Acacia 02 - Die fernen Lande
Hause gehen und Woche um Woche dein Bett wärmen zu können. Ich hoffe, du gesellst dich dabei zu mir. Denk darüber nach! Wir können nach Hause gehen, und dann musst du nicht mehr diese Kräuter nehmen. Das tust du dann auch nicht mehr, ja? Hör damit auf und sei wieder fruchtbar. Ich mache dir ein Kind …«
»Hör auf«, sagte Mena sanft. »Sprich jetzt nicht davon.«
»Und wir können unser Leben leben«, vollendete er seinen Satz. »Warum nicht jetzt? Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, sich daran zu erinnern. Ich habe dich seit jenem Nachmittag geliebt, als ich dich im Hafen von Vumu gesehen habe, wie du den Steg entlanggeschritten bist, barbrüstig und so weiter, als Priesterin von Maeben. Ich habe dich damals geliebt, und ich liebe dich jetzt. Du bist wütend, weil du heute nicht sterben wirst? Löse dich davon, Mena. Lass uns das hier zu Ende bringen und nach Hause gehen.«
Die Vorbereitungen dauerten nicht lange. Ihre Offiziere hatten gleich bei der ersten Kunde von der Sichtung die Männer und die Ausrüstung bereit gemacht. Als Mena bestätigte, dass sie weitermachen würden, trafen die Truppen ein, die Waffen in den Händen. Da sie nicht wollte, dass Geschosse planlos durch den Obstgarten zischten, falls die Kreatur davonrannte, suchte sie sich zwanzig ihrer besten Armbrustschützen aus und weihte sie in eine Abweichung vom Ursprungsplan ein. Sie schickte die Fährtenleser und zusätzliche Soldaten aus, um das ganze Tal zu umzingeln und die Kreatur einzuschließen. Mit dem Haupttrupp folgte sie einer Gruppe aufgeregter einheimischer Jungen, die sie durch eine verborgene Wasserrinne – tief genug, dass die Kreatur sie nicht sehen konnte – in die Mitte des Obstgartens führten. Sie tasteten sich immer langsamer und vorsichtiger vorwärts, was in Anbetracht der Tatsache, dass sie durch ihre Waffen behindert waren, alles andere als leicht war.
Die Schützen hielten ihre Waffen im Gehen auf den Himmel gerichtet, je zwei waren durch ein Seil, das vom Armbrustbolzen zu einer Rolle in den Händen der zweiten führte, miteinander verbunden. Doch das Seil zog sich noch weiter, zu einem dritten, manchmal auch vierten Helfer. Diese Männer trugen Steine vor der Brust oder in Schlingen auf dem Rücken. Manche der Steine waren so groß, dass selbst zwei Männer sich anstrengen mussten, sie zu tragen; sie watschelten mit angespannten Muskeln und schweißnasser Stirn nebeneinander her. In jedem Stein war ein Loch, an dem das Seil eines Armbrustbolzens befestigt war.
Mena hielt sie alle dicht zusammen, so dicht, dass sie sich durch Gesten mit ihnen verständigen konnte: eine erhobene Hand, eine geballte Faust, ein leichtes Winken ihrer Finger, um sie leise weiter vorrücken zu lassen. Als sie den letzten Hang erreichten, der sie von dem Hain trennte, in dem die Kreatur sich vollfraß, sah sie ihnen allen in die Augen und legte einen Finger an die Lippen, dann drehte sie sich um und führte sie vorwärts. Im Gehen zog sie vorsichtig ihr Schwert. Sie schlich in die ordentlichen Reihen von Orangenbäumen hinein, roch ihren Duft, die überreife Süße der aufgeplatzten Früchte, die den Boden sprenkelten.
Ihre Hand zuckte hoch. Ohne sich umzusehen, hörte sie, dass die Gruppe hinter ihr haltmachte; nicht so sehr durch irgendein Geräusch, sondern durch das plötzliche Fehlen eines Geräusches, was immer es auch gewesen war, das ihre Anwesenheit angezeigt hatte. Sie hatte das Übelding ausgemacht, kaum mehr als fünfzig Schritt entfernt auf der ihnen zugewandten Hügelseite. Es wandte ihnen den Rücken zu, tappte unbekümmert zwischen den Bäumen herum, und sein langer Hals bog und krümmte sich zwischen den Zweigen und Blättern. Mena wedelte mit den Fingern, und die Gruppe rückte vor, noch verstohlener als zuvor.
Als sie näher kamen, ließ Mena den Jagdtrupp nach beiden Seiten ausschwärmen. Sie verlangsamte das Tempo im Zentrum und ließ die Flügel weiter vorrücken, so dass der Trupp nun einen Halbkreis bildete, der das Übelding von einer Seite einschloss. Sie wusste, dass sie nicht hoffen konnten, viel näher heranzukommen, aber sie schlich sich leichtfüßig voran und war dankbar für jedes zusätzliche Zoll. Inzwischen konnte sie sehen, dass die Kreatur ein dichtes, eng anliegendes Gefieder besaß, unter dessen glattem Schimmer die Umrisse der Muskeln und die Struktur der Knochen zu sehen waren.
Ohne sich darüber klar zu sein, was sie tat, blieb Mena stehen und starrte das Geschöpf an; jetzt war
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