eigenster Besitz, der mir von Gott gegeben ist, und kein Mensch kann sie mir nehmen. Und du willst mir etwas anbieten, das dir nicht einmal gehört, wenn ich mich bereiterkläre, deinen Anspruch auf etwas zu unterstützen, das dir ebenfalls nicht gehört? Was für ein Geschäft soll das sein?«
    »Eine Abmachung, die dich immerhin aus diesem Kerker führen würde, Vater.«
    »Oh, aber ich mag diesen Kerker ganz

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