Das Rätsel der Templer - Roman
nervös, als das Licht langsam wieder hochgefahren wurde, und man sich erhob, um erneut in das hell
erleuchtete Foyer zu gehen. Gemeinsam mit dem Professor und dem Attaché stieg der Referent in den Aufzug, der ein Stockwerk
tiefer zu den Computer-Servern und dem Durchgang zum Kernfusionsreaktor führte.
»So still, Mr. Piglet?«, meinte Hagen süffisant, als sie dem geräumigen Aufzug entstiegen und sich über die neonbeleuchteten,
langgezogenen Flure ins Allerheiligste der Anlage aufmachten. »Major Simmens ist bestimmt an der Finanzierung dieses wahr
gewordenen Traums interessiert. Immerhin hat seine Regierung Unsummen ausgegeben und dafür an Raketen und Panzern sparen müssen«,
bemerkte der Professor nicht ohne einen leichten Hauch von Ironie in der Stimme. »Wollen Sie ihn nicht mit ein paar Zahlen
beglücken?«
»Ja, das interessiert mich durchaus«, ging Simmens auf den Professor ein und fixierte den zerstreut wirkenden Referenten mit
einem prüfenden Blick. Das aufgeschreckte Gesicht von Piglet entlockte ihm ein Grinsen. »So furchterregend können die Beträge
doch nicht sein. Immerhin hat der Senat seine Zustimmung gegeben.«
|211| Piglet schluckte erneut. Dem Senat war die ganze Angelegenheit als reines Energieforschungsprogramm verkauft worden, das man
vor Russen, Chinesen und Europäern geheim halten musste. Die wahre Bestimmung des Projekts war außer den Forschungsmitarbeitern
nur einer Handvoll von Eingeweihten bekannt, die sich vornehmlich um den Präsidenten der Vereinigten Staaten und in Kreisen
des Pentagons bewegten. Ein Umstand, der dem Attaché eigentlich geläufig sein sollte.
»Kommen Sie!« Simmens lachte und schlug Piglet kameradschaftlich auf die Schulter. »Ich wollte schon immer ein Argument in
der Hinterhand haben, wenn meine Mitarbeiter fragen, warum ihre Beförderung auf sich warten lässt.«
»Nun ja«, meinte Piglet. »Der Fusionsreaktor schlägt mit etwa sechs Milliarden Dollar zu Buche, wobei wir damit immer noch
vier Milliarden preiswerter sind als die Japaner, die sich im vergangenen Jahr für den Bau des ersten geplanten internationalen
Kernfusions-Testreaktors ITER beworben haben und deren Kostenvoranschlag sich bei einer Bauzeit von zehn Jahren auf zehn Milliarden
Dollar beläuft. Unsere Bauzeit hat, wie Sie vorhin erfahren durften, hingegen nur knapp zweieinhalb Jahre in Anspruch genommen,
was wir alleine dem genialen Erfindungsgeist unseres Professors zu verdanken haben.«
Mit einem Seitenblick vergewisserte sich Piglet, das seine Ausführungen auf ungemindertes Interesse stießen.
»Wenn Sie die deutschen Pressemeldungen aufmerksam verfolgt haben, dürfte ihnen nicht entgangen sein, dass Europa sich ebenfalls
um den Bau des Reaktors bewirbt. Jüngst erst haben sich die europäischen Forscher mit der Frage beschäftigt, ob sie bei einem
zukünftigen Fusionsreaktor in der Lage sein werden, die Belastung der Reaktorwände zu beherrschen, um eine hinreichende Lebensdauer
der alles umgebenden Hülle zu erzielen. Dabei spielt die Physik der Wechselwirkung des viele Millionen Grad heißen Fusionsplasmas
mit den Reaktorwänden eine entscheidende Rolle. Mehrere heimische Fusionsforscher, darunter ehemalige Kollegen des Professors,
haben sich zusammengeschlossen, um die Prozesse zwischen Wand und heißem Plasma eingehend zu untersuchen und damit zum europäischen
Erfolg des ITER- Projekts beizutragen. Ein Unterfangen, über das wir hier in Himmerod längst hinausgegangen sind.«
|212| »Alle Achtung«, bemerkte Simmens und bedachte Hagen mit einem fast ehrfürchtigen Blick.
Hagen winkte mit einer lässigen Handbewegung ab. »Der Reaktor war die geringste Hürde auf dem Weg zu unserem Erfolg. Der Elektromagnet,
der die nötige Feldstärke verursacht, um in den Mikrokosmos der Quantenmechanik vorzudringen, war das eigentliche Problem.«
»Wie darf ich das verstehen?« Simmens war sich von Anfang an darüber im Klaren gewesen, dass seine bescheidenen Physikkenntnisse
wahrscheinlich nicht ausreichen würden, um Hagen zu folgen. Umso mehr war er an einer halbwegs verständlichen Erklärung interessiert.
»Uns ist es gelungen, unter dem Versuchsareal entsprechende Magnetspulen unterzubringen, die ein Magnetfeld von nahezu 100.000
Tesla erzeugen, für einen Magnetpuls, der über einen Zeitraum von drei Sekunden anhält.
In dieser Zeit verbraucht die Anlage soviel Strom wie ganz Rheinland-Pfalz, Luxemburg und das nördliche
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