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Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Titel: Zigeunerstern: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
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gern.«
    »Ich könnte ihn gegen Geist-Trips isolieren lassen. Würde es dir auch dann noch hier so großen Spaß machen?«
    »Ach, soll das eine Drohung sein? Du willst mir unter Drohungen meinen Segen abpressen?«
    »Ich ersuche dich um deinen Segen. Ich fordere ihn nicht. Die Tatsache, dass ich dich hier als Gefangenen halten muss, ist mir peinlich.«
    »Ja. Ich weiß. Und genau deshalb bin ich hier.«
    »Aber solange du Anspruch auf den Thron erhebst, gefährdest du unser ganzes Volk.«
    »Genau das könnte umgekehrt ich sagen, Shandor.«
    »Es gab ein Machtvakuum, wir hatten keine Regierung. Jetzt ist das nicht mehr so. Aber du, du bringst durch deine Halsstarrigkeit Gärung ins Volk, Abweichler, Andersdenkende, du schürst den Zweifel an der Legitimität der Roma-Regierung, du untergräbst die Festigkeit unseres ganzen …«
    »Aber gewiss doch. Ganz genau das tue ich. Das musst du mir nun wirklich nicht sagen.«
    »Du bist ein bösartiger alter Mann.«
    »O nein, Shandor. Bösartig, das bist du.« Ich lachte ihm ins Gesicht. »Und jetzt verzieh dich, Shandor! Ich hätte gern ein bisschen Ruhe.«
    »Wenn ich jetzt hier fortgehe, dann wirst du hier unten vergammeln und verfaulen bis ans Ende der Zeit!«
    »Das brächtest du tatsächlich deinem eigenen Vater gegenüber fertig?«
    » Bist du denn mein wirklicher Vater?«
    »Ach, ich verstehe, es macht dir also auch nichts aus, die Ehre deiner Mutter in den Dreck zu ziehen. Lass mich nur sagen, was du bist: ein nichtswürdiger Haufen Scheiße, vergiss es nicht! Ich verfluche die kleine zuckende Lust, die dich in unser Universum brachte. Ich lege einen Fluch über die Freude, die mir damals zwischen den Schenkeln Esmeraldas zuteil wurde.« Ich sprach das alles ganz gelassen und ruhig, ja sogar beinahe freundlich aus. »Ich werde dich nicht zum König machen, Shandor, und wenn du noch so heftig herumbrüllst und dich aufplusterst. Und du jagst mir auch keine Furcht ein, wenn du mir drohst, dass du mich in deinem hübschen kleinen Hotelzimmer hier eingesperrt halten willst. Und noch etwas – aber nur ganz nebenbei, es gibt nicht die geringste Möglichkeit, wie du das hier gegen Geistreisen isolieren könntest. Kapierst du denn nicht einmal soviel? Wenn ich atmen kann, kann ich auch auf Geisterfahrt gehen. Gleichgültig, wo ich mich befinde. Egal, wann.« Und ich schloss die Augen und machte mich umgehend vor seinen Augen auf einen Geist-Trip. Zurück nach Xamur, etwa um ein Jahrhundert in zeitlicher Rückverschiebung. Um mein liebevolles junges eheliches Weib anzuschauen, um mir diesen hinreißenden, bezaubernden erstgeborenen Sohn zu betrachten. Als ich zurückkehrte, und es war nur der Bruchteil einer Sekunde später, rauchte Shandor wie ein Vulkan. »Deine Mutter, Shandor, war eine großartige Frau. Ich habe sie gerade besucht. Um ihr zu sagen, wie innig und tief ich sie liebte. Und um ihr ebenfalls zu sagen, zu was für einer wundervollen Persönlichkeit sich ihr ältester Sohn entwickelt hat. Warum gehst du nicht mal selbst und besuchst sie? Ich bin sicher, sie würde sich sehr freuen, dich wiederzusehen.«
    »Du kannst hier unten vermodern, bis nichts mehr übrig ist von dir, alter Mann!«, sagte Shandor giftig.
     
     
    2
     
    Aber Shandor konnte noch nie seine Versprechungen einhalten. Etwa eine Woche später kamen seine Roboter und überführten mich in eine weitaus attraktivere Zelle höher oben in dem Gebäude, und das alles ganz ohne vorherige Warnung. Immer noch gab es keine Fenster, aber dafür auch keine Ratten, kein Riesenprotozoengewächs, keinen Schimmelschleim und keine Schlangen. Also meine Schlangen, die vermisste ich schon ein wenig. Immerhin, sie waren irgendwie elegant gewesen, und mir hatten sie ja nichts Böses getan. Die neue Kerkerzelle war trockener und wärmer, und man gab mir auch eine breitere Pritsche. Der Fußboden bestand aus einer massiven Goldplatte. Ich nehme an, es gab Zeiten in der Geschichte vernunftbegabter Geschöpfe, in denen man sich irgendwie geschmeichelt gefühlt hat, wenn sie einem als Kerker eine Kerkerzelle mit goldenem Boden gaben. Na ja, schön und gut. Aber ich vergaß einfach niemals, dass wir hier auf Galgala waren, wo Gold nicht viel mehr wert ist als Pappdeckel, und dass meine Gefängniszelle trotz ihres goldenen Fußbodens eben doch eine Zelle war. Meist lief ich barfuß herum. Es war weich und glatt und beinahe geschmeidig unter den Zehen, so wie Gold es eben manchmal ist. Ich begann Markierungen

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