Zurueck ins Glueck
Wassern gewaschen.«
»Rose...«
»Versprich es, James.«
»Wie kann ich das?«
Sie brachte ihn mit erhobenen Händen zum Schweigen. »Du weißt, dass ich immer zu dir gehalten habe, James. Ich habe genau verstanden, was du gesagt hast, hörst du? Und jetzt erwarte ich etwas von dir. Du musst mir dein Wort geben, dass du nie wieder versuchst, dich mit diesem Weibsbild in Verbindung zu setzen.« Mit einem Schlag begriff James, was seine Frau ihm sagen wollte. Sie gab ihm indirekt zu verstehen, dass sie von seiner lang zurückliegenden flüchtigen Affäre mit Katie Garcia wusste. Dies war ihre Art, mit dem Problem umzugehen. Wenn sie ihn so leicht davonkommen ließ,
war er ihr wohl oder übel einen kleinen Gefallen schuldig.
Er setzte seine aufrichtigste Miene auf. »Du hast mein Wort als Ehrenmann, Rose. Ich werde nie wieder mit ihr sprechen.«
Rose musterte ihn eine Weile nachdenklich, dann nickte sie. »Gut. Dann lass uns jetzt diese unerfreuliche Geschichte abhaken und nach Hause fahren.«
Traditionsgemäß pflegten die Judges sich sonntags, ehe das Dinner serviert wurde, im Musikzimmer zu versammeln. Während der Woche genügte das Wohnzimmer, aber der Sonntag galt als besonderer Tag. Das Musikzimmer war ein großer runder Raum mit fünf riesigen Panoramafenstern, die einen atemberaubenden Blick über den hinter dem Haus gelegenen Dunross Lake boten, über dem am Abend die Sonne unterging. Es hatte Platz für zwei Queen-Anne-Sessel, ein Sofa und eine Anzahl hochlehniger Stühle, die zum Musizieren einluden. In einer Ecke stand ein Flügel, auf dem schon lange niemand mehr spielte, in einer anderen ein Cello in seinem Kasten, das seit Jahren kein Tageslicht mehr gesehen hatte. Im Kamin prasselte ein helles Feuer; die Flammen fingen sich in den schmalen, hohen Spiegeln, die zwischen den Fenstern hingen. Die Wände waren blass türkisfarben gestrichen, der Boden mit dunklem, poliertem Holz ausgelegt.
Granny Victoria saß am Fenster und genoss den Sonnenuntergang. Das Abendlicht spiegelte sich in der glatten Oberfläche des Sees wider und tauchte das Zimmer in einen warmen honigfarbenen Schein. Doch nach einer Weile riss sie ihre Enkelin Stephanie aus ihren Tagträumen.
»Wo zum Teufel stecken Mummy und Daddy?«,erkundigte sie sich ungehalten. »Meine Mädchen quengeln, weil sie Hunger haben, und Zoë hat morgen Schule. Sie muss zu Abend essen und gleich ins Bett.«
»Warum gehst du dann nicht in die Küche und machst ihr Abendbrot?«, schlug Victoria vor.
»Sie gehören zur Familie, Granny, also sollen sie auch zusammen mit uns essen«, erwiderte Stephanie, schniefte beleidigt und drückte ihre Zigarette in dem Aschenbecher aus, der auf dem Flügel stand.
Caroline tänzelte in den Raum, als ihre Schwester wütend davonstapfte.
»Ihre Nerven liegen heute blank, Gran.« Caro trat zu ihrer Großmutter und küsste sie auf die eingefallene Wange. »Ich nehme an, du hast schon gehört, dass sie und David sich trennen?«
»Allerdings. Schlimme Geschichte. Ich verstehe nur nicht, was der Auslöser für diesen Entschluss war. Hat einer von beiden verbotene Früchte gepflückt?«
Caroline lachte. »Nein, Granny, das halte ich für unwahrscheinlich. Ich glaube, sie lieben sich einfach nicht mehr.«
»So ein Unsinn.« Victoria schnaubte leise. »All dieses Gewäsch über Liebe! Ihr jungen Dinger habt es entschieden zu leicht im Leben, das ist es. Ihr habt nie gelernt, um etwas zu kämpfen, ihr werft lieber das Handtuch, sobald nur die geringsten Schwierigkeiten auftauchen.«
Caroline war zu high, um sich mit ihrer Großmutter zu streiten. »Wir wechseln besser das Thema, Gran. Da kommt Cam.«
»Wo bleiben Mum und Dad nur? Ich sterbe vor Hunger«, knurrte Cameron, als er mit einem großen Whiskey
in der Hand das Musikzimmer betrat. »Hi, Gran. Wie sieht’s aus – noch ein Schluck Sherry gefällig?«
Zur Antwort reichte Victoria ihm ihr leeres Glas. Marcus, der hinter Cam ins Zimmer gekommen war, ging zum Fenster hinüber, um den Sonnenuntergang zu bewundern. »Ich glaube, deine Eltern trudeln ein. Ich sehe ihr Auto«, stellte er fest.
Cameron war froh, nicht mehr im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen, da die ganze Familie gleich nach Roses Ankunft ein großes Gewese um sie machte. Er sehnte sich nach Ruhe und Zeit zum Nachdenken, obwohl er das schon den ganzen Nachmittag lang getan hatte, während er über das Grundstück spaziert war. Dunross war das friedlichste Fleckchen Erde, das er
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