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0917 - Laertes' Grab

0917 - Laertes' Grab

Titel: 0917 - Laertes' Grab Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Volker Krämer
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Wie sollte er sich bei den Herrschern mit dem roten Saft versorgen? Oder hatte der Vampirismus Sajol selbst nie betroffen… war er im Schutzmantel Laertes' verankert?
    Laertes-Sajol hatte es geschafft, von tierischem Blut zu leben. Das war sein Ziel für alle Vampire gewesen, denn nur so konnte es einmal Frieden zwischen Mensch und Vampir geben. Nicole stand vor ihrem virtuellen Pult, das jede ihrer Bewegungen mitmachte und ihr auch quer durch die Zentrale des Spiders wie ein treuer Hund folgte. Sie war eine gute Pilotin - wahrscheinlich die beste überhaupt, denn sie begriff die Meegh-Technik intuitiv, wie es wohl nur Artimus van Zant gleichfalls verstand.
    Ihre Blicke gingen immer wieder zu Rola DiBurn, die in einem der bei Tendyke Industries nachträglich eingebauten Formsessel saß. Besser gesagt - sie lag. Rola war von kleinem Wuchs, konnte die üppigen Ausmaße des Sessels als gut als eine Art Liege nutzen. Offensichtlich war sie erschöpft, lag lange mit geschlossenen Augen da, als würde sie in tiefen Schlaf gefallen sein.
    Doch sie war wach - sie, oder zumindest das Laertes-Bewusstsein in ihr. Was, wenn der Flug und die Suche nach dieser Ödwelt länger dauern würde als geplant? Irgendwann wurde jeder Vampir durstig, ganz gleich, nach wessen Blut er gierte… Mensch oder Tier.
    Nicole nahm sich vor, aufmerksam zu bleiben. Sie wollte Laertes in dieser Lage sicher keine Vorwürfe machen, doch wenn er nach wie vor ein Blutsäufer war, dann konnte sich das auch auf Rola übertragen. Nicole wollte ihre Besorgnis mit Zamorra teilen, denn vier Augen sahen immer mehr als nur zwei, doch sie nahm davon Abstand. Zamorra würde mit Unverständnis reagieren, davon war sie überzeugt.
    In ihrem Overall hatte sie den Dhyarra-Kristall immer einsatzbereit, denn gegen einen durstigen Vampir musste man geeignete Mittel aufbringen können. Und Zamorra hatte Merlins Stern Asmodis anvertraut, war also in Punkto magischer Waffen nahezu nackt.
    Nicole konnte sich ein Lächeln kaum verbeißen, denn Artimus van Zant kümmerte sich wirklich rührend um Rola DiBurn. Er versuchte ihr diesen Flug so angenehm wie nur möglich zu gestalten, doch unverkennbar war auch die Scheu, die er dabei überwinden musste. Nicole glaubte den Grund dafür zu kennen.
    Der Physiker kam nicht damit klar, dass im Körper der von ihm geliebten Frau ein fremdes Bewusstsein steckte… ein männliches dazu… und auch noch das eines guten Freundes. Das alles war für ihn nur schwer zu ertragen, was Nicole durchaus nachvollziehen konnte. Jedenfalls war er nicht in der Lage, Rola in den Arm zu nehmen, von beruhigenden Küssen ganz zu schweigen. Es wäre ihm sicher vorgekommen, als würde er den Uskugen küssen!
    Artimus war kein Macho, wahrhaftig nicht, aber er fühlte sich jetzt bestimmt so unsicher wie ein Backfisch. Nicole wurde aus diesen Gedanken gerissen, als Zamorra neben sie trat. Aartje Vaneiden blickte mit gerunzelter Stirn zu den beiden, die nur wenige Schritte neben ihr standen. Aartje hatte ihre Antennen längst ausgefahren und gespürt, dass zwischen dem Parapsychologen und seiner Gefährtin etwas nicht stimmte. Nur Valentin Kobylanski bekam davon nichts mit, denn er konzentrierte sich zu sehr auf seine Arbeit an Bord; zudem konnte man ihm zu viel an Sensibilität eh nicht nachsagen…
    Zamorra bemühte sich um einen gewohnt lockeren Ton.
    »Ich kann nur hoffen, dass Laertes uns denn tatsächlich zu dieser Welt führen kann. Er hat behauptet, er würde ihre Nähe spüren können. Sicherer und lieber wären mir ordentliche Koordinaten.«
    Nicole zog beide Augenbrauen in die Höhe. Jovial, als gäbe es keine Spannungen zwischen ihr und dem Professor, setzte sie die Antwort an.
    »Dazu hätten wir den Pyet ausbuddeln müssen, mit dem Laertes und sein Sohn vor 400 Jahren auf der Erde gelandet sind. Doch wenn ich mich richtig erinnere, fand das in einer Wüste statt, die das kleine Schiff einfach so geschluckt hat. Die Chancen, davon noch etwas zu finden, dürften gleich Null sein.«
    Zamorra nickte. Also würden sie sich auf die Intuition des Uskugen-Bewusstseins verlassen müssen. 400 Jahre waren eine enorm lange Zeit, in der Laertes viel erlebt hatte. Konnte er diese Welt tatsächlich noch einmal finden?
    Und dann?
    Wenn sie das Grab tatsächlich entdecken sollten, was erwartete sie dann?
    Sollte Laertes sich mit seinem alten Körper erneut vereinen, dann befürchtete der Parapsychologe Schlimmes - 400 Jahre konnten an einer Leiche doch wohl kaum

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