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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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beziehen, zumindest an den jeweiligen Ecken. Vermutlich patrouillieren sie auch zwischen den Eckpunkten. Außerdem werden sie die Eingänge und Dächer der gegenüberliegenden Gebäude im Visier haben. Es ist also eine ganze Armada zu erwarten. Ihr bezieht heute schon Posten und sorgt dafür, daß euch keine Auffälligkeit entgeht!“
    Bidram schaute in die Runde. In den bärtigen Gesichtern seiner Gegenüber regte sich kein Muskel. Ihre Blicke kreuzten sich, ausdruckslos, mit provozierender Teilnahmslosigkeit. Ihre Aufgabe war es, zu töten. Wie das zu geschehen hätte, wußten sie selbst am besten. Bidram las in ihren Gedanken, zumindest glaubte er, in ihnen lesen zu können. Unbeirrt fuhr er fort. „Der Amerikaner geht keine großen Strecken. Diese faulen Hunde gehen niemals große Strecken. Er wird mit dem Wagen die westliche Umfahrung nehmen und dort auf Höhe der Moschee parken. Sie ist sein Orientierungspunkt. Von der Moschee aus findet er sofort den Haupteingang des Gebäudes.“ Bidram setzte ein sadistisches Grinsen auf und schaute erwartungsvoll in die Runde. Als keine Reaktion zu erkennen war, fuhr er sichtlich ernüchtert fort: „Er wird das Haus nie betreten.“ Erneut schaute er von einem zum anderen.
    Taheri brach schließlich das Schweigen: „Legen sie ihn gleich auf der Straße um oder wie soll das vonstatten gehen?“
    Bidram sah Taheri mißbilligend an. „Hast du schon vergessen, was ich vergangenen Samstag, hier an diesem Tisch, schwor? Natürlich soll er nicht auf der Straße umgebracht werden! Wir brauchen ihn als Faustpfand, um dort unbeschadet rauszukommen, Dummkopf! Wir fahren mit ihm ein Stück in die Berge, nach Zarbad Shah. Dort lasse ich ihn in diesen Koffer schauen ...“ – er zeigte auf den unter dem Fenster abgestellten Aluminiumkoffer – „... der ist randvoll Dollarnoten, alles Hunderter!“ Er blickte den drei Gestalten in die zerfurchten Gesichter, ohne auf eine Reaktion zu hoffen. „Anschließend kriegt ihr ihn. Denkt daran, er hat elf eurer Brüder auf dem Gewissen!“
    Erstmals kam Bewegung in die verwegene Truppe. Der in ihrer Mitte Sitzende, offensichtlich ihr Anführer, ergriff das Wort. „Es ist unsere heilige Pflicht, den Mord an unseren Brüdern zu rächen. Wir werden dies erledigen, wie wir gewohnt sind, so etwas zu erledigen. Der räudige Hund wird elf Tode sterben. Doch was soll der Schwachsinn mit dem Geldkoffer? Und warum sollen wir mit dem Amerikaner nach Zarbad Shah fahren, durch die Posten hindurch, wenn wir das in unmittelbarer Nähe erledigen können?“
    Bidrams Antwort kam ohne Zögern. Offensichtlich hatte er mit diesem Einwand gerechnet. „Haltet ihr uns für dämlich? Die Posten sind bestochen, sie sind auf unserer Seite. Außerdem ist der Ami unsere Geisel! Mit ihm kommen wir unbeschadet aus der Stadt! Ich rate euch, nie wieder am Sinn unserer Aktionen zu zweifeln! Das Geld ist für euren Stammesfürsten bestimmt; er wird es persönlich in Zarbad Shah entgegennehmen! Es dient der Finanzierung des Dschihad! Da wagst du, den Sinn dieser Aktion in Frage zu stellen?“ Bidram sah dem Burschen mit kaltem Blick in die Augen. Ihm entging nicht das Mahlen der Backenknochen.
    Der Bursche öffnete kaum den Mund, als er auf Bidrams Attacke minimalistisch reagierte. „Natürlich zweifle ich nicht daran, nachdem ich jetzt vom Zweck dieser Aktion erfuhr!“
    Bidram wußte, daß er sein Gegenüber in die Ecke getrieben hatte. „Dann wirst du mir sicherlich nicht die kleine Freude absprechen, diesem gierigen Schwein einen Blick in den Koffer zu gönnen, bevor ihr ihn in die Finger bekommt.“
    Sie sahen sich fünf, sechs Sekunden starr in die Augen, ohne ihre tatsächlichen Gedanken zu verraten. „Mach weiter!“ Der Rädelsführer hatte das Interesse an der Fortsetzung des Disputs verloren.
    Bidram, aufgrund des unerwarteten Einlenkens irritiert, suchte einen Moment nach den richtigen Worten, bevor er fortfuhr. „Also – wir gehen nicht in das Gebäude. Sollen die Hurensöhne darin doch verfaulen! Der Zugriff findet draußen statt! Der Amerikaner nähert sich, vermutlich von Westen kommend, der Moschee. Dort wendet er sich nach links. In diesem Moment treten wir ...“ – Bidram zeigte auf sich und Taheri – „… vor dem Gebäude in Erscheinung. Wir tragen deutlich sichtbare Ohrhörer und Mikrofone und stehen, für jeden erkennbar, in stetem Funkkontakt zu einer Leitstelle. Ich halte den Aluminiumkoffer in der Hand. Dieser wird einen Moment die

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