1001 Nacht - und die Liebe erwacht
nicht bewusst. Sie blieb neben ihm stehen und schüttelte sich das Meerwasser aus dem Haar. âWas gibt es zum Abendessen?â, fragte sie dann unbekümmert.
âWonach sieht es denn aus?â
âNach Fisch?â
âSehr gut.â
âAber bitte nicht verkohltâ, bat sie fröhlich. Das Bad schien ihre Sinne belebt zu haben. âSie können gar nichts an mir leiden, oder?â, fragte sie bei seinem gequälten Blick.
Das genaue Gegenteil war der Fall, doch das behielt er lieber für sich. Er bewunderte ihre Sturheit. Unbeirrt steuerte sie auf ihr Ziel zu â genau wie er. Das beeindruckte ihn. Gespannt lehnte er sich zurück und harrte der Dinge, die da zweifellos kommen würden. Und er wurde nicht enttäuscht.
Da es ihr misslungen war, ihn zu provozieren, verstärkte sie ihre Bemühungen. âIch bin Ihnen nur im Weg.â Traurig verzog sie das Gesicht. âSie wären viel lieber allein.â
âOhne Schmierenkomödie?â Er stocherte im Feuer. âDa haben Sie recht.â
Wie eine junge Gazelle umkreiste sie ihn, offensichtlich unschlüssig, was sie als Nächstes tun sollte. SchlieÃlich gewann die Neugier die Oberhand, und sie spähte ihm über die Schulter, um zu sehen, was er fürs Abendessen zubereitete.
âDa ist ja noch der Kopf dran!â, rief sie entsetzt, als er den Fisch aufspieÃte.
âIn der Golfregion hat ein Fisch nun mal einen Kopf.â
âGibt es noch etwas anderes zu essen?â
âO je, habe ich etwa vergessen, Ihnen die Speisekarte zu bringen?â
âSie machen sich über mich lustigâ, entgegnete sie beleidigt und belustigt zugleich.
Fast unmerklich hatte sich die Atmosphäre zwischen ihnen verändert. Die anfängliche Anspannung war endlich gewichen. Antonia hatte aber auch hart dafür gearbeitet.
âSie brauchen den Fisch ja nicht zu essen.â Amüsiert ging er auf ihr Spiel ein. âSie brauchen gar nichts zu essen. Oder Sie holen sich Brot aus der Kombüse. Davon ist reichlich vorhanden.â
Daraufhin zog sie eine Grimasse, lächelte dann aber unsicher, als sie seinen Blick auffing.
Langsam konnten sie einander einschätzen, und sie fanden Gefallen aneinander. So schätzte er die Situation jedenfalls ein. Er war viel entspannter als sonst. Für ihn war es der reinste Luxus, selbst gefangenen Fisch über dem offenen Feuer zu garen. Endlich konnte er einmal das einfache Leben genieÃen.
Der gegrillte Fisch duftete appetitlich, und Antonia war sehr hungrig. âKönnen wir noch einmal ganz von vorn anfangen?â, bat sie zum zweiten Mal an diesem Tag. Für sie stand mehr auf dem Spiel als eine warme Mahlzeit. Es ging um die Reise nach Sinnebar und darum, mit einem beängstigend attraktiven Mann zu Abend zu essen, der sich langsam, aber sicher für sie zu interessieren begann.
âDas kommt darauf an.â
âIch habe doch gesagt, dass ich Ihnen gern helfe. Ich kann segeln. Ich helfe Ihnen beim Segeltörn zum Festland.â
âSie wollen mir beim Segeln helfen?â Skeptisch lieà er den Blick über ihren zierlichen Körper gleiten.
âEs ist mein voller Ernst. Ich würde Ihnen gern beweisen, dass ich nicht so unnütz bin, wie ich aussehe. Und in dem Zusammenhang wäre ich sehr dankbar, wenn Sie mir Ihren Namen verraten würden. Wir könnten dann bestimmt entspannter miteinander umgehen.â
âIst das nicht eigentlich mein Text?â, fragte er lächelnd und sah sie an.
Verflixt! Antonia biss sich auf die Zunge. Was war nur plötzlich in sie gefahren? Keinesfalls durfte sie ihm ihren Namen verraten!
âIch muss Sie doch irgendwie anredenâ, sagte sie ausweichend.
Nach langem Schweigen erhielt sie tatsächlich eine Antwort. âSie können mich Saif nennen.â
âSaif?â Erstaunt musterte sie ihn. âHeiÃt das nicht âSchwertâ auf sinnebalesisch?â Ohne seine Reaktion abzuwarten, erklärte sie: âIch habe einen Sprachkurs gemacht, bevor ich die Reise begonnen habe.â
Statt mit Begeisterung zu reagieren, winkte er nur lässig ab. âDer Name Saif ist in Sinnebar sehr verbreitet.â Mit einem dicken Stock stocherte er im Feuer.
âAber es ist nicht Ihr wirklicher Name, oder? Sie haben ihn für die Dauer Ihres Aufenthalts hier angenommen.â Bitte, bitte, sag doch etwas, flehte sie stumm. âEs macht mir
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