Das Haupt der Welt: Historischer Roman (German Edition)
vergeben werde – vornehmlich an die Klöster, die wir gründen wollen. Auch die Kröte hat er geschluckt. Unsere Unterredung verlief unerwartet reibungslos und einvernehmlich. Bis dein Name fiel.«
Tugomir zog die Brauen in die Höhe, sagte aber nichts.
Widukind trank, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Dann fuhr er fort: »Geros Hass auf dich hat etwas Beängstigendes. Er kommt mir wie eine Besessenheit vor. Als ich dem Grafen berichtet habe, dass der König dich heimgeschickt hat, um als Fürst über dein Volk zu herrschen, hat er seinen Becher an die Wand geschleudert, sodass er zerbarst. Ein Bronze becher. Ich … ich habe versucht, ihn zur Vernunft zu bringen. Ich dachte, es würde ihn ein wenig milder stimmen, wenn er hört, dass der König dir Alveradis zur Frau gegeben hat und dass sie guter Hoffnung ist. ›Der nächste Fürst der Heveller wird Euer Enkel sein‹, habe ich zu ihm gesagt …« Er brach ab und schüttelte den Kopf.
»Und?«, hakte Tugomir nach. »Er war nicht milder gestimmt, nehme ich an.«
Widukind hob hilflos die Hände. »Er wurde so kreidebleich, dass ich glaubte, der Schlag habe ihn getroffen. Dann sprang er auf, torkelte ein paar Schritte weg von der Tafel und erbrach sich ins Stroh.«
Tugomir lachte in sich hinein. Er hörte selbst, wie bitter es klang.
»Es … es tut mir leid, dass ich dir von dieser abscheulichen Szene berichten muss. Kein Ehrenmann verdient, so über jedes vernünftige Maß hinaus gehasst zu werden. Aber ich dachte, du musst es erfahren.«
»Sei unbesorgt. Es bekümmert mich nicht so wie dich. Geros Hass ist mir nicht neu. Und er beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn ich mir vorstelle, meine Schwester bekäme ein Kind von ihm, wird mir auch schlecht.«
»Nein«, widersprach Widukind entschieden. »Was ich in seinen Augen gesehen habe, ist etwas, dessen du überhaupt nicht fähig bist. Es war abscheulich. Wie ein Geschwür. Du musst dich vor Gero hüten, Tugomir. Wenn es um dich geht, kennt er keinerlei Vernunft mehr.«
»Aber er hat sein Wort nicht zurückgenommen? Er unterwirft sich den Befehlen des Königs?«
»Ja. Zähneknirschend, aber er unterwirft sich. Und natürlich habe ich ihm berichtet, dass du seinen Vetter als Geisel hältst, er es sich also besser nicht anders überlegen sollte. Das hat dem armen Gero so ziemlich den Rest gegeben. Offenbar hängt er aufrichtig an seiner Familie.«
»Ja, nur nicht an seiner Tochter«, warf Tugomir bissig ein.
»Die Vorstellung, dass Asik dein Gefangener ist, macht ihm jedenfalls schwer zu schaffen. Auch deswegen bin ich zuversichtlich, dass er Wort hält.«
Danke, Gott.
Es bedeutete, dass er eine Chance bekam. Vor allem, dass das Volk der Heveller eine Chance bekam. Auf ein besseres Leben ohne Ausbeutung und Unterdrückung, eine Zukunft. Wenn er weise genug war, diese Chance zu nutzen …
»Gut gemacht, Widukind.« Tugomir legte die Hände um seinen Becher und sah einen Moment versonnen hinein. Dann merkte er mit einem Mal, wie durstig er war nach seiner Begegnung mit der Vila, und trank einen langen Schluck. »Das heißt, wir dürfen auf keinen Fall dem Drängen der Obodriten nachgeben und mit ihnen in den Krieg ziehen.«
»Mit ihnen in den Krieg ziehen?«, wiederholte Widukind erschrocken. »Wie in aller Welt kommst du auf so einen Gedanken?«
»Nicht ich.« Tugomir berichtete ihm von Draschkos Ankunft und seiner Botschaft. »Tuglo und seine Anhänger und viele der Krieger wollen lieber heute als morgen losziehen, den alten Groll gegen die Obodriten begraben und sich ihnen anschließen.«
»Aber … aber das dürfen sie nicht! Tugomir, es würde alles zunichtemachen, was wir uns vorgenommen haben. Noch bevor wir unser Werk auch nur begonnen haben.«
»Ich weiß.« Tugomir strich sich mit der Linken über den kurzen Bart. »Wir müssen auf einen Weg sinnen, das zu verhindern, ohne Tuglo und seiner Partei einen Vorwand zu liefern, mich zu stürzen. Und ich glaube, ich habe auch schon eine Idee. Es könnte gelingen, wenn Gott mit uns ist.«
»Ich bin sicher, das ist er«, sagte Widukind.
»Dann lass uns die Priester und die Krieger versammeln und beraten.«
»Zuerst sag mir, was du vorhast.«
Tugomir erzählte es ihm.
Widukind starrte ihn ungläubig an. »Du bist vollkommen verrückt.«
Aber Tugomir schüttelte den Kopf. »Wie gesagt. Wir brauchen Gottes Hilfe. Es schadet also nicht, wenn du schon einmal anfängst zu beten, Bischof Widukind.«
»Bekomme ich heute endlich eine Antwort?«,
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