Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen
Carre, John le

Carre, John le

Titel: Carre, John le Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Smileys Leute oder Agent in eigener Sache (Smiley Bd 7)
Vom Netzwerk:
eine Großtat er vollbracht habe, die allergrößte: daß Willem seines Vaters
Sohn sei, ein noch besserer Soldat sogar als sein Vater - beste estnische Rasse,
seriös, gewissenhaft und zuverlässig; daß sie mit diesem Foto viele Schulden
abtragen und es den Bolschewiken ordentlich heimzahlen könnten; daß das Foto
ein Beweis sei, um den niemand herumkomme. Ein Beweis, wofür, sagte er jedoch
nicht - nur, daß Max ihn sehen und daran glauben und entsprechend handeln
werde. Willem wußte nicht recht, warum sie in den Garten hatten gehen müssen,
aber er vermutete, daß der alte Mann in seiner Erregung vor Mikrophonen Angst
bekommen hatte, denn er sprach auch schon wieder jede Menge über Sicherheit.
    »Ich bring ihn zur Gartentür, aber
nicht zum Taxi. Er sagt, ich soll nicht zum Taxi mitkommen. >Willem, ich bin
alter Mann<, sagt er zu mir. Wir sprechen russisch. >Kann sein, nächste
Woche fall ich tot um. Wenn schon! Heute haben wir große Schlacht gewonnen. Max
wird mächtig stolz auf uns sein!«
    Die Richtigkeit der letzten Worte
des Generals traf Willem so sehr, daß seine braunen Augen loderten und er
wütend aufsprang. »War Sowjets!« schrie er. »War Sowjetspione, Max, sie töten
Wladimir. Er weiß zuviel!«
    »Genau wie du«, sagte Stella, und
es folgte ein langes verlegenes Schweigen. »So, wie wir alle«, fügte sie mit
einem Blick auf Smiley hinzu.
    »War das alles?« fragte Smiley.
»Hat er sonst nichts gesagt, zum Beispiel über die Wichtigkeit der Aufgabe, die
Sie erledigt haben? Nur, daß Max glauben wird?«
    Willem schüttelte den Kopf.
    »Oder über irgendwelche weiteren
Beweise?«
    Nichts, sagte Willem; sonst nichts.
    »Auch nichts darüber, wie er sich
vorher mit Hamburg in Verbindung gesetzt und alles abgesprochen hatte? Ob noch
andere Gruppen beteiligt waren? Bitte, denken Sie nach.«
    Willem dachte nach, jedoch ohne
Erfolg.
    »Wem haben Sie denn noch davon
erzählt, außer mir?« fragte Smiley.
    »Niemand! Max, niemand!«
    »Hat gar nicht Zeit dazu gehabt«,
sagte Stella.
    »Niemand! Auf Fahrt schlafe ich in
Kabine, spare zehn Pfund Übernachtungsgeld. Wir kaufen Haus mit Erspartem. In
Hamburg erzähle ich niemand. Im Lagerhaus, niemand!«
      »Hat Wladimir jemanden ins Vertrauen gezogen - ich meine,
jemanden, den Sie kennen?«
    »Von der Gruppe niemand, nur
Mikhel, wie nötig, aber nicht ganz, nicht einmal Mikhel. Ich frag ihn:
>Wladimir, wer weiß, daß ich das für Sie tue?< >Nur Mikhel ein ganz
kleines bißchen<, sagt er. >Mikhel leiht mir Geld, leiht mir
Fotokopierer, er ist mein Freund. Aber selbst Freunden können wir nicht trauen.
Feinde fürchte ich nicht, Willem. Aber Freunde fürchte ich gewaltig.«
    Smiley wandte sich an Stella: »Sollte die Polizei hierherkommen«, sagte er. »Sollte sie kommen, so wird sie nur
wissen, daß Wladimir gestern bei Ihnen vorbeigeschaut hat. Sie wird bis zum
Taxifahrer vorgestoßen sein, genau wie ich.«
    Stella beobachtete ihn mit ihren
großen klugen Augen.
    »Also?« fragte sie.
    »Also behalten Sie den Rest für
sich. Die Polizei weiß, was sie wissen muß. Alles weitere würde nur eine
Belastung für sie sein.«
    »Für sie oder für Sie ?«
fragte Stella.
    »Wladimir hat gestern Beckie
besucht und ihr ein Geschenk gebracht. Das ist die Legende, haargenau Williams
erste Version der Geschichte. Wladimir wußte nicht, daß Sie mit Beckie zu Ihrer
Mutter gefahren waren. Er fand William allein vor, die beiden haben über alte
Zeiten geplaudert und sind im Garten spazieren gegangen. Er konnte wegen des
Taxis nicht mehr länger warten und ist also abgezogen, ohne Sie oder sein
Patenkind gesehen zu haben. Mehr war nicht.«
    »Sind Sie hier gewesen?«
Stella beobachtete ihn immer noch. »Wenn danach gefragt wird, ja. Ich bin heute
gekommen, um Ihnen die schlechte Nachricht schonend beizubringen. Daß William
der Gruppe angehört hat, interessiert die Polizei nicht. Für sie zählt nur die
Gegenwart.«
    Erst jetzt wandte Smiley seine
Aufmerksamkeit wieder Willem zu. »Sagen Sie, haben Sie noch etwas anderes für
Wladimir mitgebracht?« fragte er. »Außer dem, was im Umschlag war? Ein
Geschenk vielleicht? Was er gern hatte, aber nicht selbst kaufen konnte?«
    Willem konzentrierte sich energisch
auf die Frage, ehe er antwortete. »Zigaretten!« rief er plötzlich. »Auf Boot
kaufe ich ihm französische Zigaretten als Geschenk. Gauloises, Max. Mag er sehr
gern! >Gauloises Caporal, mit Filter, Willem.< Sicher!«
    »Und die fünfzig Pfund, die
Wladimir von

Weitere Kostenlose Bücher