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Das Flammende Kreuz

Titel: Das Flammende Kreuz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Diana Gabaldon
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rauschte, sein Leben dicht unter der Haut dahinfloss. Doch sein harter, kantiger Kehlkopf lag still und seltsam missgeformt unter meinen Fingern; dort spürte ich keine Pulsation, kein Vibrieren der Luft entlang der Stimmbänder.
    »Ich weiß es nicht«, wiederholte ich und zog meine Finger beklommen fort. »Möchtest du... es jetzt versuchen?«
    Da hatte er den Kopf geschüttelt, hatte sich von mir abgewandt und war zum Fenster gegangen. Die Arme auf den Rahmen gestützt, hatte er auf die Straße hinuntergeblickt, und in meinem Kopf hatte sich schwach eine beklommene Erinnerung geregt.
    Damals war es mondhelle Nacht gewesen, nicht heller Tag - in Paris. Ich war aus dem Schlaf erwacht und hatte Jamie nackt vor dem Fenster stehen sehen, die Narben auf seinem Rücken blass und silbern, die Arme auf den Rahmen gestützt, und sein Körper hatte von kaltem Schweiß geglänzt. Auch Roger schwitzte, allerdings vor Hitze; das Leinenhemd klebte ihm am Körper - und die Konturen seines Körpers waren exakt dieselben; er hatte das Aussehen eines Mannes, der darauf gefasst war, der Furcht ins Auge zu sehen, eines Mannes, der sich seinen Dämonen lieber allein stellte.
    Unten auf der Straße konnte ich Stimmen hören; Jamie, der aus dem Feldlager zurückkehrte und Jemmy vor sich auf dem Sattel hielt. Er hatte es sich zur Angewohnheit gemacht, Jemmy zu seinen täglichen Erledigungen mitzunehmen, so dass Brianna konzentriert arbeiten konnte. In der Folge hatte Jemmy vier neue Wörter gelernt - von denen immerhin nur zwei obszön waren -, und Jamies guter Rock war mit Marmeladenflecken verziert und roch wie eine schmutzige Windel, doch beide schienen mit dieser Regelung hoch zufrieden zu sein.

    Briannas Stimme driftete von unten herauf; sie lachte, während sie ihren Sohn in Empfang nahm. Roger stand da wie aus Holz geschnitzt. Er konnte sie nicht rufen, doch er hätte an den Fensterrahmen klopfen oder ein anderes Geräusch machen können, ihnen zuwinken können. Doch er regte sich nicht.
    Nach einer Weile erhob ich mich leise und verließ das Zimmer. Ich hatte einen festen Kloß im Hals, der sich nicht herunterschlucken ließ.
    Nachdem Brianna Jemmy zum Baden davongetragen hatte, hatte Jamie mir erzählt, dass Tryon die Männer, die man im Lauf der Schlacht gefangen genommen hatte, zum Großteil freigelassen hatte.
    »Darunter auch Hugh Fowles.« Er legte seinen Rock beiseite und hob sein Gesicht in Richtung des leichten Luftzuges, der vom Fenster herüberwehte. »Ich habe mich für ihn eingesetzt - und Tryon hat mir zugehört.«
    »Das war auch besser so«, sagte ich mit gereiztem Unterton. Er sah mich an und tieß einen tiefen Kehllaut aus. Ich musste an Roger denken, dessen Kehlkopf zu dieser typisch schottischen Ausdrucksform nicht länger im Stande war.
    Bei diesem Gedanken muss ich ein bestürztes Gesicht gemacht haben, denn Jamie zog die Augenbrauen hoch und berührte meinen Arm. Es war zu heiß für eine Umarmung, doch ich drückte ihm kurz meine Wange an die Schulter und tröstete mich an seinem festen Körper unter dem dünnen, feuchten Leinen.
    »Ich habe Rogers Hals genäht«, sagte ich. »Er kann atmen - aber ich weiß nicht, ob er je wieder in der Lage sein wird zu sprechen.« Geschweige denn zu singen . Der Gedanke hing unausgesprochen in der schwülen Luft.
    Jamie machte ein weiteres Geräusch, diesmal tief und wütend.
    »Ich habe mit Tryon auch über sein Versprechen gegenüber Roger Mac gesprochen. Er hat mir das Dokument der Landvergabe ausgehändigt - fünftausend Acres, die an mein Land angrenzen. Seine letzte Amtshandlung als Gouverneur - mehr oder minder.«
    »Was meinst du damit?«
    »Ich habe doch gesagt, dass er die meisten Gefangenen freigelassen hat?« Er trat rastlos zur Seite. »Alle bis auf zwölf. Ein Dutzend Männer hat er nach wie vor in Gewahrsam, gesetzlose Rädelsführer der Regulatoren. Sagt er zumindest.« Die Ironie in seiner Stimme war so deutlich zu erkennen wie der Staub in der Luft. »In einem Monat wird er ihnen den Prozess wegen Rebellion machen.«
    »Und wenn man sie für schuldig befindet -«
    »Werden sie zumindest die Gelegenheit bekommen zu sprechen, bevor man sie hängt.«
    Er war stirnrunzelnd vor dem Porträt stehen geblieben, wenn ich mir auch nicht sicher war, ob er es überhaupt sah.
    »Ich werde nicht hier bleiben, um dem Prozess beizuwohnen. Ich habe Tryon gesagt, dass wir aufbrechen müssen, um uns um unsere Felder und
Farmen zu kümmern. Deshalb hat er die Milizkompanie

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