Bücher online kostenlos Kostenlos Online Lesen

Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
Vom Netzwerk:
zur Schule geht.
    Rogers Hände sind immer noch zu mitgenommen, um einen Stift zu halten. Und jetzt weiß ich auch, dass ich mir weder Stifte noch Schokolade wünsche, und auch kein Toilettenpapier. Ich wünsche mir, dass Roger wieder mit mir spricht.

75
    Sag meinen Namen
    Unsere Rückkehr nach Fraser’s Ridge verlief viel schneller als der Weg nach Alamance, obwohl es bergauf ging. Es war Ende Mai; rings um Hillsborough stand der Mais bereits hoch und grün auf den Feldern, und der Wind verstreute goldenen Pollenstaub. In den Bergen würde jetzt das Korn keimen,
und bei unserem Vieh würde sich der Nachwuchs einstellen; Kälber, Fohlen und Lämmer, die vor Wolf und Fuchs und Bär geschützt werden mussten. Die Milizkompanie hatte sich gleich nach ihrer Entlassung durch den Gouverneur aufgelöst, und ihre Mitglieder hatten sich hastig zerstreut, um zu ihren Heimstätten und Feldern zurückzukehren.
    Demzufolge waren wir auf dem Rückweg eine viel kleinere Gruppe; nur zwei Wagen. Ein paar der Männer, die in der Nähe von Fraser’s Ridge lebten, hatten sich entschlossen, mit uns zu reisen, unter ihnen auch die beiden Findlay-Jungen, denn die Heimstatt ihrer Mutter lag an unserem Weg.
    Ich warf unauffällig einen Blick auf die Findlays, die gerade dabei halfen, den Wagen zu entladen und unser Nachtlager zu errichten. Liebe Jungen, aber sehr still. Sie hatten Respekt - und große Ehrfurcht - vor Jamie, hatten jedoch im Lauf des kurzen Feldzuges ein besonderes Zugehörigkeitsgefühl zu Roger entwickelt, und diese seltsame Treue hielt auch nach der Auflösung der Miliz an.
    Sie hatten ihn beide in Hillsborough besucht und auf Phoebe Sherstons Teppichen verlegen mit ihren nackten Zehen gewackelt. Mit hochroten Köpfen hatten sie Roger ihrerseits so gut wie sprachlos drei frühe Äpfel geschenkt, schief gewachsene, grüne Knubbel, die sie offensichtlich unterwegs in einem Obstgarten gestohlen hatten.
    Er hatte sie zum Dank breit angegrinst, einen der Äpfel ergriffen und heldenhaft hineingebissen, bevor ich ihn aufhalten konnte. Eine Woche lang hatte er nichts als Suppe geschluckt, und er war beinahe gestorben, als er den Bissen hinunterwürgte. Doch er hatte ihn hinunterbekommen, und sie hatten alle drei dagesessen und sich wortlos angegrinst, während ihnen die Tränen in den Augen standen.
    Die Findlays waren unterwegs meistens in Rogers Nähe zu finden, stets wachsam und sofort zur Stelle, um ihm zu helfen, wenn er mit seinen verletzten Händen etwas nicht zuwege bekam. Jamie hatte mir von ihrem Onkel lain Mhor erzählt; sie hatten offenbar reichlich Erfahrung, wenn es darum ging, unausgesprochene Bedürfnisse vorwegzunehmen.
    Roger war jung und kräftig - er war schnell genesen, und die Knochenbrüche waren nicht kompliziert -, aber zwei Wochen reichten nicht aus, um gebrochene Knochen zusammenwachsen zu lassen. Ich hätte ihn lieber noch eine weitere Woche verbunden gesehen, aber er kämpfte unmissverständlich gegen jede Einschränkung an. Tags zuvor hatte ich ihm widerstrebend die Schienen von den Fingern genommen und ihn ermahnt, nichts zu überstürzen.
    »Wage es ja nicht«, sagte ich jetzt und packte ihn am Arm, als er nach einem der schweren Vorratsrucksäcke auf dem Wagen griff. Er sah mich an und zog eine Augenbraue hoch, dann zuckte er geduldig mit den Achseln und trat zurück, um Hugh Findlay den Sack herausziehen und davontragen zu lassen. Roger zeigte mit dem Finger auf den Ring aus Steinen, den lain Findlay
gerade um die Feuerstelle legte, dann auf den Wald. Konnte er Brennholz sammeln?
    »Ganz bestimmt nicht«, sagte ich unerbittlich. Er trank pantomimisch und zog die Augenbrauen hoch. Wasser holen?
    »Nein«, sagte ich. »Dir braucht nur ein Eimer aus der Hand zu rutschen, und schon...«
    Ich sah mich um und versuchte, mir etwas einfallen zu lassen, was er gefahrlos tun konnte, doch alle Aufgaben beim Errichten des Lagers erforderten körperliche Arbeit. Gleichzeitig wusste ich, wie sehr es ihm gegen den Strich ging, untätig herumzustehen und sich nutzlos vorzukommen. Er hatte es satt, wie ein Invalide behandelt zu werden, und ich konnte die bevorstehende Rebellion in seinem Auge aufblitzen sehen. Noch ein »Nein«, und er würde wahrscheinlich aus purem Trotz versuchen, den Wagen hochzuheben.
    »Kann er schreiben, Sassenach?« Jamie war neben dem Wagen stehen geblieben und hatte unser Dilemma bemerkt.
    »Schreiben? Was denn?«, fragte ich überrascht, doch er hatte schon den Arm ausgestreckt und

Weitere Kostenlose Bücher