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09 - Befehl von oben

09 - Befehl von oben

Titel: 09 - Befehl von oben Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Tom Clancy
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wußte genau, was es sein würde. Ein Teil von ihr wollte es immer noch nicht wahrhaben, und der andere Teil versuchte, sich in Gebete und in den Glauben zu flüchten, doch das war wie beim Horrorfilm-Besucher: Gesicht mit schützenden Händen bedeckt, linsten die Augen verstohlen zwischen Fingern, um zu sehen, was kam.
    Der Brechreiz wurde immer stärker, und bald würde sie auch nicht mehr in der Lage sein, ihn mit ihrem Willen unter Kontrolle zu halten, so stark der auch war.
    Sie lag in einem der wenigen Privatzimmer des Hospitals. Draußen strahlte die Sonne, der Himmel war klar, ein herrlicher Tag in der nicht enden wollenden afrikanischen Frühling-Sommer-Jahreszeit. An ihrem Bett war ein IV-Ständer, es lief sterile Kochsalzlösung in ihren Arm, zusammen mit einem milden Analgetikum und ein paar Nährstoffen, um ihren Körper zu stärken, doch in Wirklichkeit war es nur ein Wartespiel. Schwester Jean Baptiste konnte wenig tun außer warten. Ihr Körper war schlapp vor Erschöpfung und so schmerzerfüllt, daß es einer Anstrengung von mehr als einer Minute bedurfte, den Kopf zu drehen, um die Blumen draußen vor dem Fenster zu sehen. Die erste massive Woge von Brechreiz kam fast überraschend, und irgendwie gelang es ihr doch, die Brechschale zu greifen. Sie war immer noch Krankenschwester genug und objektiv genug, um das Blut zu sehen, auch wenn Maria Magdalena sogleich das Becken wegnahm, um es in einen Spezialbehälter zu entleeren. Mitschwester und Mitnonne, die sie war, trug sie einen Schutzkittel, hatte Gummihandschuhe an und eine Schutzmaske vor Mund und Nase, doch ihre Augen waren unfähig, ihre Traurigkeit zu verbergen.
    »Guten Tag, Schwester.« Es war Dr. Moudi, genauso gekleidet, seine Augen beherrschter über der grünen Maske. Er warf einen Blick auf das Blatt mit der Fieberkurve, das am Fußende ihres Betts hing. Die Temperatur war erst vor zehn Minuten gemessen worden und stieg immer noch. Das Telex aus Atlanta bezüglich ihres Blutes war eben erst angekommen und hatte ihn veranlaßt, unverzüglich auf die Isolierstation zu kommen. Ihre helle Haut war noch vor ein paar Stunden blaß gewesen.
    Jetzt erschien sie leicht gerötet und trocken. Moudi dachte, sie sollten die Patientin mit Alkohol kühlen, später vielleicht mit Eis, um das Fieber zu senken. Das wäre aber schlimm für ihre Würde als Nonne. Sie kleideten sich in der Tat keusch, wie es Frauen tun sollten, und diese Keuschheit wurde vom Krankenhaushemd, das sie jetzt trug, schwer verletzt.
Schlimmer noch war der Ausdruck in ihren Augen. Sie wußte Bescheid. Dennoch mußte er es ihr sagen.
    »Schwester«, sagte der Arzt zu ihr, »Ihr Bluttest für Ebola-Antikörper war positiv.«
Ein Nicken. »Ich verstehe.«
»Dann wissen Sie auch«, fügte er freundlich hinzu, »daß zwanzig Prozent der Patienten diese Krankheit überstehen. Sie sind nicht ohne Hoffnung. Ich bin ein guter Arzt, Schwester Magdalena hier ist eine hervorragende Krankenschwester. Wir werden Sie unterstützen, so gut wir können. Ich stehe auch mit einigen meiner Kollegen in Kontakt. Wir geben Sie nicht auf. Und ich verlange, daß Sie sich selbst auch nicht aufgeben. Beten Sie zu Ihrem Gott, gute Frau. Einen so tugendhaften Menschen wie Sie wird er sicher erhören.« Die Worte fielen ihm leicht.
Es überraschte ihn, daß er sich fast wünschte, sie käme durch.
»Danke, Herr Doktor.«
Moudi wandte sich an die andere Nonne, ehe er ging. »Bitte halten Sie mich auf dem laufenden.«
»Selbstverständlich, Herr Doktor.«
Moudi verließ das Zimmer, doch bevor er die Tür passierte, legte er Schutzkittel und Maske ab und warf beides in den dafür bereitstehenden Behälter. Er nahm sich vor, mit dem Administrator zu sprechen, um sicherzugehen, daß die erforderlichen Vorsorgemaßnahmen strikt durchgesetzt würden. Er wollte, daß die Nonne der letzte Ebola-Fall in diesem Krankenhaus war. Während er dies dachte, waren gerade ein paar Leute des WHO-Teams auf dem Weg zur Familie Mkusa, wo sie mit den leidgeplagten Eltern und Nachbarn und Freunden sprechen wollten, um herauszufinden, wo und wie sich Benedikt die Infektion zugezogen haben könnte. Erste Vermutung war ein Affenbiß.
Doch nur eine Vermutung. Wenig war über den Ebola-Virus bekannt, und was unbekannt war, war wichtig. Zweifellos gab es die Krankheit schon seit Jahrhunderten, ein tödliches Leiden in einer Region, wo es viele gab, die noch bis vor dreißig Jahren als >Dschungelfieber< galten.
Über den Wirt des Virus

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