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Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
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zusammen und ging die Treppen hinunter zu meinem Auto. Ich drehte fast durch, hatte ein schlechtes Gefühl und wartete jeden Moment darauf, jemanden rufen zu hören: »Mitnick, keine Bewegung!« Im Parkhaus erwartete ich in jedem Auto, Typen in Anzügen sitzen zu sehen, die auf mich warteten. Ich fuhr vorsichtig aus dem Parkhaus, und meine Augen klebten praktisch am Rückspiegel. Ich konzentrierte mich mehr auf das, was hinter mir los war, als auf alles vor mir.
    Ich nahm die nächste Auffahrt auf den Freeway 101 und düste nach Agoura Hills, die nächste Stadt, und damit weit genug weg, dass ich es wagte, mein Handy zu benutzen.
    Ich verließ den Freeway und hielt auf einem McDonald‘s Parkplatz.
    Mein erster Anruf galt natürlich Lewis. »Das FBI kommt«, sagte ich zu ihm.
    Fast alles prallte an Lewis einfach ab. Durch sein Schild aus Arroganz drang gewöhnlich nichts durch.
    Aber nicht dieses Mal. Ich konnte hören, dass ihn die Neuigkeit nicht kalt ließ, dass er nervös wurde. Wenn das FBI es auf mich abgesehen hatte, wussten die Agenten sicher auch, dass er an meinen Hackeraktionen beteiligt gewesen war. Es war fast sicher, dass sie nicht nur Mitnick wollten.
    Ich fuhr zu meinem Apartment zurück und durchkämmte es gründlich, Zentimeter für Zentimeter. Ich sammelte alles ein, was sich seit meiner letzten Säuberungsaktion angesammelt hatte und als Beweis gegen mich verwendet werden konnte. Papiere, Disketten, jedes kleine Notizzettelchen. Und dasselbe machte ich in meinem Auto.
    An jenem Abend klopfte ich an Mark Kasdens Tür und fragte ihn, ob ich die Sachen zu dem Zeug stellen konnte, das ich schon vorher bei ihm deponiert hatte.
    Ich kehrte in meine Wohnung zurück und brachte meinen Computer wieder zu dem Freund meines Vaters, bei dem ich ihn das letzte Mal versteckt hatte.
    Ich hörte erst auf, als ich überzeugt war, dass ich komplett sauber war.
    Ich stieg in einem kleinen Motel am Ende der Straße ab, weil ich mich davor fürchtete, in meiner Wohnung zu bleiben. Ich schlief nicht sehr gut, wälzte mich im Bett hin und her und wachte früh auf.
    Am Dienstagmorgen auf dem Weg zur Arbeit fühlte ich mich wie eine Figur in einem schlechten Agententhriller: Waren da Hubschrauber? Crown Victorias? Verdächtig aussehende Typen mit Anzug und Kurzhaarschnitt?
    Nichts.
    Ich hatte das Gefühl, als könnte es jeden Moment losgehen.
    Aber der Tag verlief ereignislos. Ich schaffte es sogar zu arbeiten.
    Auf der Heimfahrt hielt ich bei einem Donutladen und kaufte ein Dutzend verschiedene. Zu Hause klebte ich einen Zettel an die Kühlschranktür: »FBI-Donuts«.
    Auch auf die Schachtel schrieb ich in Großbuchstaben:
    »FBI-DONUTS«
    Ich hoffte, sie würden sich richtig darüber ärgern, dass ich nicht nur wusste, dass sie meine Wohnung durchsuchen würden, sondern auch genau wann.
    Am nächsten Morgen, den 30. September 1992, jetzt wieder in meiner eigenen Wohnung, schlief ich unruhig, war nervös und schreckhaft, schlief nie wirklich tief.
    Gegen 6 Uhr morgens schreckte ich auf. Jemand steckte einen Schlüssel ins Schloss meiner Wohnungstür. Ich erwartete das FBI, aber die Agenten benutzen keine Schlüssel, sie hämmern an die Tür. War es ein Einbrecher? Ich rief: »Wer ist da?«, und hoffte, dass das den Eindringling verscheuchen würde.
    »FBI – machen Sie auf!«
    Ich dachte: Das war‘s. Ich wandere wieder ins Gefängnis.
    Obwohl ich gewusst hatte, dass sie kommen würden, war ich emotional nicht wirklich darauf vorbereitet. Wie hätte ich es auch sein können? Ich hatte panische Angst davor, verhaftet zu werden.
    Ich öffnete die Tür und merkte nicht einmal, dass ich splitternackt war. An der Spitze der Gruppe stand eine Frau, die es sich nicht verkneifen konnte, einen Blick nach unten zu werfen.
    Dann kam ein komplettes Team in mein Blickfeld und drängte sich in den Raum. Sie stellten die Wohnung auf den Kopf, während ich mich anzog. Sogar den Inhalt meines Kühlschranks untersuchten sie sehr sorgfältig. Keiner kommentierte oder lächelte über mein »FBI-Donuts«-Schild, und keiner rührte einen Donut an.
    Aber ich hatte bei der Säuberungsaktion gute Arbeit geleistet. Sie fanden im Kühlschrank nichts Belastendes, und sie fanden auch sonst nirgends etwas, das sie gegen mich verwenden konnten.
    Das gefiel ihnen natürlich überhaupt nicht, genauso wenig, dass ich auf naiv und dumm machte.
    Ein Agent setzte sich an den Küchentisch und forderte mich auf: »Kommen Sie her, wir müssen reden.«

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