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Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Zigeunerstern: Roman (German Edition)

Titel: Zigeunerstern: Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Robert Silverberg
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sicher?«
    »Ich plage mich ab, um in deiner Zeitebene zu sprechen, nicht in der meinen. Deshalb sage ich, sie werden ihn schuldig finden.«
    »Ihn schuldig finden?«
    »Das sagte ich.«
    »Ja. Richtig. Also haben sie direkt unter Shandors Nase hier auf Galgala einen Kris abgehalten, und er hat nichts dagegen unternommen, hat das nicht unterdrückt? Oder versucht die Kontrolle zu übernehmen?«
    »Himmel, nein! Wer hat denn was von Galgala gesagt? Der Kris wird auf Marajo abgehalten. Wurde abgehalten? Wird abgehalten werden? Wurde.«
    »Auf Marajo? «
    »Ja, Damiano suchte sich seine eigenen Krimtora zusammen. Er sagte, er setzt kein Vertrauen in die Versammlung, die auf Galgala tagte, weil die Shandors Leute seien.«
    Ich stöhnte. »Also ist der Kris ungesetzlich?«
    »Na, eben genauso gesetzlich oder nicht wie alles andere im Leben.«
    »Nein!«, sagte ich. »Dieser Kris ist eine Marionettenversammlung, ein Scheingericht, ein Standgericht. Damianos persönliche Arschkriecher. Was plant er, einen Bürgerkrieg? Shandor wird sich schlicht weigern, sich dem Urteil zu beugen, weil dieser Kris nicht legal ist.«
    »Damals, als ich vor Gericht stand, war es auch Damianos Privatgericht. Damals hatte sie mich am Wickel, weil ich das Kalimaka-Schiff genommen hatte, weißt du noch? Was wäre passiert, wenn ich versucht hätte, die Rechtmäßigkeit des Gerichts in Zweifel zu ziehen? Nimm mal an, ich hätte vorzubringen gewagt, dass das kein faires Gerichtsverfahren sei, dass es sich um befangene Richter handle, dass Damiano es auf meinen Kopf abgesehen habe. Und dann sag mir, was mir das gebracht hätte. Wie weit wäre ich denn damit gekommen, he?«
    »Aber das damals war ein legitimer Kris. Es war der Groß- Kris von Galgala, um Himmels willen. Und seine Beschlüsse sind für uns alle bindend. Aber dieser andere kris da, Damianos Privatkris auf Marajo – was ist, wenn Shandor einfach behauptet, dass es sich nicht um ein rechtmäßiges Gericht handelt, und sich weigert, den Spruch anzuerkennen?«
    »Da mach dir mal keine Sorgen. Das ist alles vorbei und erledigt …«
    »Also, für mich ja nicht gerade.«
    »Vorbei und abgetan«, sagte Valerian mit traumträger Stimme. Er schwebte jetzt wieder schräg hängend durch den Raum. Wurde immer durchsichtiger jetzt, wurde zu einem verschwommenen flaschengrünen Lichtklecks an der Decke. »Das war damals ehrlich schlimm«, sagte er, »wie sie mich da vor Gericht gestellt haben.« Ich erkannte, dass er mir zu entgleiten drohte. Schon trieb er weiter und tiefer in die Vergangenheit hinab. Sein Existenzbrennpunkt verschob sich für ihn. Nie hätte ich zulassen dürfen, dass er vom Thema abkam. Denn sobald er sich einmal in die Erinnerungen an seine Gerichtsverhandlung verbissen hatte, konnte man ihn höchstwahrscheinlich durch nichts wieder davon abbringen. »Das war wirklich die allerscheußlichste Zeit für mich. Ach, wie habe ich gelitten. Weißt du noch, Yakoub?«
    Er befingerte geistesabwesend die Goldpartikelchen in der Wand, als wollte er einige davon herauskratzen. Er machte den Eindruck, als sei er weit, sehr weit weg.
    »Valerian?«
    »Du weißt das doch noch, ja? Ich litt wirklich furchtbar.«
    »Natürlich erinnere ich mich. Aber du hattest es verdient.«
    O doch, er hatte gelitten, das ist wahr. Er schlotterte vor Angst, konnte nicht mehr klar denken. Ihm drohte der völlige Ruin, und das wusste er. Dies war das einzige Mal, dass ich ihn je in einem derart erbarmungswürdigen Zustand erlebt habe. All seine prahlerische Großspurigkeit verpufft und dahin wie Luft aus einem Ballon. Doch wozu das alles jetzt noch einmal breitwalzen? Mir war wichtig, etwas über Shandor zu erfahren, über das Imperium, über die Dinge, die sich außerhalb meiner goldenen Kerkermauern taten, und da bibberte dieser Kerl und servierte mir wieder einmal die ganzen Ängste und Kümmernisse seiner uralten Gerichtsverhandlung. Wirklich, das größte Problem mit Egozentrikern wie Valerian ist es, dass sie schlichtweg außerstande sind, sich langsam genug auf deine Probleme zu konzentrieren, wie unendlich dringlich die dir auch erscheinen mögen.
    Valerian bohrte noch immer in seiner Wunde. »Und wie ihr mich alle angeschaut habt – wie wenn ich ein Feind wäre, ein Verräter … ein Gajo!«
    »Aber du bist doch schließlich begnadigt worden«, sagte ich. »Du, schau mal, könntest du nicht vielleicht von dort oben runterkommen, bitte? Ich kann mit dir nicht reden, wenn du so durch die Gegend

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