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Zusammen ist man weniger allein

Zusammen ist man weniger allein

Titel: Zusammen ist man weniger allein Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Anna Gavalda
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Einladungen sind schon rausgeg…« Die Nachricht brach ab.
     
    Sie stellte ihr Handy aus, drehte sich eine Zigarette und rauchte sie zwischen Louvre, Académie Française, Notre-Dame und der Place de la Concorde.
    Eine passende Kulisse für den Vorhang.
     
    Anschließend zurrte sie den Schultergurt ihres Quersacks fest und nahm die Beine in die Hand, um das Dessert nicht zu verpassen.
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    16
     
     
     
    In der Küche roch es ein wenig nach Bratfett, aber das Geschirr war schon wieder verstaut.
    Kein Laut, alle Lichter gelöscht, nicht mal ein Lichtschein unter den Zimmertüren. Pff … Wo sie einmal bereit gewesen wäre, sich den Bauch vollzuschlagen.
    Sie klopfte bei Franck.
    Er hörte Musik.
     
    Sie baute sich am Fußende auf und stemmte die Fäuste in die Seiten:
    »Und?!« fragte sie entrüstet.
    »Wir haben dir ein paar aufgehoben. Ich flambier sie dir morgen.«
    »Und?!« wiederholte sie. »Willst du mich nicht vernaschen?«
    »Ah! Ah! Sehr witzig.«
    Sie fing an, sich auszuziehen.
    »Also, mein Lieber. So leicht kommst du mir nicht davon! Versprochen ist versprochen, Orgasmus gefälligst!«
    Er hatte sich aufgesetzt, um die Lampe anzumachen, während sie ihre Latschen in die Ecke pfefferte.
    »Was machst du denn da? Was soll das?«
    »Eh … Ich ziehe mich aus!«
    »Oh nein.«
    »Was?«
    »Nicht so. Moment. Von diesem Augenblick träume ich seit Stunden.«
    »Mach das Licht aus.«
    »Warum?«
    »Ich hab Angst, daß du keine Lust mehr auf mich hast, wenn du mich siehst.«
    »Verflucht, Camille! Hör auf! Hör auf!« brüllte er.
    Schmollmund.
    »Willst du nicht mehr?«
    »…«
    »Mach das Licht aus.«
    »Nein!«
    »Doch!«
    »Ich will nicht, daß das so zwischen uns abläuft.«
    »Wie soll es dann ablaufen? Willst du mit mir im Bois de Boulogne Boot fahren?«
    »Pardon?«
    »Boot fahren und Gedichte aufsagen, während ich die Hand im Wasser baumeln lasse.«
    »Setz dich hier neben mich.«
    »Mach das Licht aus.«
    »Okay.«
    »Mach die Musik aus.«
    »Ist das alles?«
    »Ja.«
     
    »Bist du’s?« fragte er verschüchtert.
    »Ja.«
    »Liegst du gut?«
    »Nein.«
    »Hier, nimm ein Kopfkissen. Wie war dein Termin?«
    »Sehr gut.«
    »Willst du mir etwas erzählen?«
    »Was denn?«
    »Alles. Heute abend will ich alles wissen. Alles. Alles. Alles.«
    »Du weißt ja, wenn ich erst mal anfange. Dann fühlst auch du dich verpflichtet, mich hinterher in den Arm zu nehmen.«
    »Ach, du Scheiße. Bist du vergewaltigt worden?«
    »Das nicht.«
    »Tja … Dem könnte ich abhelfen, wenn du willst.«
    »Oh danke. Sehr freundlich. Hm … Wo soll ich anfangen?«
    Franck imitierte den Moderator einer Kindersendung:
    »Wo kommst du her, mein Kind?«
    »Aus Meudon.«
    »Aus Meudon?« rief er aus, »das ist aber sehr schön! Und wo ist deine Mama?«
    »Sie frißt Medikamente.«
    »So? Und dein Papa, wo ist dein Papa?«
    »Tot.«
    »…«
    »Tja! Ich hatte dich gewarnt, mein Junge! Hast du wenigstens Pariser hier?«
    »Bring mich nicht so durcheinander, Camille, ich bin ein bißchen schwer von Begriff, das weißt du doch. Dein Vater ist gestorben?«
    »Ja.«
    »An was?«
    »Er ist in den Abgrund gestürzt.«
    »…«
    »Gut, der Reihe nach. Rutsch ran, ich will nicht, daß die anderen was hören.«
    Er zog die Decke über ihre Köpfe:
    »Schieß los. Uns kann keiner mehr sehen.«
     
     
     
     
     
     
    17
     
     
     
    Camille schlug die Beine übereinander, legte die Hände auf den Bauch und unternahm eine lange Reise.
     
    »Ich war ein kleines Mädchen ohne Geschichte und sehr brav …« begann sie mit Kinderstimme, »ich aß nicht viel, aber ich war gut in der Schule und malte die ganze Zeit. Ich habe keine Geschwister. Mein Papa hieß Jean-Louis und meine Mama Catherine. Ich glaube, als sie sich kennenlernten, haben sie sich geliebt. Ich weiß es nicht, ich habe mich nie getraut, sie zu fragen. Aber als ich Pferde malte und das schöne Gesicht von Johnny Depp in 21 Jump Street , liebten sie sich schon nicht mehr. Da bin ich mir ziemlich sicher, denn mein Papa wohnte schon nicht mehr bei uns. Er kam nur am Wochenende vorbei, um mich zu sehen. Es war normal, daß er wieder ging, ich an seiner Stelle hätte es genauso gemacht. Ich wäre sonntagabends auch gern mit ihm mitgegangen, aber das hätte ich nie gewagt, weil sich meine Mama dann wieder umgebracht hätte. Meine Mama hat sich ganz oft umgebracht, als ich klein war.

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