Das Internat
Larry. Erst als sein Beben allmählich nachließ, erlaubte sie sich, zu entspannen. Seit Wochen hatte er keine Enge in der Brust mehr gespürt, aber Jane wurde die Sorge nicht los, dass es etwas Ernstes sein könnte. Sie übertrieb natürlich. Ihre Kräutermittel halfen offensichtlich, was wiederum bewies, dass Stress die Ursache war.
Sogar jetzt zögerte sie, aufzustehen und damit das wunderschöne Gefühl von Ruhe und Frieden zu zerstören, das sie umgab. Er fiel sowieso gerade in den Schlaf. Während sie sich in den Armen lagen, dachte Jane über ihr Leben nach und darüber, wie sehr es darauf ausgerichtet war, Larry zu beschützen. Heute hatte sie in einem Interview spaßeshalber die Schuld an seinem grauen Haar auf sich genommen. Sie hatte gescherzt, dass sie sanftmütiger und mehr firstlady-like sein sollte, dann hätte er weniger Sorgen. Morgen würde sie einen anderen Weg finden, um ihn von jedem Hauch Kritik abzuschirmen. Aber wie konnte sie ihn vor ihrer Vergangenheit beschützen? Das musste Jane um jeden Preis gelingen.
Mattie hatte heute einige Nachrichten hinterlassen. Den ganzen Tag über hatte Jane keine Gelegenheit gehabt, sie in einer ruhigen Minute zurückzurufen. Wahrscheinlich vermied Jane es mit unbewusster Absicht. Mattie wollte, dass sie sich alle wieder persönlich trafen. Sie musste ihnen etwas Wichtiges sagen, und das konnte sie nicht am Telefon.
Jane wollte es nicht darauf ankommen lassen. Die Medien verfolgten sie wie eine Figur aus den Klatschblättern. Darum konnte sie es sich nicht leisten, in irgendeiner Weise Verdacht zu erregen. Ihr Mann hatte mehr Macht als je zuvor. Seine Beliebtheitswerte waren so hoch wie nie, und es war fast sicher, dass er wiedergewählt würde. Es sei denn, etwas Unvorhersehbares würde geschehen … etwa eine Mordanklage gegen seine Frau.
Mattie befand sich irgendwo in Washington, D.C., und das war alles, was Jane wusste. Als sie um sechs Uhr morgens zurückgerufen hatte, war schon arrangiert, dass Mattie und Breeze in die Hauptstadt kommen würden. Auf dem Dulles International Airport waren sie gelandet und mit der Limousine in die Tiefen des Regierungsgebäudes gebracht worden. Sie hatten John Bratton getroffen und waren von ihm persönlich einige Stockwerke in einem privaten Aufzug in sein Konferenzzimmer eskortiert worden.
Mattie hatte sich nicht besonders über das Wiedersehen mit Bratton gefreut. Breeze schon. Schamlos hatte sie ihre Attraktivitätstheorie angewendet … mit der Folge, dass Bratton sich dabei überschlagen hatte, ihnen den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, bis Jane eintraf. Mit ein paar Anrufen hatte er angeordnet, dass Wein und Käse geliefert wurden, falls eine von ihnen hungrig wäre. Jetzt beobachtete er mit dem gierigen Gesichtsausdruck eines Hundes vor einem Filetsteak, wie Breeze an einem Stück Gruyère knabberte.
Mattie nippte an einem Glas Merlot. Käse oder nicht, sie konnte Bratton nicht leiden. Ganz und gar nicht.
Ein Summen ertönte, die holzverkleidete Tür klickte und öffnete sich. Herein kam Lady Jane. Ohne Mattie und Breeze auch nur zuzunicken, ging sie direkt zu Bratton, der als Aufpasser in der Ecke stand, und sprach kurz mit ihm. Auch das konnte Mattie nicht leiden.
"Tut mir leid", sagte Jane lächelnd, als Bratton gegangen war, "aber ich könnte diese Meetings ohne ihn nicht auf die Beine stellen. John versteht, wie wichtig es ist, dass mein Mann seine Kräfte sammelt und sich konzentriert. Unsere Probleme würden Larry nur belasten, also hat John sich bereit erklärt, mir zu helfen. Ich hoffe, dass ihr keine Einwände habt."
Mattie legte die Hände auf den Konferenztisch. "Er
weiß
von unseren Problemen?"
"Nein! Ich habe gesagt, es gibt Ärger wegen eines Freundes aus der Vergangenheit, und dass ich beabsichtige, mich ohne fremde Hilfe darum zu kümmern. Also, können wir loslegen?"
Sie drehte einen der gepolsterten Konferenzstühle nach vorn, setzte sich und zog die Manschetten ihres Anzugs gerade. Es war ein klares Signal fortzufahren, aber Mattie entschied sich dagegen. Sie hatte ein Geständnis abzulegen, nur jetzt noch nicht. Erst würde sie die Bomben platzen lassen, zwei – nein, drei davon.
Nach einem weiteren Schluck Wein fragte sie sich, ob es zu früh sei, um zu trinken. Während der hektischen Reise in eine andere Zeitzone hatte Mattie jegliches Zeitgefühl verloren. Breeze, die schon ihr zweites Glas Chardonnay vor sich stehen hatte, kritzelte erotische Blumenbilder auf
Weitere Kostenlose Bücher