Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)
Gertrud telefoniert hatte. Dieses elitäre Getue! »Als ob die Familie die Absicht hätte, Oma Schlosser ins Gefängnis zu sperren! Die soll sich man nicht so anstellen!«
In welches Altersheim ich wohl mal selbst käme? Da müßte es dann eins ohne Gesinnungsschnüffelei und Radikalenerlaß geben. Aber ob ich das aushalten könnte, Tür an Tür mit gichtkranken BamS - und WamS -Lesern? Oder gar auf demselben Zimmer mit denen?
Und was war nur an Dreiecken so toll, daß die Mathematiker sich immerzu damit beschäftigten, obwohl es Dreiecke nur in Mathe gab und nicht in der Natur? Schon mal ein dreieckiges Tier gesehen? Oder ’ne dreieckige Wolke?
Hermann behauptete, er habe einmal einen dreieckigen Fisch erblickt, bei Grzimek oder Sielmann oder so, im Fernsehen, aber selbst wenn das zutraf, wäre das noch lange kein Grund gewesen, diesen Fisch zu angeln und auf dessen Wanst die Punkte A, B, C und P zu markieren und dann den Streckfaktor einer zentrischen Streckung zu berechnen, der BCP auf ein zu ABC kongruentes Dreieck abgebildet hätte.
Am Rosenmontag ging Wiebke als Clown zur Schule. Über dieses Alter war ich hinaus. Da hätten sich auch einige Leute gewundert, wenn ich als Cowboy oder Indianer kostümiert in der Klasse erschienen wäre. Oder als Ritter.
Idi Amin, der Präsident von Uganda, hatte nach einer Schätzung von Amnesty International fünfzigtausend bis dreihunderttausend Menschenleben auf dem Gewissen. Mißliebige Minister, schrieb der Spiegel , würde Idi Amin an Krokodile verfüttern und Oppositionelle mit dem Hammer totschlagen und das Leichenfleisch als Fraß für hungrige Mithäftlinge rösten lassen.
Ich hätte ja bald nicht mehr dran geglaubt, doch am Aschermittwoch lag mal wieder ein Schrieb von Michael auf der Treppe.
Hallo!
Der Brief kommt spät, aber er kommt. Und es ist inzwischen sogar was passiert! Wenn auch nichts Gutes. Ich meine unser tolles »Klassenfest«. Wir waren von einer Mädchenklasse (ganz recht: Mädchen) nach Neuendorf eingeladen worden. Es hätte aber nicht viel gefehlt, und ich wär gleich wieder abgezogen. Ich hatte mir so ’n gemütlichen, kleinen Raum mit ’n paar Sesseln vorgestellt, aber denkste – ’n Riesensaal war das, mit ’n paar Tischen als einzige Sitzgelegenheit. Und draußen war es noch wärmer als drinnen. Von ferne glaubte man einige Musikklänge wahrzunehmen. Ich und noch ’n paar andere haben uns erst einmal hingepflanzt und geguckt, was so alles passiert. Die ersten fingen an zu tanzen (ich frag mich heute noch, wonach die getanzt haben). Überhaupt: tanzen?!? Oje. Gehüpft wie die Irren, auf dem Boden rumgekrochen sindse. Haben bloß ’ne tolle Schau abgezogen. Oder es war ihnen zu kalt, und sie wollten sich aufwärmen. Die Ventilatoren in der Wand liefen nämlich auf vollen Touren, und außerdem war die Tür dauernd offen. Aber ich wär lieber erfroren, als mich auf diese Art aufzuwärmen. Dann fingen sie an, sogenannte Gesellschaftsspiele zu machen. Und weil man ja kein Spielverderber und Schneemann sein will, hab ich mitgemacht. Da mußte man sich also den linken Schuh ausziehen (in der Eiseskälte, brr!) und den in die Mitte schmeißen. Und als alle Schuhe in der Mitte lagen, konnte man sich seinen eigenen wieder rausklauben. Toll, was?
Unterdessen hatte auch der Plattenspieler schlappgemacht. Er ließ ab und zu noch ein Krächzen hören. Wenigstens war das (im Gegensatz zur Musik vorher) deutlich vernehmbar. Ist ja auch schon was wert. Irgendwie war dann um 7 Uhr abends Schluß, und man durfte nach Hause gehen. Das war also meine erste Party. Au Mann!
Jetzt sind Fastnachtsferien. Drei Tage lang. So was Langweiliges wie Fassenacht gibt’s auch nicht oft. Meine Eltern sind nach Koblenz gefahren, sich den Zug ankucken. Nee, danke. Ich bleibe lieber hier. Im Gedränge zu stehen und Karamelle und Orangen an den Kopf geschmissen zu bekommen, liegt mir nicht. Wenn man Pech hat, landet ein schönes Spiel oder sowas direkt neben einem, und im nächsten Augenblick wird man unter den Menschenmassen begraben, die gierig danach haschen. Ohne mich. Doof bin ich ja vielleicht, aber nich’ lebensmüde.
In letzter Zeit hat’s hier viel geregnet. Im Radio geben sie laufend durch, daß die Leute, die am Rhein wohnen, ihre Heizöltanks befestigen und die Keller ausräumen. Hoffentlich bleibt das Hochwasser bis Donnerstag, dann kommt der Bus nicht durch, haha, und wir brauchen nicht in die Schule. Eigentlich komisch, daß das gerade jetzt passiert,
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