Das Koenigreich des Sommers
entspannte sich dann wieder. Er legte die Hand flach auf den Tisch.
»Aber er hat es nicht geschworen. Gut.« Er warf Gawain einen langen Blick zu, lächelte dann. Es war ein Lächeln wie die Sonne auf einer Welle im Sommer. »Du hast dich verändert, seit du. Dun Fionn verlassen hast. Sie sagen, du wärst der beste Krieger in Artus’ Familie.«
Gawain lächelte zurück. »Nur zu Pferd. Agravain kann mir noch immer Lektionen darüber erteilen, wo ich meinen Speer hinzusetzen habe, wenn ich zu Fuß kämpfe.«
Lot lachte. »Die Pferde, die Pferde! Das ist immer bei Artus unser Verderben gewesen. Oh, seine Männer kämpfen gut zu Fuß, aber die Kavallerie bricht die Armeen, und ich höre, daß du in diesen Tagen den Angriff leitest.«
»Da wir ja im Frieden sind, braucht in diesen Tagen niemand mehr den Angriff zu leiten.«
»Aber du hast ihn angeführt, was ich nie von dir erwartet hätte. Gut! Laß uns ein Lied hören über unsere Schande und Artus’ Ruhm! Über die Reiter des Hohen Königs.«
Einer von Maelgwyns Sängern begann ein Lied zur Harfe, und er sang von einer der Schlachten Artus’. Es war ein Lied, das sicher nicht oft in dieser Halle gesungen wurde. Für den Rest des Abends wurde Gott sei Dank wenig gesagt.
Zu einer unvernünftig späten Stunde war das Fest zu Ende, und man geleitete uns zu einer kleinen Hütte, die Maelgwyn für uns hatte richten lassen. Dabei entschuldigte er sich für die Ärmlichkeit der Unterbringung. Degganwy, so schien es, war überfüllt, und so mußte es auch sein, wo der König und die Königin von den Ynysoedd Erch und ihr Gefolge dort hineingestopft waren. Unsere Hütte hatte nur einen einzigen Raum mit zwei niedrigen Betten, aber sie war sauber und warm und hatte ein eigenes Feuer.
Gawain ließ sich auf ein Bett fallen, stemmte die Ellbogen auf die Knie und legte den Kopf in die Hände. Rhuawn nahm nach einem Augenblick des Zögerns das andere Bett und fing an, seine Wickelgamaschen aufzuschnüren. Da ich offensichtlich auf dem Fußboden schlafen sollte, begann ich auszupacken.
Nach kurzer Zeit setzte sich Gawain auf und richtete das Feuer für die Nacht her. Rhuawn zog sein Kettenhemd aus, packte es in Ölhaut und stampfte dann das Bett ein paarmal, ehe er sich hinlegte und das Schwert über seinem Kopf zurechtrückte. »Sollen wir Wache halten?« fragte er Gawain.
Mein Herr schüttelte den Kopf. »Es hat keinen Sinn, eine Wache gegen das aufzustellen, was wir jetzt fürchten müssen. Wir müssen schlafen und Gott vertrauen, daß wir wieder aufwachen.«
»Es besteht also Gefahr.«
»Große Gefahr.« Gawain setzte sich wieder und schnürte seine Übertunika auf. »Ich. Meine Mutter hat versucht, mich zu töten, als ich Dun Fionn verließ.«
»Ja. Ich hatte davon gehört.« Rhuawn rollte auf den Bauch und schaute seinen Freund an. »Sag mir, hat sie es mit Zauberei versucht?« Gawain zog seine Tunika aus, und dann nickte er, während er sie faltete.
»Na, ich hab’ nie geglaubt, daß ich einmal gegen Teufel kämpfen müßte. Mir ist immer gesagt worden, das sei das Privileg der heiligen Engel.« Er lächelte. »Ich passe da nicht hinein.«
Gawain lächelte und schüttelte den Kopf. »Vetter, ich bin froh, daß du da bist.« Er sah sich nach einer anderen Ölhaut für sein Kettenhemd um, und ich reichte ihm eine aus dem Gepäck.
»Wirst du zurück nach Camlann reiten, sobald dein Pferd ausgeruht ist?« fragte Rhuawn.
Gawain hatte das Kettenhemd schon halb ausgezogen. Er erstarrte. »Zurückreiten? Warum sollte ich?«
Rhuawn zuckte die Achseln. »Ich hätte keine Lust, gegen mein eigen Fleisch und Blut zu kämpfen und gegen meinen eigenen Vater. Trotz aller Loyalität zu unserem Herrn, ein Mann kann sich nicht gegen seinen Clan stellen.«
Gawain nahm das Kettenhemd schnell ab. »So ist das nicht.« Rhuawn und ich schauten ihn beide an, und er breitete die Hände aus. »Es stellt sich für mich nicht die Frage, ob ich mich für meine Familie gegen Artus’ Familie entscheide. Ich muß wählen zwischen Dunkelheit und Licht, und ich bin für Artus.« Als Rhuawn noch immer nichts sagte, fuhr er fort: »Siehst du denn nicht, daß dies das Werk meiner Mutter ist? Mein Vater hat Britannien nie betreten außer damals, wenn einer seiner Verbündeten ihn zum Kampf rief. Und dann kam er an der Spitze einer Armee. Er plante nur und diktierte Briefe und hörte sich seine Spione an. Aus eigenem Willen wäre er nicht hier, bei einem fuchsgesichtigen Intriganten wie
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