Blutsverwandte: Thriller (German Edition)
wie lange du schon verfolgt wirst?«
»Nicht besonders lange, glaube ich. Wahrscheinlich hätte ich es gemerkt, wenn mir jemand den ganzen Weg von Redlands gefolgt wäre. Ich habe einmal am Polizeipräsidium haltgemacht und dann noch einmal zum Tanken.«
»Ehrlich?«
Sein Unglauben darüber verschaffte mir einen Moment Zeit, um erneut in den Spiegel zu blicken.
»Er darf nicht mitkriegen, dass du in den Spiegel siehst«, warnte er, worauf ich ihm gern gesagt hätte, dass ich nicht auf den Kopf gefallen war, aber warum das Offenkundige noch betonen? Überdies ist es schwer, schlau zu wirken, wenn man diejenige ist, die den Verfolger nicht bemerkt hat.
»Er bleibt weit genug zurück, dass ich sein Nummernschild nicht erkennen kann – und ihn auch nicht«, fügte Ethan hinzu. »Er trägt eine Mütze und eine Sonnenbrille und fährt einen dunkelblauen Geländewagen. Keinen von den ganz gro ßen, aber hoch genug, um uns über ein paar normale Autos hinweg zu sehen.«
»Ich habe schon begriffen, welcher Wagen es ist«, erklärte ich. Er lachte nicht, ein Hinweis darauf, dass er beunruhigter war, als er sich anmerken ließ.
Ich bog ab und fuhr weg von unserem Haus. »Setz dich nicht auf«, bat ich Ethan. »Vielleicht weiß er nicht, dass du im Wagen bist, und das könnte uns nützen.«
»Kein Problem. Aber der Sicherheitsgurt könnte mich verraten.«
Ich bog erneut ab und warf Ethan einen Blick zu. Sein Gesicht war blass und angespannt. »Hast du Schmerzen? Lüg mich nicht an.«
»Nennen wir es Unbehagen. Ich komm schon damit klar.«
Der blaue Geländewagen tauchte ein paar Autos hinter mir wieder im Verkehr auf. Ich überlegte, was für Möglichkeiten ich hatte.
Bog ich in eine weniger befahrene Straße ab, würde ich ihn entweder verjagen oder angriffslustiger machen. Wollte er lediglich herausfinden, wo ich wohnte, ließ er sich vielleicht ein wenig zurückfallen, doch falls er Übles im Schilde führte, war das keine gute Wahl.
Also hielt ich mich an größere Straßen. Der Geländewagen blieb dran. Ich hatte zwar einen vollen Tank, doch lange konnte ich das nicht mehr machen, sonst musste ich am Schluss noch Ethan in die Notaufnahme bringen.
Das Gleiche galt dafür, an Kreuzungen irgendwelche Überraschungsmanöver zu veranstalten. Hätte ich allein im Wagen gesessen, wäre ich schneller um Kurven gefahren und hätte die eine oder andere rote Ampel missachtet. Ich würde versuchen müssen, den Geländewagen durch unauffälligere Schachzüge abzuschütteln oder ihn irgendwohin zu lotsen, wo er auf keinen Fall hinwollte.
Ich überlegte, noch einmal zum Polizeipräsidium zu fahren, doch das wäre nur eine vorübergehende Lösung, da er mir womöglich von dort aus gefolgt war. Außerdem hatte ich Angst, dass die Sache noch zuvor über meinen Kopf hinweg entschieden würde.
Ich griff nach meiner Handtasche und schob sie Ethan hin. »Hol mein Handy raus – es steckt seitlich drin. Drück länger auf die Zwei, dann wird Franks Handy angewählt. Sag ihm, was los ist, und frag ihn, ob ein Streifenwagen einen von uns anhalten könnte.«
»Einen von uns anhalten! Warum nicht gleich den anderen?«
»Das wäre mir natürlich auch am liebsten, aber Hauptsache, wir schütteln ihn irgendwie ab.«
Frank hatte sich soeben gemeldet, als der Geländewagen in eine Seitenstraße abbog und außer Sichtweite verschwand.
»Er ist weg«, sagte ich.
Ethan erzählte Frank trotzdem, was los war. Während er mit ihm sprach, bog ich ein paarmal unnötigerweise ab, um sicherzugehen, dass ich nicht an einen zweiten Verfolger weitergereicht worden war.
»Frank sagt, wir sollen die Handyverbindung zu ihm aufrechterhalten, bis wir zu Hause sind.«
Und so plauderten sie, in erster Linie über den Besuch bei Tadeo, mit gelegentlichen Unterbrechungen, wenn Ethan eine Frage von Frank an mich weitergab, weil er wissen wollte, ob ich sicher war, dass mir nicht ein anderer Wagen folgte.
Als wir zu Hause anlangten, stand ein Streifenwagen da.
»Keine Sorge«, sagte Ethan. »Frank hat dafür gesorgt, dass es nicht Officer Fletcher ist.«
»Ich will nicht gegenüber jedem aus der Familie eine Paranoia entwickeln«, erwiderte ich, ohne zu wissen, ob es dafür nicht schon zu spät war.
Ich erkannte den Officer als Mike Sorenson, einen langjährigen Freund von Frank, und spürte, wie die letzten Reste meiner Angst von mir abfielen.
»Mann«, sagte Ethan ins Telefon, »der ist ja uralt.«
Ich hörte Frank lachen.
»Ethan«, sagte ich,
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