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Das Buch der Zeit Band 2: Die Sieben Münzen

Das Buch der Zeit Band 2: Die Sieben Münzen

Titel: Das Buch der Zeit Band 2: Die Sieben Münzen Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Guillaume Prevost
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Ganges stand ein Tisch mit zwei Bänken. Auf einer von ihnen hockte ein Soldat, der mit einem riesigen Messer an einem Stück Holz schnitzte. Auf dem Tisch vor ihm stand in bequemer Reichweite ein Krug, und er pfiff fröhlich vor sich hin – noch ein Grandprix-Anwärter aus der Walachei, kaum zu fassen!
    Das Problem war nur, dass der Wachposten mit dem Gesicht zur Treppe saß und Sam keine Möglichkeit hätte, unbemerkt zu bleiben, wenn er erst einmal im Licht stand. Außerdem brauchte er die Schlüssel . . . Also zog er die Browning aus der Tasche, fest entschlossen, sie, wenn nötig, auch zu gebrauchen. Dabei brachte er auch den Gegenstand zum Vorschein, den er vorhin in dem unterirdischen Gang aufgesammelt hatte: eine kleine silberne Spraydose mit Tränengas, die sein Vater immer zum Schutz in der Buchhandlung gehabt hatte! Es war also wirklich Allan gewesen, der sich ebenfalls durch den Geheimgang hier eingeschlichen hatte, offenbar mit dem Ziel, Dracula mit Reizgas außer Gefecht zu setzen. Warum eigentlich nicht mit Knoblauch, wenn er schon mal dabei war?
    Sam nahm all seinen Mut zusammen und trat mit erhobener Waffe einen Schritt vor.
    »Ich komme, einen Gefangenen namens Allan Faulkner zu befreien«, stieß er in einem Atemzug hervor.
    Das klang nach einem miesen Dialog aus einem B-Movie, doch der Soldat schreckte von seiner Schnitzerei hoch und starrte ihn entgeistert an.
    »Was . . .«
    »Allan Faulkner«, wiederholte Sam. »Wo ist er?«
    Der Mann hatte einen roten Dreitagebart und eine übergroße gräuliche Warze mitten auf der Nase. Als er feststellte, dass Sam nicht nach einem furchterregenden Ritter aussah und auch nicht die entsprechende Statur hatte, fluchte er laut:
    »Bei den Hörnern meiner Schwiegermutter! Was soll denn das sein? Willst du mich mit deinem Stück Holz verprügeln?«
    Wenn er Zeit genug gehabt hätte, hätte Sam mindestens zwei Einwände gehabt: 1. Man sollte einen Menschen nie allein nach seinem Aussehen beurteilen. 2. Sein Stück Holz hatte einen technischen Vorsprung von fünfhundert Jahren. Doch er war in Eile, weshalb er nur auf den Bierkrug zielte. Der Krug zersprang in tausend Stücke, während der Knall ebenso vielfach von den Wänden widerhallte. Der Soldat machte einen Satz nach hinten und ließ vor Schreck sein Messer fallen.
    »Das . . . das ist schwarze Magie!«
    »Erraten, und glaub mir, wenn du nicht tust, was ich dir sage, mache ich mit deinem Schädel das Gleiche. Lass Allan Faulkner frei, aber schnell!«
    »Allafauker? Aber ich weiß gar nicht, von wem du sprichst!«
    Hatte sein Vater einen falschen Namen angegeben?
    »Er ist vor ungefähr fünf oder sechs Monaten hierhergekommen. Ziemlich groß, braunes Haar und blaue Augen.«
    »Ah! Der Dingo! Aber... man wird mich töten, wenn ich einen Gefangenen freilasse!«
    »Willst du lieber gleich sterben? In welcher Zelle ist er?«
    Der Mann warf einen unsicheren Blick auf eine der Türen.
    »Es gibt nur eine einzige, die belegt ist, und . . .«
    Samuel zielte mit der Waffe auf seine Stirn.
    »Hat man dir beigebracht, bis drei zu zählen?«
    »Schon gut, schon gut, ich mach ja schon auf. Aber nimm dieses seltsame Ding runter, sonst explodiert es noch in meinem Gesicht!«
    Darauf kannst du wetten, dachte Sam.
    Der Wachposten nahm den Schlüsselbund, der an seinem Gürtel baumelte, und hantierte mit dem Schloss.
    »Bitte«, sagte er und trat zur Seite.
    »Du zuerst«, befahl Sam.
     
    XXI.
    Gespräch im Kerker
     
    Der Gestank nahm einem schier den Atem. Der Boden war mit Stroh ausgestreut, als hielte man hier ein wildes Tier gefangen. Der Soldat mit der Warze ging geduckt hinein, gefolgt von Sam, der ihm den Lauf der Browning zwischen die Rippen bohrte. In dem schummrigen Licht war nur eine jämmerliche Gestalt zu sehen, die sich ganz in sich zusammengekauert hatte.
    »Papa?«
    Die Gestalt drehte sich langsam zu ihm um, und Sam blieb fast das Herz stehen: Es handelte sich tatsächlich um einen Mann, doch war dieser so abgemagert, dass seine Wangenknochen beinahe die dünne Haut zu durchbohren drohten. Seine Augen lagen so tief in den Höhlen, dass sie kaum zu erkennen waren. Bart und Haare waren so lang, dass man glauben konnte, Robinson Crusoe vor sich zu haben. Doch es war eindeutig sein Vater . . .
    »Papa?«, wiederholte Sam.
    »Sa. . . Sam«, kam es mit zittriger Stimme wie aus dem Jenseits zurück.
    Sam spürte, wie etwas in seinem Inneren plötzlich brach. Heiße Tränen rannen ihm übers Gesicht. Er versuchte

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