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Das Lied der weißen Wölfin: Kanada-Roman (German Edition)

Das Lied der weißen Wölfin: Kanada-Roman (German Edition)

Titel: Das Lied der weißen Wölfin: Kanada-Roman (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Claire Bouvier
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Kosenamen zu nennen. »Natürlich, wenn du es wünschst.«
    »Mrs Giles ist eine wahre Zauberin am Herd. Schade, dass sie eigentlich Jeremys Haushälterin ist und sich die meiste Zeit um ihn kümmert. Wäre er nicht mein Neffe, würde ich tatsächlich versuchen, sie ihm abspenstig zu machen.«
    Marie hatte diese »Zauberin am Herd« noch gar nicht gesehen. Leise wie ein Schatten war sie auch wieder verschwunden, nachdem das Fleisch angesetzt war.
    »Du solltest dich also nicht an solch ein Festessen gewöhnen«, meinte Rose vorlaut, worauf ihre Mutter sie scharf ansah.
    »Ich bin sicher, dass Ihre Haushälterin den Braten genauso gut hinbekommt«, entgegnete Marie diplomatisch.
    »Leider habe ich keine Haushälterin, ich koche selbst. Aber Rose tut mir Unrecht, wenn sie behauptet, dass meine Kochkünste nicht so gut seien.«
    »Das habe ich nicht behauptet, Mutter.« Rose senkte errötend den Kopf.
    Bevor Stella fortfahren konnte, fand sich Jeremy ein. Sein Haar saß ein wenig unordentlich, als sei er in einen Sturm geraten. Während er es zu ordnen versuchte, warf er Marie einen unsicheren Blick zu. »Tut mir leid, dass ich zu spät komme, Tante, unterwegs hat mich noch Mr Skinner abgefangen. Das Gespräch mit ihm hat länger gedauert, als ich dachte.«
    »Mr Skinner ist einer der Honoratioren der Gemeinde«, erklärte Jeremy, als Marie fragend dreinschaute. »Wir brauchen seine Unterstützung, um den Glockenturm renovieren zu lassen.«
    »Keine Sorge, du bist nicht der Einzige, der spät dran ist«, fuhr Stella dazwischen und blickte zu Marie. »Auch deine Verlobte ist ein wenig später nach Hause gekommen.«
    Unter Stellas Blick meinte Marie zu schrumpfen. Musste sie ihm das erzählen?
    »So.« Jeremy räusperte sich ein wenig verlegen. »Hast du … einen Spaziergang gemacht?«
    Marie versuchte, Stellas Blicke zu ignorieren. »Ja, ich habe mir die Stadt angeschaut. Ich hatte nach dem Nickerchen ein wenig Kopfschmerzen, aber die frische Luft hat mir gutgetan.«
    »Das freut mich.«
    »Setz dich doch, mein Junge!« Stella deutete auf den freien Platz am Kopf des Tisches. »Rose, hol deinem Cousin doch ein Gedeck.«
    Während Stellas Tochter davoneilte, nahm Jeremy Platz. Anstelle des schwarzen Gewands trug er nun einen Anzug, der ihn allerdings nicht weniger streng wirken ließ. Nicht einmal ihr gegenüber wagte er ein Lächeln.
    Wahrscheinlich hatte er noch nicht viel mit Frauen zu tun. Außerdem muss er sich erst an dich gewöhnen, dachte sie und beschloss, Geduld zu haben.
    »Was hat Mr Skinner denn zu deinen Vorschlägen gemeint?«
    »Er war sehr aufgeschlossen und will auch bei seinen Freunden im Stadtrat ein gutes Wort für uns einlegen. Er schätzt, dass wir den Turm schon in einem Vierteljahr überholen können. Das Ganze soll dann mit einem großen Richtfest gefeiert werden.«
    Inzwischen erschien Rose mit dem Teller. Nachdem sie Jeremy aufgetan hatte, kehrte sie an ihren Platz zurück.
    Während sie ihre Gabel auf die Serviette legte, beobachtete Marie Jeremy. Die Art, wie er die Gabel hielt und sorgfältig das Fleisch zerteilte, zeugte davon, dass er ein sehr ordentlicher Mann war. Ob das reichen würde, um eines Tages Liebe für ihn zu empfinden, wusste sie nicht. Aber es gab ihr immerhin etwas Sicherheit.
    »Wir hatten heute Nachmittag eine sehr schöne Teestunde«, brach Auntie Stella das Schweigen, das sich auf die Tafel herabgesenkt hatte. »Marie hat uns ein wenig aus ihrem Leben erzählt.«
    Kauend blickte Jeremy auf. Da er zu höflich war, um mit vollem Mund zu reden, nickte er nur.
    »Ich habe von meiner Familie erzählt«, fuhr Marie fort. »Und vielleicht magst du auch hören, was ich auf der Überfahrt erlebt habe.«
    »Das könnt ihr beide doch bei einem kleinen Rundgang besprechen, nicht wahr?«, fiel Auntie ein und warf Jeremy einen vielsagenden Blick zu.
    »Natürlich, Auntie«, antwortete Jeremy und spülte den Bissen mit einem Schluck Wein herunter.
    Marie hätte damit gerechnet, dass Jeremy sie ein wenig durch die abendliche Stadt führen würde, allein schon, um, wie es andere junge Männer taten, mit seiner Verlobten zu prahlen. Überrascht und ein wenig enttäuscht stellte sie fest, dass es sich bei dem Rundgang um einen Weg rund um die Kirche und ums Pfarrhaus handelte. Im Licht der untergehenden Sonne wirkte dieser Ort ein wenig traurig, was an den Bäumen liegen mochte, deren dunkelrotes Laub nun beinahe wie Trauerflor wirkte.
    »Die Blutbuchen hat Lord Selkirk persönlich

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