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Das Phantom im Netz

Titel: Das Phantom im Netz Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Kevin Mitnick , William L. Simon
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»Abhörraum«, wie ich ihn damals nannte, wo alle abgehörten Gespräche aufgezeichnet wurden. (Später fand ich allerdings heraus, dass es gar keinen Abhörraum gab. Wenn auf einer der überwachten Leitungen ein Anruf ankam oder getätigt wurde, wurde das Gespräch von einem stimmaktivierten Rekorder auf dem Schreibtisch des jeweils für den Fall zuständigen Ermittlers aufgezeichnet. Er oder sie hörte sich die Aufnahme dann bei der nächsten Gelegenheit an.)
    Jetzt, da ich die Überwachungsnummern hatte, musste ich noch herausfinden, für welche Leitung sie jeweils galten. Erst wählte ich jede Nummer nacheinander an. Ich wusste, dass nur die, bei denen ich ein Besetztzeichen hörte, aktuell für eine Abhöraktion benutzt wurden. Die anderen ignorierte ich.
    Für alle aktiven Nummern rief ich bei der Vermittlungszentrale in Oakland an und überredete einen Techniker, eine Abfrage für den Rufnummernspeicher des DMS-100-Hauptverteilers durchzuführen, der für die Nummer zuständig war. (Über eine solche Abfrage erhält man die letzte Telefonnummer, die von dem Telefon aus gewählt wurde.) Durch diese Information erhielt ich eine Liste von Einwahlnummern für jede Überwachung, die Pacific Bell im Staat Kalifornien aktuell durchführte.
    Über die Ortsvorwahl und das Präfix der Überwachungsnummer ließ sich die Vermittlungsstelle identifizieren, in der die Überwachung stattfand. Wenn ich von einer Überwachung in einer Vermittlungsstelle erfuhr, über die Lewis‘ Telefon oder die Telefone eines anderen meiner Bekannten versorgt wurden, rief ich in der Vermittlungsstelle an, behauptete, ich sei bei der Sicherheit von Pacific Bell, und erklärte: »Wir haben eines unserer Geräte bei Ihnen stehen. Ich brauche die Verbindungsdaten dafür.«
    Wenig später hatte ich die Telefonnummer, die überwacht wurde. Wenn sie keinem gehörte, den ich kannte, machte ich mit der nächsten Nummer weiter.
    Vorsichtshalber prüfte ich immer wieder auf Fangschaltungen. So hielt ich mir den Rücken frei, während ich mich auf die Kernaufgabe konzentrierte: herauszufinden, was Eric wirklich im Schilde führte. Ich hatte die Idee für eine neue Herangehensweise, die ich noch nie versucht hatte. Ich rief in der Vermittlungszentrale an, die für den Hauptverteiler zuständig war, über den Erics Telefonanschluss lief. Ich überredete den Techniker vor Ort, einen Line-history Block oder LHB durchzuführen. Bei einem 1A-ESS-Hauptverteiler erhält man so die letzte Telefonnummer, die von einem Anschluss aus gewählt wurde.
    Danach fragte ich öfter einen LHB für Erics Leitung ab, manchmal mehrfach am Tag, um herauszufinden, welche Nummern er anrief.
    Bei einer dieser Nummern brach mir der kalte Schweiß aus. Eric hatte die 310 477-6565 angerufen. Hier musste ich gar nichts recherchieren, denn diese Nummer war in mein Gedächtnis eingebrannt: Sie gehörte zum FBI-Hauptquartier in Los Angeles!
    SCHEISSE!!
    Ich rief über mein geklontes Handy Lewis bei der Arbeit an und sagte: »Mach dein Funkgerät an.« Er wusste, was das in Wirklichkeit bedeutete: »Mach dein geklontes Handy an.« (Er konzentrierte sich gern auf eine Sache. Daher schaltete er, wenn er an einer Arbeit saß, sein Handy und seinen Pager aus, damit seine Gedankengänge nicht unterbrochen wurden.)
    Als ich ihn auf dem sicheren Handy erreichte, erzählte ich ihm: »Alter, wir stecken in Schwierigkeiten. Ich habe einen LHB für Erics Leitung gemacht. Er ruft beim verdammten FBI an!«
    Das schien Lewis nicht zu kümmern. Es ließ ihn völlig kalt. Was …?!
    Aber vielleicht war er gerade nicht allein im Büro und durfte sich nichts anmerken lassen. Oder vielleicht lag es an seiner Arroganz, seinem Gefühl der Überlegenheit, der Vorstellung, er sei unantastbar.
    Ich wies ihn an: »Du musst deine Disketten und Notizen aus deiner Wohnung und deinem Büro schaffen. Alles, was mit SAS zu tun hat. Du musst ein sicheres Versteck dafür finden. Ich mache dasselbe.«
    Er schien der Meinung zu sein, dass ein Anruf beim FBI keine große Sache sei.
    »Mach es einfach!« Ich musste mich sehr beherrschen, um ihn nicht anzuschreien.
    Mein gesunder Menschenverstand sagte mir, dass ich als Nächstes beim Customer Name and Location Bureau von Pacific Bell anrufen musste. Es war reine Routine, brachte aber ein überraschendes Ergebnis. Eine gut gelaunte junge Frau nahm meinen Anruf entgegen und fragte mich nach meiner PIN. Ich benutzte eine, die ich einige Monate zuvor bei einem Hack in die

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