Das Dampfhaus
gewährte jedoch etwa eine Lücke zwischen den lothrechten Stämmen einen Einblick in das Innere derselben.
Sie lauschten gespannt. Nicht das leiseste Geräusch verrieth die Anwesenheit eines lebenden Wesens in dem Holzwürfel, der stumm wie ein Grab vor uns lag. Kapitän Hod und die Anderen kamen wieder nach der Vorderseite zurück. Sie überzeugten sich davon, daß die bewegliche Bohle in den verticalen Fugen herabgeglitten sein mußte. Wenn man diese emporhob, wurde offenbar der Zugang zur Falle freigelegt.
Es erschien nichts an der Oeffnung der Falle. (S. 234)
»Es ist nicht das mindeste zu hören! sagte Kapitän Hod, der das Ohr an die Thür gelegt hatte, nicht einmal ein Athemzug! Die Mäusefalle ist leer.
– Jedenfalls keine Unvorsichtigkeit!« ermahnte Oberst Munro.
Er nahm auf dem Stamme eines Baumes zur Linken der Lichtung Platz, und ich setzte mich neben ihn.
»Mit dem Naturforscher Mathias Van Guitt«. (S. 235.)
»Nun vorwärts, Goûmi!« trieb Kapitän Hod.
Der gewandte, wie ein Affe bewegliche und wie ein Leopard geschmeidige Goûmi – ein wahrer Hindu- – verstand, was der Kapitän meinte. Seine Geschicklichkeit bestimmte ihn naturgemäß zu dem verlangten Dienste. Er schwang sich mit einem Satze auf das Dach der Falle und ergriff einen der Zweige, welche die obere Armatur bildeten. Dann glitt er auf dem Hebel nach dem Lianenringe vor, den er durch sein Körpergewicht bis zu dem Kopftheile der den Eingang verschließenden Bohle herabzog.
Dieser Ring wurde darauf in einem dazu ausgesparten flachen Einschnitte der Bohle befestigt. Nun bedurfte es nur noch der nöthigen Belastung am anderen Hebelende, um die Maschinerie in Bewegung zu setzen.
Das erforderte jedoch die vereinten Kräfte unserer kleinen Gesellschaft. Oberst Munro, Banks, Fox und ich, wir begaben uns deshalb nach der Rückseite der Falle, um diese Bewegung auszuführen.
Goûmi verblieb in der Armatur, um den Hebel frei zu machen, wenn irgend ein Hinderniß dessen Function beeinträchtigen sollte.
»Wenn Sie mich noch brauchen, rief Kapitän Hod uns zu, so komme ich; geht es aber ohne mich, so bleibe ich lieber vor der Falle. Wenn ja ein Tiger herauskäme, soll ihn wenigstens eine Kugel begrüßen.
– Und den würden Sie sich als zweiundvierzigsten anrechnen? fragte ich den Kapitän.
– Warum nicht? antwortete Hod, wenn er durch meine Büchse fällt, findet er den Tod ja in der Freiheit!
– Verkaufen wir das Fell des Bären, fiel der Ingenieur da ein, nicht eher, als bis er erlegt ist.
– Vorzüglich, da dieser Bär ein Tiger sein dürfte! fügte Oberst Munro hinzu.
– Nun faßt kräftig an, Alle zusammen!« rief Banks.
Die Bohle war sehr schwer und glitt nur schwierig in ihren Falzen, doch gelang es uns, sie zu bewegen. Bald schwebte sie etwa einen Fuß hoch über dem Boden.
Halbgebückt und die Büchse in Anschlag, bemühte sich Kapitän Hod zu sehen, ob sich eine kräftige Tatze oder ein drohender Rachen an der Oeffnung der Falle zeigte, doch vergebens.
»Noch einen Ruck! rief Banks.
Mit Hilfe Goûmi’s, der am hinteren Hebelende anfaßte, gelang es, die Bohle nach und nach höher zu ziehen. Bald wurde die Oeffnung weit genug, um auch einem größeren Raubthiere den Durchgang zu gestatten.
Aber kein Thier ließ sich sehen.
Noch erschien es möglich, daß der Gefangene sich bei dem, rings um die Falle entstandenen Geräusche vielleicht in die dunkelste Ecke derselben verkrochen hatte. Vielleicht lauerte das Thier nur auf den günstigen Augenblick, mit einem Satze heraus zu springen, Jeden, der ihm im Wege war, zu überrennen und in der Tiefe des Waldes zu verschwinden.
Es waren das Augenblicke der höchsten Spannung.
Da sah ich den Kapitän einige Schritte vortreten, den Finger an der Krappe der Büchse, wobei er sich bemühte, den ganzen Innenraum der Falle zu überblicken.
Die Bohle war schon ganz emporgezogen und das Licht drang in breitem Strahle durch die Oeffnung ein.
Jetzt vernahm man durch die Wände hindurch ein leises Geräusch, dann einen dumpfen Laut, wie ein furchtbares Gähnen, das mir sehr verdächtig erschien.
Ohne Zweifel war ein Thier hier, welches vorher schlief und das wir plötzlich geweckt hatten.
Kapitän Hod trat näher heran und richtete das Gewehr nach einer unbestimmten Gestalt, die sich im Halbschatten regte.
Plötzlich ward es in der Falle lebendig. Ein Schreckensruf erschallte und ihm folgten die in gutem Englisch gesprochenen Worte:
»Nicht schießen,
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