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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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mit Kontakten zur radikal-islamistischen Szene! Alles vergessen? Warum hat sich die Türkei nicht um seine Freilassung bemüht, wenn heute festzustehen scheint, daß schon 2002 seine Unschuld erwiesen war?“ Cannons Augen funkelten. Das war sein Thema! Ohne Sander die Möglichkeit einer Einwendung zu geben, fuhr er fort: „Da forderten allen Ernstes eure Moralisten in schriller Aufgeregtheit, daß die 2002 verantwortlichen Politiker zur Rechenschaft zu ziehen seien. Am liebsten hätten sie euren Außenminister gestürzt. Sie hielten dies allen Ernstes für angemessen! Niemand hinterfragte mit Nachdruck die tatsächlichen Beweggründe des Türken. Ihr seht vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr! Nicht, daß euch das Vermögen fehlt – es fehlt euch der Wille, zu sehen. Ihr hofft, die Gefahr ginge an euch vorüber, wenn ihr sie nur lange genug ignoriert.“
    Sander hatte auf den Moment gewartet, daß Cannon Luft holen mußte. „Ich sehe das nicht anders als du. Die Erklärung liegt in unserer Vergangenheit, ferner in der sensationsgeilen Aufbereitung durch die Medien und last, but not least im Opportunismus der Politiker. Der ‚Bremer Taliban‘ war als Schlagzeile längst verbraucht, aber ein über diesen Fall strauchelnder Minister – das wäre die Schlagzeile gewesen! Und im Schlepptau – wie du so schön sagtest – die ‚schrille Aufgeregtheit‘ mediengeiler Selbstdarsteller. Man kann aus dem Winkel vorgeblicher moralischer Überlegenheit trefflich punkten! Fragt sich nur, wo die Besserwissenden 2002 waren, als angeblich die Freilassung des Türken zur Diskussion stand. Immerhin waren etliche der Bedenkenträger damals Parlamentarier, teils sogar in Regierungsämtern.“ Sander leerte sein Glas, um sogleich fortzufahren: „Was mir allerdings nicht einleuchten will – was hat das mit eurer Vorgehensweise in Afghanistan zu tun? Ist es nicht auffällig, daß überall dort, wo ihr eure ‚Missionen‘ ausfechtet, dem militärischen Anfangserfolg in der Regel das Chaos folgt? Die Gründe liegen doch wohl weniger in europäischer Verzagtheit, als in eklatanten strategischen Defiziten eurerseits.“
    Cannon warf die Fernbedienung auf den Tisch. Da baute sich Druck im Kessel auf, das würde fraglos eine temperamentvolle Auseinandersetzung werden! Sander registrierte das mit subtilem Lächeln, bot sich hier doch die Revanche für den rüpelhaften Schulterwurf. „Mann, Horst! Du hast gut reden! ‚Eklatante strategische Defizite‘ … Es gibt nun einmal Gruppierungen, denen Demokratie ein Greuel ist! Dazu zählen ja wohl unwidersprochen Al Qaida und die Taliban. Ihr drückt euch in Afghanistans vergleichsweise ruhigem Norden ‘rum, während wir – gemeinsam mit einer Handvoll Briten, Kanadiern und Holländern – im Süden den höchsten Blutzoll zahlen! Der Süden ist traditionelles Taliban-Gebiet, nicht der Norden!“
    Sander hatte während Cannons emotionaler Erwiderung ungerührt die Gläser gefüllt. Er schob ächzend Cannons Glas über den Tisch. „Trink erst ‘mal einen Schluck, das beruhigt! Vielleicht macht ihr euch einmal Gedanken, warum es im Norden vergleichsweise ruhig ist. Möglicherweise liegt das an unserer Vorgehensweise, die nicht im Sturmgewehr das vorrangige Argument sieht, sondern in Lötlampen, Maurerkellen, ärztlicher Versorgung, Ausbildung. Ihr jagt Häuser in die Luft, wir reparieren sie. Wir bohren Brunnen, bauen Schulen, setzen Straßen, Dämme und Brücken instand. Zusätzlich sorgen wir, so gut es unter den gegebenen Verhältnissen darstellbar ist, für Sicherheit.“
    Sander hob sein Glas. Cannon folgte nur widerwillig der Einladung. Er mochte das nicht unwidersprochen im Raum stehen lassen. „Und dennoch wird inzwischen auch bei euch gebombt, obwohl im Norden der Taliban nie heimisch, sondern stets Besatzer war. Im Süden gelten andere Gesetze! Jede Aufbauleistung wird als Teufelszeug bekämpft, Anarchie ist das erklärte Ziel! Ihr solltet davon Abstand nehmen, ständig Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Im Süden herrscht Krieg, Partisanenkrieg ohne erkennbare Fronten, ohne erkennbaren Gegner, Zivilisten als Schutzschild, möglichst Frauen, Greise und Kinder. Dort wird täglich nach dem Zufallsprinzip gestorben! Im Norden blüht euch das noch. Dann werden wir eure strategische Überlegenheit ja kennenlernen. Ihr kriegt noch nicht einmal aus eigener Kraft eure Leute aus dem Land, geschweige, schweres Gerät bei Erfordernis hinein. Wo bleibt denn eure überlegene Strategie,

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