Das Rad der Zeit 8. Das Original: Der Weg der Klingen (German Edition)
noch lange nicht beendet, und alles konnte sich noch immer blitzartig gegen sie wenden. Sie musste Unschuld vorgeben, bis sie es sich leisten konnte, damit aufzuhören. »Muss ich Euch daran erinnern, dass Unhöflichkeit dem Amyrlin-Sitz gegenüber ein Verbrechen ist, Tochter«, sagte sie stattdessen. Sie hatte schon so lange etwas vorgetäuscht, und sie war so nahe daran.
»Der Amyrlin-Sitz.« Romanda schritt über die Teppiche auf Armeslänge zu Egwene, und ihrem Blick nach zu urteilen, erwog sie, noch näher zu kommen. »Ihr seid ein Kind! Euer Hintern erinnert sich noch der letzten Schläge, die Ihr als Novizin erhalten habt! Ihr werdet Glück haben, wenn der Saal Euch nicht mit einigen hübschen Spielzeugen in eine Ecke verweist. Wenn Ihr das vermeiden wollt, werdet Ihr mir zuhören und tun, was ich Euch sage. Und jetzt setzt Euch!«
Egwene kochte innerlich, aber sie setzte sich hin. Es war noch zu früh.
Romanda stemmte mit zufriedenem Nicken die Fäuste in die Hüften. Sie sah auf Egwene herab wie eine strenge Tante, die eine ungehorsame Nichte zurechtweist. Eine sehr strenge Tante. Oder ein Scharfrichter mit Zahnschmerzen. »Dieses Treffen mit Pelivar und Arathelle muss jetzt, da es einberufen wurde, natürlich stattfinden. Sie erwarten den Amyrlin-Sitz, und sie werden sie sehen. Ihr werdet mit allem Eurem Titel gebührendem Prunk und aller Würde daran teilnehmen. Und Ihr werdet ihnen sagen, dass ich für Euch sprechen soll, woraufhin Ihr den Mund halten werdet! Es ist eine feste Hand erforderlich, sie uns aus dem Weg zu schaffen – und jemand, der weiß, was er tut. Lelaine wird zweifellos jeden Moment hier sein und versuchen, sich vorzudrängen, aber Ihr solltet Euch der Schwierigkeiten entsinnen, in denen sie steckt. Ich habe den Tag mit Gesprächen mit den anderen Sitzenden verbracht, und es erscheint sehr wahrscheinlich, dass Merililles und Meranas Versagen Lelaine zur Last gelegt werden wird, wenn der Saal das nächste Mal tagt. Wenn Ihr also irgendwelche Hoffnungen hegt, die für Euch notwendige Erfahrung zu sammeln, um dieser Stola gerecht zu werden, liegt sie bei mir! Versteht Ihr mich?«
»Ich verstehe vollkommen«, sagte Egwene mit, wie sie hoffte, sanftmütiger Stimme. Wenn sie Romanda an ihrer Stelle sprechen ließe, würden keine Zweifel mehr bestehen. Der Saal und die ganze Welt würden wissen, unter welchem Einfluss Egwene al’Vere stand.
Romandas Blick schien sich in ihren Kopf zu bohren, bevor die Frau kurz nickte. »Hoffentlich. Ich beabsichtige, Elaida vom Amyrlin-Sitz zu vertreiben, und ich werde mir diese Absicht nicht verderben lassen, weil ein Kind glaubt, es wüsste genug, um seinen Weg über die Straße zu finden, ohne dass jemand seine Hand hält.« Sie warf sich mit einem Schnauben den Umhang um und rauschte aus dem Zelt. Der Schutz schwand mit ihr.
Egwene saß da und blickte stirnrunzelnd zum Zelteingang. Ein Kind? Verdammt sei die Frau, sie war der Amyrlin-Sitz! Ob es ihnen nun gefiel oder nicht – sie hatten sie erwählt, und sie würden damit leben müssen! Sie ergriff das steinerne Tintengefäß und warf es auf den Zelteingang.
Lelaine sprang zurück und entging dem Geschoss nur knapp. »Ruhig, ruhig«, schalt sie, während sie eintrat.
Sie bat ebenso wenig um Erlaubnis wie Romanda, umarmte die Quelle und wob ebenfalls einen Schutz gegen Lauscher. Wo Romanda Zorn empfunden zu haben schien, empfand Lelaine Selbstzufriedenheit; sie rieb sich die behandschuhten Hände und lächelte.
»Ich brauche Euch vermutlich nicht zu erzählen, dass Euer kleines Geheimnis enthüllt wurde. Das war nicht nett von Lord Bryne, aber ich denke, er ist zu wertvoll, um ihn zu töten. Sein Glück, dass ich so denke. Lasst mich sehen. Romanda hat Euch vermutlich erzählt, dass ein Treffen mit Pelivar und Arathelle stattfinden wird, Ihr aber Romanda das Reden überlassen sollt. Habe ich recht?« Egwene regte sich, aber Lelaine winkte ab. »Ihr braucht nicht zu antworten. Ich kenne Romanda. Zu ihrem Pech habe ich vor ihr davon erfahren, und anstatt geradewegs zu Euch zu laufen, habe ich die anderen Sitzenden befragt. Wollt Ihr wissen, was sie denken?«
Egwene ballte die Fäuste im Schoß, wo es, wie sie hoffte, nicht bemerkt würde. »Ihr werdet es mir vermutlich erzählen.«
»Es steht Euch nicht zu, in diesem Ton mit mir zu sprechen«, sagte Lelaine scharf, aber im nächsten Moment lächelte sie schon wieder. »Der Saal ist unzufrieden mit Euch. Sehr unzufrieden. Womit auch immer Romanda
Weitere Kostenlose Bücher