Alle vier Martin-Schlosser-Romane: Kindheitsroman - Jugendroman - Liebesroman - Abenteuerroman: Mit einem Vorwort von Frank Schulz (German Edition)
wo wir sowieso keine Schule haben. Bis Donnerstag ist wahrscheinlich alles wie immer. Grrgn! Scheißfassenacht! Scheiße, Scheiße, Scheiße!
Ich bin am Ende meiner Weisheit. Jetzt gibt’s nix mehr zu schreiben. War ja auch genug.
Tschö.
Wasserstand Koblenz: 678 (steigend).
Hätte mich ja auch erstaunt, wenn es Michael besser gegangen wäre als mir. Beneidenswert war nur der Hochwasserpegel. Wenn in Meppen die Ems und die Hase mal Hochwasser hatten, hieß das noch lange nicht, daß man die Schule schwänzen durfte. Im Kreisgymnasium Meppen stand auch unter den schlechtesten Wetterbedingungen der Längenausdehnungskoeffizient von Quarzglas auf dem Unterrichtsprogramm.
Meinen Kommentar zur Diskussion über die Frauenbewegung hatte die Zeit unter den Tisch fallen lassen. Die hatten wohl genug von mir. Viermal Martin Schlosser, 14 Jahre, das reichte denen scheint’s. Na gut! Dafür hatte ich der Zeit mit meinen vier veröffentlichten Texten einhundert Mark aus den Rippen geleiert.
In der Frauenzeitschrift Emma , die Mama sich gekauft hatte, wurde der Fernsehonkel Kulenkampff als »Pascha des Monats« angeprangert, weil er sich in einer seiner Sendungen über eine Frau mit Doktortitel mokiert hatte. Und es gab furchtbare Aufnahmen von einer Klitorisbeschneidung zu sehen, die in bestimmten Entwicklungsländern üblich war. Mit Messern, Scherben oder Rasierklingen wurde den Mädchen da unten was abgeschnitten.
Was waren denn das für idiotische Sitten?
Gladbachs Sturmreihe litt immer noch unter Ladehemmung. Das 0:0 gegen Kaiserlautern brachte zwar einen Punkt ein, aber Ruhmesblätter sahen anders aus. Einen Stürmer wie den Kölner Dieter Müller hätte Gladbach jetzt gebrauchen können: Vier Tore hatte der geschossen beim verrückten 8:4 gegen Tennis Borussia.
Der Spiegel kam am Montag mit einer Titelgeschichte über einen Lauschangriff heraus, den der Verfassungsschutz auf einen Manager der Atomindustrie unternommen hatte.
Verfassungsschutz bricht Verfassung
Lauschangriff auf Bürger T.
Atomstaat oder Rechtsstaat?
Klaus Traube hieß der Mann, und er stand im Verdacht, mit Terroristen zu konspirieren, weil er angeblich Kontakt zu Leuten gehabt hatte, die ihrerseits Kontakt zu Terroristen gehabt haben sollten. In Traubes Wohnung waren mehrere Verfassungsschützer eingebrochen und hatten elektronische Wanzen an der Rückseite von dessen Schreibtisch angebracht, außerhalb der Legalität. Das war ein klarer Verstoß gegen das Grundgesetz, Artikel 13, aber der Innenminister Werner Maihofer von der FDP konnte nichts dabei finden. Der hatte angeblich auch von nichts gewußt.
Die Verfassungsschützer waren dann sogar noch einmal in die Wohnung eingebrochen, um die Wanzen wieder zu entfernen.
Ich fand’s okay, daß Heidemarie Wieczorek-Zeul Maihofer deswegen zum Rücktritt aufforderte, aber Mama sagte: »Ach, die rote Heidi will sich doch nur wichtig machen!«
Gegen den FC Brügge spielten die Gladbacher zuhause im Viertelfinale des Europapokals wie die Anfänger. 2:2. Im Rückspiel mußte ein Auswärtssieg her. Oder ein 3:3.
Wie die anderen deutschen Vereine abgeschnitten hatten, interessierte mich nicht mehr so doll wie früher. Das hätte auch Michaela Vogt nicht interessiert, so wie ich die einschätzte.
Deep in love, not a lot to say ...
Die hatte bestimmt was Besseres zu tun, als sich Gedanken über Gladbachs Chancen in der Rückrunde zu machen.
Um auch selber mal auf andere Gedanken zu kommen, las ich in der Bibel. Konnte ja nichts schaden, oder?
Siehe, meine Freundin, du bist schön! siehe, schön bist du! deine Augen sind wie Taubenaugen zwischen deinen Zöpfen. Dein Haar ist wie eine Herde Ziegen, die gelagert sind am Berge Gilead herab.
Das Hohelied Salomos. Ulkig, daß das überhaupt Eingang in das Alte Testament gefunden hatte.
Deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge, die unter den Rosen weiden ...
Wenn es irgendwie gegangen wäre, hätte ich Michaela Vogt ja gern mal meine Bücher gezeigt und ihr alles erklärt: »Das eine Buch da, das hab ich mir in Jever gekauft, wo meine Großeltern wohnen, und das blaue daneben, das ist so ’ne Art Stadtplan von Berlin, was es da so für Sehenswürdigkeiten gibt. Da stehen auch die Öffnungszeiten von Theatern und Museen und so weiter drin. Das hab ich mir mal schicken lassen, von so ’ner Behörde, die kein Geld dafür verlangt hat. Einfach aus Interesse halt. Bist du schon mal in Berlin gewesen?«
Dann würde Michaela vielleicht sagen,
Weitere Kostenlose Bücher