Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)
Aufmerksamkeit des Amerikaners auf sich ziehen, denn natürlich geht er davon aus, daß darin die geforderten zehn Millionen sind. Der Trottel weiß nicht, daß hierfür so ein Koffer gar nicht ausreicht! Das ist der Moment, in dem ihr zugreift. Ihr nehmt ihn in die Mitte, und der hintere von Euch hält ihm, für Beobachter sichtbar, ein Messer an den Hals. Die beiden anderen richten ihre Pistolen, abgedeckt, doch für Profis erkennbar, auf den Körper des Amerikaners. Denkt daran: Wir dürfen im Umfeld keine Panik auslösen, da sonst der kontrollierte Rückzug gefährdet ist! Wir beide bleiben vor dem Gebäude stehen, bis ihr das westlich der Moschee geparkte Fluchtfahrzeug, einen Range Rover mit Stander, erreicht habt. Der Fahrer wird uns über Funk informieren, sobald ihr losfahrt. Ist das soweit klar?“
Die Burschen nickten stumm. Bidram fuhr fort: „Erst dann werden wir beide uns in Richtung Norden begeben; gemächlichen Schrittes gehen wir hoch zum Khyber-Park. Sie werden uns innerhalb des Areals nicht aufhalten, da wir den Amerikaner haben. Sollte uns in diesem Getümmel etwas passieren, wäre das Leben des Yankee keinen Pfifferling wert. Sollten sie uns außerhalb des Khyber-Parkareals aufhalten wollen, erklären wir ihnen, daß der Amerikaner sofort getötet wird, wenn wir über Funk das diesbezügliche Signal geben oder aber auf Abruf nicht unverzüglich mit dem vereinbarten Code reagieren. Die Mikrophone werden sie überzeugen. Wir werden ihnen sagen, daß eine Lösegeldforderung gestellt würde. Dann setzen wir uns in verschiedenen Fahrzeugen, jedes vorne und hinten eskortiert, in unterschiedliche Richtungen ab, natürlich unter Androhung der Exekution des Amis, sollten sie uns folgen. Wir treffen uns auf der Nazir Bagh Road. Dort wird – unmittelbar hinter uns – ein Lkw-Unfall inszeniert, der jede weitere Verfolgung unmöglich macht. Wir sehen uns dann in Zarbad Shah. Dort könnt ihr mit dem Ami machen, was ihr wollt, aber erst, nachdem er in den Koffer geschaut hat! Ich will seine gierigen Augen gesehen haben, bevor ihr ihn häutet! Gibt es Fragen?“ Bidrams lauernder Blick glitt von einem zum anderen. „Keine? ... Dann an die Arbeit!“
13. August, 11:00 Uhr Ortszeit; Plot 10, H09, Islamabad
Aus der Diele drang ein Summton. „Einen Moment, bitte!“ Der General erhob sich und verließ raschen Schrittes den Raum. Sie hörten, wie er den Hörer der Gegensprechanlage abhob. „Bitte? ... Prima, daß es so schnell geklappt hat! Komm rauf! Wir warten schon.“ Der General blieb in der Diele und öffnete die Eingangstür. Sie hörten die Fahrstuhltür, dann jemanden den Flur entlangkommen. Es war eine eigentümliche Gangart, die Sander sich nicht sofort erklären konnte. Erst als der Unbekannte sich der Tür näherte, wurde ihm bewußt, daß der Besucher eine Beinprothese trug. Er malte sich in Gedanken einen älteren, leicht gebeugt gehenden Kriegsversehrten aus. Um so überraschter war er, als ein etliches über 1,80 Meter großer, durchtrainierter Recke mittleren Alters im Türrahmen erschien, dessen dunkelhaarige Kurzhaarfrisur die weit in den erhöhten Stirnbereich ragenden Geheimratsecken betonte.
Der General und der Fremde begrüßten sich mit kräftigem Händedruck. Auffallend war die Art, wie sie sich ansahen, sich zulächelten. Das war keine lästige Konvention, das kam von innen! Da trafen sich zwei Menschen, die sich blind vertrauten! Der General nahm den Fremden beim Arm und führte ihn durch den Salon zu ihrer Sitzgruppe. „Darf ich vorstellen – Richard ‚Dick‘ Bassett, Oberst a. D. der US Marines. Einer meiner vertrautesten Kampfgefährten, als es in Afghanistan gemeinsam gegen die Sowjets ging. Sorry, Igor! So war das damals.“ Sander fiel auf, daß bei der Erwähnung des Namens ‚Igor‘ eine Augenbraue des Oberst unmerklich zuckte und unverzüglich dessen Blick zu ihm schwenkte, obwohl zwischen ihnen Aamir saß. Was, zum Teufel, ging hier vor? Wußte der Oberst etwas? War es doch ein Fehler, hierher gekommen zu sein? Er nahm sich vor, dem Fremden nicht über den Weg zu trauen.
Der General hatte bereits den Weg zur Schrankwand in Angriff genommen, als er ihnen über die Schulter zurief, sie mögen sich ein jeder selbst vorstellen, er habe momentan Wichtigeres zu tun. Er öffnete die inzwischen bekannte Schranktür und arrangierte mühselig vier Cognac-Schwenker auf dem knapp bemessenen Tablett. Inzwischen stellten sie sich dem Oberst vor, zunächst Igor, dann
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