Auf ewig und einen Tag - Roman
Smithsonian-Museum machen, irgendwas Schickes. Und dann kommt Brad nach Hause und erzählt mir von
seinem Tag und sagt mir, welches Kleid ich zum Krönungsball von irgendjemandem anziehen soll.«
Ich blieb an der Ladentür stehen und sah auf die verblichene Farbe. »Ich bleibe lieber hier«, sagte ich.
»Dann sitzt du hier fest und musst ständig bei den Caines wegen eines Scheißjobs zu Kreuze kriechen.«
»Zumindest ist das ein bisschen realistischer, als zu glauben, zu einer Krönung eingeladen zu werden.« Ich ging an ihr vorbei in die nach Öl riechende Werkstatt. Justin arbeitete gerade an einem Moped und zog irgendwas mit einem Schraubenzieher fest, der so groß war, dass man vermutlich ein ganzes Hausdach damit hätte abschrauben können. Eve stieß mich an und sagte laut flüsternd: »Schau dir mal die Muskeln an.«
Justin wurde rot, als er sich zu uns umdrehte. »Ich wusste gar nicht, dass ihr Mädels heute herkommt.«
»Ich bin eigentlich nur hier, um Kerry abzuliefern und mich herzurichten.« Eve griff in ihre Tasche, zog Puder und Lippenstift heraus, schaute in den Taschenspiegel auf und trug dunkles Karminrot auf.
Ich beugte mich hinunter, um Justin einen Kuss zu geben, aber er rutschte von mir weg. »Besser nicht«, sagte er. »Ich bin schmutzig.«
»Als würde mir das was ausmachen.« Ich drückte mich an ihn und verbarg mein Gesicht in seinem Haar. Es war schön, ihn so zu halten, als wäre er kleiner als ich, als könnte ich ihn beschützen.
»So. Schon besser«, sagte Eve.
Wir beide drehten uns um.
Eve hatte ihren Mantel und Pullover ausgezogen und präsentierte sich in einem schwarzen rückenfreien Oberteil. Während
sie sprach, streifte sie ihre Strümpfe ab. »Kerry hat mich heute Morgen wie eine Nonne ausstaffiert.«
Justin erstarrte. Sein Griff um meinen Arm wurde fester. Ich sah ihn an, richtete mich auf und stand zwischen ihnen.
Aber Justin machte sich los. Und plötzlich spürte ich diesen wortlosen Austausch zwischen Eve und Justin, dessen Gesicht bleich wurde. »Es hat minus sechs Grad draußen«, sagte er.
»Du machst dir zu viel Sorgen.« Eve zog ihren Mantel an und nickte mir zu. »Er macht sich zu viel Sorgen. Du musst ihm beibringen, mehr Spaß zu haben.« Damit drehte sie sich um und schlenderte zur Tür hinaus.
Justin sah ihr mit starrem Blick, dessen Ausdruck ich nicht deuten konnte, nach. Ich schaute auf die Strümpfe hinab, die Eve auf dem Boden liegen gelassen hatte, dann wandte ich mich wieder ihm zu, küsste ihn auf die Wange, dann auf den Hals, kämpfte gegen den Ölgeruch an und bemühte mich, ihn wieder zurückzuholen.
Er seufzte, hielt mich fest, die Hände auf meinen Rücken gepresst. Seine Erektion fühlte sich an wie Fingerknöchel, die sich in mein Fleisch bohrten. Aber sie gehörte mir.
16
Justin stand nackt da, er sah rosa und wund aus, wie die neue Haut unter Schorf. Er schaute mich verliebt an und zog an seinem Penis. Er wurde immer länger und dünner, als wäre er aus Knetmasse, und er grinste, streckte ihn mir entgegen und begann ihn zu schwingen wie ein Springseil. »Das macht Spaß!«, sagte er. Erschrocken fuhr ich hoch, hielt den Atem an und rieb mir die Augen. Manchmal, dachte ich, war es besser, wenn die Traumbilder etwas besser verschlüsselt daherkamen.
Und dann bemerkte ich, dass das Licht brannte. Ich nahm die Hände von den Augen und sah Eve am Fußende des Bettes kauern. »Eve?«
Sie sah zu mir auf, ihre Augen waren mit Wimperntusche verschmiert. Ich kroch unter meiner Decke hervor und setzte mich neben sie. »Gott, was ist passiert? Geht’s dir gut?«
»Dieser verdammte Dreckskerl.«
Ich zuckte zurück, sie legte die Hände übers Gesicht. »Er hat gesagt, er liebt mich, verstehst du? Und ich hab tatsächlich geglaubt, er meint’s ernst. Aber heut Nacht …«
Ich strich ihr die Haare hinters Ohr.
»Heut Nacht sagt er: ›Weißt du, was mir nicht aus dem Kopf geht? Seit ich letzten Sommer gesehen hab, wie ihr euch gegenseitig den Rücken eingeölt habt, denk ich immer und immer wieder daran, und es lässt mich einfach nicht mehr los.‹«
Ich fuhr zurück, und mir dämmerte, was kommen würde.
Die Barbie-Zwillinge. Eve wischte sich übers Gesicht und verschmierte die schwarze Wimperntusche noch mehr. »Und dann hat er gesagt: ›Weißt du, ich denk dran, wie ihr Mädels euch beide ein Zimmer teilt, wie ihr beide euch seht …‹« Bebend holte sie tief Luft. »›Euch nackt seht. Ich stell mir euch beide immer vor,
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