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Das Lied der alten Steine

Das Lied der alten Steine

Titel: Das Lied der alten Steine Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Barbara Erskine
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Ich glaube, er hat ihm eine Nachricht hinterlassen, dass er der Ibis folgen soll, wenn er seine Stelle wiederhaben will. Nein, nein, es ist noch viel besser. Meine Liebe, Roger Carstairs hat John gefragt, ob er Sie besuchen dürfe. Meine Liebe, er möchte um Ihre Hand anhalten!«
    Louisa starrte sie an. Einen Moment lang war sie zu verblüfft, um zu reagieren. Eine eisige Klammer schien sich um ihre Lunge gelegt zu haben, sodass sie nicht atmen konnte. Ihr Mund war trocken.
    Augusta klatschte in die Hände. »Selbstverständlich hat Sir John ja gesagt. Er wusste, dass Sie sich darüber sehr freuen würden! Roger hat sich immer wieder entschuldigt, dass er Sie gestern so erschreckt hat. Er sagte, aus Liebe zu Ihnen hätte er völlig den Kopf verloren. Er hat Ihnen ein wunderschönes Geschenk mitgebracht, Louisa…«
    Endlich konnte Louisa sich rühren. Steif wie eine Holzpuppe stand sie auf. Stifte und Pinsel fielen auf das Deck und rollten weg während sie Augusta anstarrte. »Was fällt ihm ein!« Ihre Stimme war so heiser, dass sie im Hals kratzte. »Was fällt ihm ein, hierher zu kommen und sich auf dem Schiff emzuschleichen! Wieso fragt er Sir John? Der ist nicht mein Vater. Wie kann irgend jemand annehmen, dass ich erfreut bin?«
    Augusta war völlig perplex. Einen Augenblick lang wusste sie nichts zu sagen. Sie hob die Hände und ließ sie wieder fallen in einer Geste völliger Verwirrung. »Er hat John gefragt, weil er Ihr Gastgeber ist. Dies ist sein Schiff. Wir kümmern uns um Sie, meine Liebe.« Sie schien den Tränen nah. »Wir dachten, Sie würden sich so freuen. Denken Sie doch: sein Titel…«
    »Ich will seinen Titel nicht, Augusta!«, sagte Louisa. »Und ich will ganz gewiss weder ihn noch sein Geschenk. Ich werde ihn nicht empfangen. Bitte sagen Sie ihm, er soll gehen.« Sie drehte sich um, lehnte sich an die Reling und starrte ins Wasser.
    »Louisa…«
    »Nein.« Sie sah sich nicht um. »Bitte! Schicken Sie ihn weg!«
    »Das kann ich nicht, Louisa.« Augusta blieb noch einen Augenblick stehen und sah sie an, dann drehte sie sich seufzend um. Als auf einen Schrei hin die Haltetaue gelöst wurden und das Schiff in den Kanal schwenkte, fand Louisa sich allein auf Deck.
    Etwa eine Stunde später begab sie sich vorsichtig zu ihrer Kabine. Als sie am Salon vorbeikam, warf sie einen Blick hinein. Augusta und Sir John saßen allein dort. Von Carstairs war nichts zu sehen. Mit einem erleichterten Seufzer ging sie weiter zu ihrer Tür und stieß sie auf. Er saß auf dem Bett. Neben ihm auf der Tagesdecke lag ihr Tagebuch und ihr Reisenecessaire.
    Als sie vor Überraschung und Angst aufstöhnte, lächelte er.
    »Bitte schreien Sie nicht, Louisa. Es wäre so peinlich, wenn ich Sir John und Augusta sagen müsste, dass sie nichts anderes als den Schrei Ihrer Leidenschaft gehört haben. Geben Sie mir den Schlüssel zu diesem albernen Kästchen und wir sind fertig miteinander.«
    »Sie haben mein privates Tagebuch gelesen!« Sie war überwältigt vor Wut.
    »Ja in der Tat. Was für ein interessanter Lesestoff! Sie scheinen meine Gesellschaft nicht zu schätzen, meine Teure. Sie haben eher etwas für Eingeborene übrig, wie ich sehe.« Er warf ihr einen höhnischen Blick zu. »Glücklicherweise sind mir Ihre Ansichten ziemlich egal. Den Schlüssel bitte oder ich muss das Schloss aufbrechen.«
    »Verlassen Sie meine Kabine!« Louisas Zorn wuchs. Hitze durchströmte sie. »Verschwinden Sie auf der Stelle!« Sie näherte sich ihm und riss ihm das Tagebuch aus der Hand. »Soll ich den Hohepriester wieder zu Hilfe rufen? Er kam, als ich ihn rief, haben Sie das vergessen? Wer weiß, was er tun würde, um mich zu beschützen.«
    Carstairs lachte. »Priester beschwören ist meine Aufgabe, nicht Ihre. Ich habe mich jahrelang in den okkulten Praktiken geübt, die die Wächter Ihres Fläschchens herbeizitieren. Wollen Sie das wirklich?« Er stand unvermittelt auf und sie zuckte erschrocken zurück. In der engen Kabine wirkte er besonders groß. Zwar versuchte sie es zu verbergen, aber ihr Mut verließ sie so schnell er gekommen war.
    Carstairs sah mit unverhohlener Verachtung auf sie herab, dann erhob er das Gesicht und atmete tief.
    »Anhotep, Priester der Isis, ich rufe dich herbei. Im Augenblick. Anhotep, Priester der Isis, zeige dich jetzt vor mir.

    Anhotep, Priester der Isis, komm ans Licht des Tages!« Er warf die Arme hoch, seine Stimme hallte in der Stille nach.
    Louisa jammerte leise.
    Sie konnte die Gestalt bereits

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