Althalus
Schönste, das ich je gesehen hatte. In jener Nacht träumte ich von einer wunder schönen Frau, die mir sagte, sie würde für alle Zeit für mich sorgen, wenn ich mit ihr käme. Ich habe so meinen Verdacht, was den Ursprung dieses Traumes betrifft.« Er warf einen raschen Blick über die Schulter auf Emmy.
»Würde ich so etwas tun, Schatz?«, fragte sie übertrieben unschuldig. Leitha lachte.
»Wie viel weiter ist es denn noch, Althalus?«, fragte Eliar an einem kalten bewölkten Nachmittag wenige Tage später. »Ich rieche Schnee in der Luft.«
»Nicht mehr sehr weit.« Althalus blickte in den Süden. »Diese Berge kommen mir sehr vertraut vor.« »Was ist das?«, rief Andine erschrocken, als ein vertrautes Wimmern von den nahen Berggipfeln widerhallte. »Wir bleiben jetzt dicht beisammen«, befahl Althalus. »Das ist Ghend da draußen.«
»Ghend selbst?«, entfuhr es Bheid bestürzt.
»Vielleicht, vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist Ghend oder einer seiner Knechte nicht weit, wann immer dieses Heulen zu hören ist.« »Gar nicht weit«, warf Leitha ein. »Sie ist sehr beeindruckend, aber ihr Pferd scheint sich verirrt zu haben.«
Althalus blickte das bleiche Mädchen aus Kweron scharf an.
»Sie ist da draußen«, sagte Leitha ruhig und deutete mit der Hand nordwärts. Wolken hatten sich jenseits des Randes der Welt zusammengeballt. Sie wogten in der vom Eis tief unten aufsteigenden Strömung.
Eine dunkle Gestalt auf einem schwarzen Pferd ritt auf einer bewegten Wolkenspitze.
Dem Wuchs nach war sie zweifellos eine Frau. Ihr glänzender, eng anliegender Brustpanzer machte es deutlich. Ihr schwarzes Haar flatterte im Wind, und sie hielt einen archaisch aussehenden Speer. An ihrer Hüfte hing ein Krummschwert mit breiter Klinge. Ihre abstoßenden Züge waren von grausamer Kälte. »Ich bin Gelta, die Königin der Nacht«, rief sie mit hohler Stimme.
»Du bist das Abbild von Gelta«, verbesserte Leitha den schrecklichen Schemen, »ein unstofflicher Schatten. Kehr zu Ghend zurück und sag ihm, er soll seine Botschaften selbst überbringen.«
»Hab Acht, Gedankensaugerin«, fauchte die dunkle Gestalt. »Sprich nicht so zu mir, sonst wirst du deine Worte bereuen.«
»Wir reiten zum Haus am Ende der Welt«, antwortete Leitha gelassen. »Wenn du dich weiter darüber unterhalten willst, dann besuch uns dort - falls du es wagst.«
»Versuch es mit einem kategorischen ›dhreu‹, Schatz«, riet Emmy. »Es wird Gelta vielleicht nicht berühren, aber ihrem Pferd wird es gar nicht gefallen.«
Althalus lachte. Dann blickte er die schwer gerüstete Königin der Nacht an. »Halt dich fest«, rief er ihr zu, ehe er das Wort »dhreu« wie einen Peitschenknall hervorstieß.
Ihr Pferd wieherte, als sie durch die Wolken in die Tiefe stürzten und verschwanden. »Also, das war die Letzte von ihnen«, sagte Emmy zufrieden.
»Ich hatte mich schon gefragt, wann sie auftaucht.«
»Ihr habt es gewusst?«, staunte Leitha.
»Natürlich. Gleichmaß, Leitha. Symmetrie. Allen anderen sind
wir schon begegnet. Ghend hätte Gelta nie ausgelassen.« Althalus runzelte die Stirn. »Ist es Zufall, dass sie jetzt ebenso viele sind wie wir? « »Natürlich nicht.« Emmy machte es sich wieder in seiner Kapuze bequem. »Wir werden ihnen allen wieder begegnen, Dweia, nicht wahr?«, fragte Leitha.
»Natürlich«, antwortete Emmy. »Darum geht es, liebe Leitha.«
»Wirst du wieder laut sprechen können, wenn wir zurück im Haus sind, Em?«
»Ja, Althalus. Warum?«
»Hat mich nur interessiert. Ich werde es genießen, wenn ihr Damen meinen Kopf nicht mehr als Ratskammer benutzt.« Eliar blickte Leitha fast ehrfürchtig an. »Ich bin sehr froh, dass du auf unserer Seite stehst. Du hast vor niemand Angst, nicht wahr?«
»Für gewöhnlich nicht.«
»Sehen wir zu, dass wir weiter kommen«, forderte Althalus die Gefährten auf. »Sobald wir im Haus sind, werden wir unsere Ruhe haben und vor Ghends Überraschungen sicher sein.«
Sie erreichten das Haus an einem stürmischen Vormittag, nachdem die Wolken sie seit dem frühen Morgen mit Graupel eingedeckt hatten.
»Es ist gewaltig!« Bheid starrte auf die riesige Granitfestung. »Nur ein kleiner Bau, in dem Emmy und ich unser Zuhause sehen«, entgegnete Althalus. »Er wird uns vor dem Sturm schützen.« Die Hufe ihrer Pferde klapperten über die schweren Planken der Zugbrücke.
»Warum habt Ihr die Brücke nicht hochgezogen, als Ihr herausgekommen seid?«, wandte Eliar sich an Althalus.
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