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Auf ewig und einen Tag - Roman

Titel: Auf ewig und einen Tag - Roman Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Elizabeth Joy Arnold Angelika Felenda
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legte sie nicht genügend Wert darauf, meine Stimme zu hören.
    Es war unser dreißigster Geburtstag. Die Caines hatten uns alle zum Abendessen eingeladen, und Eve machte sich schick für den Anlass. Es war das erste Mal, dass ich sie in etwas anderem als Trainingsanzug oder Baumwollnachthemd sah. Sie trug einen dunklen Hosenanzug im Stil der Siebzigerjahre und hatte eine schulterlange Perücke in einem seltsamen Burgunderrot auf, die mich anfangs zurückschrecken ließ. Doch zusammen mit dunkelrotem Lippenstift, ihrer blassen Haut und ihren schmalen Wangen war der Effekt schließlich verblüffend exotisch.
    Eve betrachtete sich im Badezimmerspiegel. »Anorektischer Schick«, sagte sie.
    »Ich finde, du siehst toll aus. Du könntest der Star in einem James-Bond-Film sein.«
    »Oder ein außerirdischer Eindringling. Der mit den Wangenknochen Stahl schneiden kann und auf dessen Kopf sich der
Himmel reflektiert.« Eve seufzte und betastete die Rostflecken im Waschbecken. »Ich hasse Geburtstage.«
    »Hasst du auch Häschen? Und den Weltfrieden?«
    »Seit du fortgegangen bist, hasse ich beides. Aber jetzt ist mein letzter Geburtstag, und plötzlich stelle ich fest, wie sehr ich Geburtstagskuchen liebe, die flaumig weißen mit Marmeladefüllung. Ist das nicht albern? Für den Rest meines Lebens möchte ich jeden Tag diesen verdammten Geburtstagskuchen essen.«
    »Das lässt sich machen«, antwortete ich. »Wir könnten die Tage feiern.«
    Eve lachte. »Als wäre jeder Tag ein Geschenk? Mann, das ist erbärmlich.« Sie sah auf die Badezimmerfliesen hinab. »Letzten Winter, als ich die Behandlung abgebrochen habe, hab ich mit Gott einen Handel geschlossen. Wenn ich es bis dreißig, also bis ins richtige Erwachsenenalter, schaffe, würde ich mich bemühen, das alles hinzunehmen, ohne wahnsinnig zu werden.«
    »Und du hast es geschafft«, flüsterte ich.
    »Es war ein blöder Deal.« Sie schloss die Augen und schwankte leicht. »Bring mich lieber zurück ins Bett.«
    Ich legte die Arme um sie und trug sie die Treppe hinunter. Sie war erstaunlich schwer, und als wir bei ihrem Bett ankamen, waren wir beide erschöpft.
    »Meine Knochen tun weh«, sagte sie. »Mist.«
    Ich begann, ihr die Schultern zu massieren, aber sie zuckte zurück. »Tabletten?«, fragte ich.
    Eve zog eine Grimasse. »Ich will doch nicht beim Essen einschlafen.« Sie legte sich zurück und lächelte schwach, dann griff sie unter ihr Kissen und zog ein kleines eingewickeltes Päckchen hervor. »Lenk mich einfach ab. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.«

    Ich zog die Augenbrauen hoch und nahm das Päckchen. Sie zuckte die Achseln, zog die Nase kraus und schob die Hand unter ihren Rücken.
    Ich riss das kindische Einwickelpapier auf, und hervor kam eine mit Samt ausgeschlagene Schachtel, in der ein goldenes Blatt lag. »Fürs Geburtstagsarmband«, sagte ich leise. Seit wir klein waren, schenkten wir uns kleine Anhänger für die Armbänder, die wir von unserer Mutter bekommen hatten. Doch in dem Jahr, als wir siebzehn wurden, warf ich meines über eine Klippe hinab.
    »Das hab ich dir in dem Jahr, als du fortgegangen bist, zum Geburtstag gekauft«, sagte sie mit vor Schmerz zusammengebissenen Zähnen. Sie zuckte zusammen, als sie sich aufs Bett zurücklehnte. »Wir haben uns nicht so toll verstanden damals, kaum miteinander geredet, trotzdem hab ich dir einen Anhänger gekauft. Ich dachte, wenn du einen für mich hättest, wäre ich vorbereitet.«
    Es gab mir einen Stich in der Brust. »Ich hab dir tatsächlich einen gekauft. Aber abgewartet, ob du mir was schenken würdest.«
    Eve stieß ein kurzes Lachen aus. »Miststück.«
    Die Haustür ging auf, und Justin kam mit einem Paket im Arm herein. Er sah uns einen Moment an, dann streckte er es uns entgegen.
    »Mein Gott, du hast es nicht vergessen«, sagte Eve und grinste ihn an.
    Er schüttelte den Kopf und legte mir das Paket in die Arme. Ich stand da und las den Absender.
    »Zu eurem Geburtstag wahrscheinlich«, sagte er.
    Ich blickte auf Eve hinab und legte das Paket auf ihr Bett. Eve starrte es an und sah mir dann in die Augen. »Du hast Mom gefunden?«, fragte sie flüsternd.

    »Bert und Georgia haben mir die Nummer gegeben. Vor ein paar Wochen hab ich angerufen und mit einer Freundin von ihr gesprochen, das ist alles.«
    »Einer Freundin von Mom?« Eve kuschelte sich in ihr Kissen. »Was hat sie gesagt?«
    »Nicht viel. Bloß, dass sie geheiratet hat, wieder geschieden ist und jetzt in Miami lebt.

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