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Anna Karenina

Anna Karenina

Titel: Anna Karenina Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Lew Tolstoi
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zurück. Er
    hatte etwa dreißig Werst zurückgelegt und brachte neunzehn Stück mit, teils Schnepfen, teils Bekassinen, und
    außerdem eine Ente; diese hatte er sich an den Gürtel gebunden, da sie in die Jagdtasche nicht mehr hineingegangen
    war. Seine Gefährten waren schon längst aufgewacht und hatten bereits Hunger bekommen und gefrühstückt.
    »Warten Sie nur, meine Herren, warten Sie nur, ich weiß, es müssen neunzehn Stück sein«, sagte Ljewin und zählte
    die Schnepfen und Bekassinen zum zweitenmal durch; verkrümmt und zusammengetrocknet, mit dem geronnenen Blute und
    mit den seitwärts verdrehten Köpfchen, hatten sie jetzt nicht mehr ein so stattliches Aussehen wie zuvor, als sie
    aufflogen.
    Die Rechnung stimmte, und Stepan Arkadjewitschs Neid tat Ljewin wohl. Auch das war ihm eine Freude, daß er bei
    seiner Rückkehr ins Lager schon den Boten von Kitty mit einem Briefchen vorfand.
    »Ich bin ganz gesund und munter. Was Deine Besorgnis um mich anlangt, so kannst Du jetzt noch mehr beruhigt sein
    als vorher. Ich habe nämlich eine neue Leibwächterin bekommen, Jelisaweta Petrowna.« (Das war die Hebamme, eine
    neue, wichtige Persönlichkeit in Ljewins Familienleben.) »Sie ist gekommen, um mich vorher zu untersuchen. Sie hat
    mich ganz gesund befunden, und wir behalten sie bis zu Deiner Rückkehr hier. Alle sind vergnügt und gesund; also
    bitte, eile nicht unnötigerweise, sondern bleibe, wenn die Jagd gut ist, ruhig noch einen Tag länger.«
    Diese beiden Freuden, die so glücklich verlaufene Jagd und der Brief von seiner Frau, waren so groß, daß Ljewin
    über zwei kleine Unannehmlichkeiten, die sich nach der Jagd einstellten, leicht hinwegkam. Die eine bestand darin,
    daß das eine Seitenpferd, der Fuchs, offenbar tags zuvor überanstrengt war, nicht fraß und den Kopf hängen ließ.
    Der Kutscher meinte, das Tier sei zu stark angestrengt worden.
    »Er ist gestern zu sehr angetrieben worden, Konstantin Dmitrijewitsch«, sagte er. »Na natürlich, zehn Werst weit
    ist er auf schlechtem Wege scharf gelaufen!«
    Die zweite Unannehmlichkeit, die im ersten Augenblick ihm die fröhliche Stimmung verdarb, über die er aber
    nachher sehr lachte, war die: von all dem Mundvorrat, den ihnen Kitty in so reichlicher Menge mitgegeben hatte, daß
    man hätte meinen sollen, sie könnten ihn in einer Woche nicht verzehren, war für ihn nichts übriggeblieben. Während
    Ljewin müde und hungrig von der Jagd zurückwanderte, hatte er sich die Pasteten mit solcher Deutlichkeit
    vergegenwärtigt, daß er bei der Annäherung an das Haus ihren Geruch und Geschmack in Nase und Mund verspürte,
    gerade wie Laska das Wild witterte, und sofort Filipp befahl, ihm welche zu bringen. Es stellte sich heraus, daß
    nicht nur von den Pasteten, sondern auch von den jungen Hühnern nichts mehr vorhanden war.
    »Der hat aber auch einen gesegneten Appetit!« sagte Stepan Arkadjewitsch lachend und wies dabei auf Wasenka
    Weslowski. »Ich leide ja auch nicht an Appetitmangel; aber das war etwas Erstaunliches ...«
    »Na, was ist zu machen!« versetzte Ljewin, indem er Weslowski einen finsteren Blick zuwarf. »Filipp, dann gib
    mir Braten.«
    »Der Braten ist aufgegessen, und den Knochen haben die Hunde bekommen«, antwortete Filipp.
    Ljewin war über diese Benachteiligung so erbittert, daß er in ärgerlichem Tone sagte: »Wenigstens etwas hätten
    Sie mir doch übrig lassen können, meine Herren!« Er war nahe daran, loszuweinen.
    »Weide doch die Vögel aus«, sagte er mit zitternder Stimme zu Filipp, wobei er sich bemühte, Wasenka nicht
    anzusehen, »und stopfe Nesseln hinein. Und für mich bitte die Wirtsleute wenigstens um Milch.«
    Erst dann, als er sich an Milch satt getrunken hatte, schämte er sich, einem Fremden gegenüber gezeigt zu haben,
    daß er sich ärgerte, und er lachte und scherzte nun selbst über seinen hungrigen Ingrimm.
    Am Abend gingen sie noch einmal auf die Suche, wobei Wasenka ein paar Stück erlegte, und fuhren in der Nacht
    nach Hause zurück.
    Die Rückfahrt gestaltete sich ebenso vergnügt, wie es die Hinfahrt gewesen war. Bald sang Weslowski, bald redete
    er mit Entzücken von seinen Erlebnissen bei den Bauern, die ihn mit Schnaps bewirtet und gesagt hatten: »Nimm
    fürlieb!« bald erzählte er von seinen nächtlichen Abenteuern mit den frischen Nüßchen und der Gutsmagd und dem
    Bauern, der ihn gefragt hatte, ob er verheiratet wäre, und auf die Mitteilung, daß er unverheiratet sei, zu ihm
    gesagt

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