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BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition)

Titel: BAD BLOOD - Gesamtausgabe: Die Saga vom Ende der Zeiten (über 3000 Buchseiten!) (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Manfred Weinland / Timothy Stahl / Adrian Doyle
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ergießen. Doch der Graf fasste sich ebenso schnell wieder, wie er beinahe die Contenance verloren hätte.
    "Man warnte mich vor Euch als einem Mann, der keinen Respekt kennt und der kein Blatt vor –"
    "Hört nur auf mit diesem Gewäsch!“, Wenzel stemmte sich zornig aus dem weichen Sesselpolster und blieb noch einen Moment vor dem Grafen stehen, ehe er sich zur Tür des Kaminzimmers wandte. "Veranlasst, dass mir eine Kammer für meine Gerätschaften geräumt wird – am besten in Nähe der Verliese! Danach lasst die Toten dorthin schaffen. Ich werde einen jeden aufschneiden, um zu erforschen, woran er starb!"
    Graf Martinics Gesicht hatte die Farbe des beinahe verschütteten Weines angenommen. Er nickte.
    "Danach möchte ich mit denen sprechen, die Umgang mit der Frau hatten, bevor sie gefangengenommen wurde!“ Vor der Tür blieb Wenzel noch einmal stehen. Nicht zurück, sondern auf die kunstvoll vertäfelte Tür starrend, sagte er: "Zu guter Letzt würde mich noch interessieren, inwieweit andere, der Graf Slavata zum Beispiel, über die Bedeutung der Gefangenen informiert sind."
    "Nur Slavata ist eingeweiht", erreichte ihn die Antwort. "Sonst kennen ein paar Soldaten Bruchstücke der ganzen Wahrheit..."
    "Falsch!“, korrigierte ihn Wenzel, ehe er den Raum endgültig verließ. "Die
Wahrheit,
damit solltet Ihr Euch abfinden, kennt noch niemand! Aber ich kam, um sie zu finden – und ich schwöre Euch, auch wenn Ihr es durch Euer Verhalten nicht verdient habt, ich werde sie ans Licht zerren!"
     
     
    Der Hautsack wurde um so voluminöser, je mehr er dem Ziegenschoss entglitt, der sich wie eine klaffende Wunde geteilt hatte!
    Hieronymus Neruda erschrak nicht nur der ihm unfassbaren Größe des hervordrängenden Neugeborenen wegen, sondern auch angesichts der Umstände, die diesen Akt begleiteten.
    Es war nicht die erste Niederkunft eines Tieres, der er beiwohnte, aber solche Gerüche, solche Laute, die nicht aus dem Maul des Muttertiers kommen konnten
(aber woher dann – etwa schon von jenseits der grauen Hülle, die das in die Welt gesetzte neue Leben enthielt?)
, hatte er noch niemals zuvor bemerkt.
    Selbst das Licht im Stall schien sich zu verändern. Das Licht, das nicht mehr nur der mitgebrachten Lampe entströmte, sondern außerdem – und absonderlich
fremd
– ein Abglanz der feucht-geschmeidigen, zum Bersten prallen Hülle war, die ins Heu entlassen wurde!
    Normalerweise bereitete Neruda einen Bottich mit heißem Wasser und Leinentücher vor, aber hier verlief alles dermaßen überfallartig und irgendwie... monströs, dass er seine Gedanken kaum zu ordnen vermochte.
    Eine ganze Weile folgte sein Körper nur blind den einstudierten Reflexen. Seine Hände packten zu und versuchten dem völlig überforderten Muttertier zu helfen, das die Schwere seiner Aufgabe mit geradezu unnatürlicher Demut ertrug. Zugleich aber wurde dadurch die Abnormität des Geschehens auf die Spitze getrieben: Kein Laut löste sich aus der Kehle des Muttertieres, und kurzzeitig glaubte Neruda, es sei bereits an einer Überanstrengung des Herzens gestorben.
    Doch dann fand sein Blick wieder die Augen der Ziege – was für
Augen
, o Gott! –, die Neruda anschauten, als würde durch seine bloße Nähe und Gegenwart alles gut. Als vertrauten sie seinem Geschick, dies alles zu einem verträglichen Ende zu bringen...
    Aber die Hülle schwoll immer noch an!
    Und Neruda hatte nun das durch nichts mehr belegbare Gefühl, dass sie
außerhalb
des Ziegenbauchs größere Dimension erlangte, als es innerhalb überhaupt möglich gewesen wäre. Der graue "Sack" war jetzt schon ebenso groß wie das komplette Muttertier, und er hörte immer noch nicht auf, sich aufzublähen...!
    Ein Unding.
    Ein...
    Hieronymus Neruda suchte nach Worten, und er suchte auch, verzweifelt, nach einem Ausweg! Irgendwo in seinem Hirn, in einem sehr entlegenen Winkel, war die Angst erwacht. Lähmend kaltes Entsetzen, wie eine sich auf der Haut niederschlagende Kruste aus Eis – ein unbeweglicher Panzer!
    Neruda, neben Muttertier und... ja,
was
eigentlich?... kniend, wurde plötzlich von einer ungeheuer starken Vision überrannt.
    Eine Vision von bedrückender Schärfe, in der er nicht nur seine eigene kleine, private, sondern die Welt insgesamt in Not und Tod versinken sah!
    Ich muss es verhindern!
durchzuckte es ihn in düsterer Klammheit. Er wusste nun, dass hier kein unschuldiges Zicklein ins Leben geworfen wurde, sondern etwas, DAS NIE UNTER DIE MENSCHEN KOMMEN

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