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Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition)

Titel: Das Salz im See 1: Ein teuflischer Plan (German Edition) Kostenlos Bücher Online Lesen
Autoren: Götz Justus
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sollten die Iraner eines Tages den Usbeken eure Landerechte ‚abkaufen‘? Dann verhandeln Moslems mit Moslems über das Schicksal der deutschen ‚Kreuzritter‘, eurer in Afghanistan stationierten Soldaten! Spätestens dann klopft ihr doch an unsere Tür! Wirklich beeindruckend!“
    Cannon registrierte mit Genugtuung, daß Sander offensichtlich Zeit benötigte, der Argumentation in adäquater Weise zu begegnen. Er hatte seine ungesicherte Flanke getroffen! Sander würde hart daran zu arbeiten haben, einen Gegenangriff überzeugend zu führen. Cannon nippte an seinem Glas, ein kleiner Schluck nur, nicht mehr die Durst löschende Hastigkeit, denn der Chianti wattierte bereits mit zartem Schleier die Gedankenarbeit. Er konnte Sanders Antwort kaum erwarten! Doch die fiel anders aus, als er erwartet hatte.
    „Es muß gar nicht dazu kommen. Das hätte übrigens auch im Süden gelten können!“
    Cannon zog die Stirn kraus. „Was heißt das nun wieder? Du sprichst in Rätseln.“
    Sander schüttelte den Kopf. „Das sind keine Rätsel, das sind Fakten! Sie stammen übrigens nicht von mir, es sind die Hinweise eines sachkundigen Moslem!“
    Nun nahm Cannon doch einen größeren Schluck. Mit einer auffordernden Geste bedeutete er Sander, sein vorgebliches Wissen preiszugeben. Der ließ sich nicht zweimal auffordern. „General Saeed hatte uns in Islamabad darauf hingewiesen, daß die NATO den Afghanistankonflikt ohne weiteres Blutvergießen austrocknen könne, würde sie den War Lords die gesamte Opiumproduktion abkaufen und diesen als Gegenleistung die Ruhigstellung der Taliban und Al Qaida auferlegen.“
    Cannons Gesichtsausdruck verriet dessen Skepsis. „Die ganze Produktion abkaufen? Wer soll das bezahlen? Und was soll damit geschehen? Wer garantiert, daß die nicht heimlich an anderer Stelle erneut Klatschmohn anbauen? Du kannst doch nicht ein so großes, topographisch unzugängliches und infrastrukturell unterentwickeltes Land unter eine Käseglocke stellen!“
    Sander war auf diese Einwände vorbereitet, gaben sie doch im Prinzip seine eigenen Gedanken wieder, wie er sie noch in Islamabad hegte, bevor General Saeed seine Erkenntnisse und Schlußfolgerungen offenbarte. „So kompliziert ist das gar nicht, wie es zunächst den Anschein hat. Fangen wir mit dem Bezahlen an. Die innerafghanische ‚Wertschöpfung‘ aus der Opiumproduktion wird mit circa vier Milliarden Dollar angegeben. Das ist nur ein Bruchteil der Kosten der Enduring Freedom-Mission. Allein schon die jährlichen US-Nachtragshaushalte zur Finanzierung dieses Konflikts übersteigen diesen Betrag bei weitem! Das heißt, mit einem Bruchteil der militärisch bedingten Ausgaben könnte der Konflikt beendet werden, weil Taliban und Al Qaida – beide erheben ‚Kriegssteuern‘ auf den innerafghanischen Opiumhandel – die zur Kriegsführung erforderliche finanzielle Basis entzogen würde.“
    Er beobachtete Cannons Reaktion. Der Amerikaner schien beeindruckt. Sander nutzte die Gelegenheit, unwidersprochen fortfahren zu können. „Hiermit komme ich zur Verwendung des Opiums. Ein Teil könnte weltweit an die Pharmaindustrie verkauft werden. Was nicht der industriellen Verwertung zugeführt werden kann, müßte entsorgt werden, beispielsweise in Biomasse-Kraftwerken. Womit ich zum nächsten Punkt komme: die Gewährleistung, daß nicht andernorts heimlich wieder Klatschmohn angebaut wird. Um den Subventionsbedarf der Klatschmohnsubstitution zu reduzieren, müßte man Alternativen anbieten, deren binnenländische Wertschöpfung in größtmöglichem Umfang derjenigen des Klatschmohnanbaus nahe käme. In dieser Hinsicht ist aufgrund der örtlichen Bedingungen – hierzu zählt insbesondere die Einkommenssituation der Bauern – der bisher angeregte Getreideanbau vermutlich nicht die optimale Lösung. Darum wird Getreide ja nach wie vor eingeführt.“
    Sander ergriff das Glas, nahm einen genüßlichen Schluck und schaute lauernd zu Cannon hinüber. Bevor dieser Anstalten zu einer Einwendung zu erkennen geben konnte, fuhr er fort, kam jetzt doch immerhin sein eigener intellektueller Beitrag, Ergebnis freizeitbedingt intensiver Gedankenarbeit seit Saeeds engagierten Vorträgen. „John, ich bin kein Biologe. Was ich jetzt sage, gibt meine ureigenen Überlegungen wieder. Von der Richtigkeit der Strategie bin ich allerdings überzeugt, es sind einzig die Details ihrer Umsetzung, die auf den Prüfstand gehören! Ein solches Detail wäre die Identifizierung des

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